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Ehrenamt

Auf Tour mit der Potsdamer Tafel

Vorsortieren im Lieferanteneingang eines Supermarktes: Kathrin Killat und Carsten Stegemann sind für die Potsdamer Tafel unterwegs.

Vorsortieren im Lieferanteneingang eines Supermarktes: Kathrin Killat und Carsten Stegemann sind für die Potsdamer Tafel unterwegs.

Potsdam.Im Transporter liegen 200 leere schwarze Klappkisten. Bereit, gefüllt zu werden. Vorne steigen Carsten Stegemann und Kathrin Killat ein. Sie machen sich um acht Uhr morgens in der Drewitzer Straße auf den Weg zu den Supermärkten in Potsdam und im Umland. Die beiden sind für die Potsdamer Tafel unterwegs. Ihre Mission: All die leeren Klappkisten mit Lebensmitteln befüllen. Lebensmittel, die für einige Menschen in der Landeshauptstadt im Supermarkt kaum erschwinglich sind.

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„Die Geschäfte koordinieren immer exakter“, sagt Carsten Stegemann. Der 54-Jährige fährt nicht nur. Er leitet auch das mobile Team, das aus 20 Fahrern besteht. In den Supermarkten sei inzwischen alles automatisiert. „Die Ware, die rausgeht, wird sofort nachbestellt“, sagt Stegemann. Durch das ausgeklügelte System werde die Lebensmittel-Menge für die Tafeln kleiner. „Gleichzeitig werden aber jene Menschen mehr, die auf unsere Spenden angewiesen sind. Zum einen wegen der Asylbewerber. Aber auch wegen der Rentner mit nur kleinem Einkommen.“

Die Supermärkte geben vor allem Gemüse an die Tafel weiter

Carsten Stegemann und Kathrin Killat fahren ihren ersten Supermarkt in Babelsberg an. Vor allem Gemüse bekommen sie in Pappkartons in den Lieferanteneingang gestellt. Sie schauen sich die Ware an und sortieren. Allerdings nur grob. Die genaue Auslese passiert in der Ausgabestelle. „Aber wenn etwas offensichtlich schlecht ist, wie das hier, kommt es gleich hier weg“, sagt Stegemann und zeigt auf eine matschige Paprika. „Wenn wir das mitnehmen, fallen für uns nur unnötig hohe Entsorgungskosten an.“

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Kathrin Killat ist seit vier Jahren dabei. Die 44-Jährige ist Landwirtin und ist jeden Freitag für die Tafel auf Tour. „Ich mache das ganz gerne, weil ich anderen Menschen helfen möchte. Außerdem sind meine Kinder nun groß und ich freue mich über eine neue Aufgabe.“ Carsten Stegemann startete 2009 und wollte nur aushelfen. Über die Jahre wuchs sein Engagement allerdings. „Ich habe einfach Spaß an der Arbeit“, sagt er. „Ich freue mich, wenn ich sehe, dass die Leute glücklich und dankbar sind.“

23 Supermärkte fahren Kathrin Killat und Carsten Stegemann an einem Tag an. An diesem grauen Januarvormittag sind es bis zur Kaffeepause 14. Die Kommunikation mit den Supermarktmitarbeitern ist an jedem Lieferanteneingang karg. Ein Hallo, ein Tschüss – das ist alles. Die Einzelhändler haben nur wenig Zeit. Die meisten haben schon vorher dokumentiert, welche ihrer Waren an die Tafel gehen. Doch einige schreiben noch ab, während der Transporter schon vorfährt.

Weil jeder Markt seine eigene Zeit hat, führt die Route kreuz und quer

Ihre Route führt Kathrin Killat und Carsten Stegemann durch Babelsberg, durch die Innenstadt und Potsdam-Nord, durch Großbeeren, Teltow, Stahnsdorf und Bergholz-Rehbrücke. Das geht manchmal ganz schön im Zickzack. Der Grund: Die zwei Ehrenamtler können keine logische, bequeme Route fahren, weil die Supermärkte nur zu individuellen Zeiten die Waren bereitstellen können. Außerdem gibt es neben den festen Spendern, die sie täglich anfahren, jene, die von Zeit zu Zeit anrufen, wenn sie größere Mengen haben. „Im Großen und Ganzen gibt es in Potsdam aber sehr viele Supermärkte, die spenden. Das sieht in anderen Städten anders aus“, sagt Carsten Stegemann. „Außerdem fahren wir ja auch Märkte im Umland an. Die Mengen, die wir bekommen, sind deswegen ganz gut.“

Gegen halb elf ist der Frachtraum des Transporters gut gefüllt. Es geht zurück zur Ausgabestelle in die Drewitzer Straße. Dort warten schon die Kollegen. Sofort packen sie an und tragen die Kisten ins Gebäude. Bald geht das Sortieren los. Sie haben viel zu tun, denn das war nur die erste Ladung. Carsten Stegemann und Kathrin Killat fahren noch einmal los; außerdem sind noch zwei weitere Wagen unterwegs. Die Ladungen von knapp 70 Supermärkten kommen so täglich in der Ausgabestelle an. Sie werden an bis zu 120 Menschen verteilt.

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Allem voran mangelt es an Helfern an der Ausgabe

Dennoch: So einiges könnte sich bessern bei der Potsdamer Tafel. Allem voran mangelt es an Helfern an der Ausgabe. Nur durch findiges Einsetzen der wenigen Ehrenamtler lassen sich die großen Mengen an Lebensmitteln sortieren und ausgeben. Zehn Leute werden dafür gebraucht. Oft genug sind nur sechs im Einsatz.

Aber auch in Sachen Lebensmittelspenden hat Carsten Stegemann, der nicht nur Leiter des Fahrerdienstes ist, sondern auch der Ausgabe und der Logistik, Wünsche: Mehr Fleisch. Denn nur sehr wenige Supermärkte geben es aus. „Früher haben die Geschäftsleitungen gesagt, das können sie auf hygienischen Gründen nicht machen“, sagt er. „Seit vier Jahren sind aber all unsere Wagen mit einer Kühlung ausgestattet. Wir könnten direkt bei ihnen reinfahren. Die Kühlkette würde nicht unterbrochen. Darauf lassen sich die Marktleiter trotzdem nicht ein.“ Warum, wisse er nicht. Er wünscht sich deswegen mehr Engagement des Gesetzgebers, damit es für die Tafeln einfacher ist, auch das Grundnahrungsmittel Fleisch an Bedürftige auszugeben.

Die Geschichte der Tafel

In Deutschland gibt es seit 1993 Tafeln. Die erste wurde in Berlin durch Sabine Werth und ihren Verein „Berliner Frauen“ gegründet. Mittlerweile gibt es im gesamten Bundesgebiet knapp 930 Tafeln. Sie sind zumeist auf Kommunenebene organisiert, weshalb sie Berliner Tafel, Hamburger Tafel oder eben Potsdamer Tafel heißen.

Ihr Kerngeschäft ist die Lebensmittelausgabe. Viele Tafeln gehen aber auch einen Schritt weiter und bieten ihren Kunden Kleidung, Haushaltswaren, Möbel und andere Leistungen an – so etwa Bringdienste, einen warmen Mittagstisch oder Kinderbetreuung.

Die Tafel Potsdam gründete sich 1997. Sie bietet nur Lebensmittel und hat zwei Ausgabestellen: In der Drewitzer Straße 22 und in der Potsdamer Straße 34 in Teltow. Die 28 Fahrer sind in drei Transportern mit Kühlung an sechs Tagen in Potsdam und dem Umland unterwegs. Jedes Zweierteam fährt an einem Tag knapp 23 Supermärkte an. Etwa 120 bedürftige Menschen kommen täglich in die Ausgabestellen. Seit 2010 zahlen sie einen Euro für die Lebensmittel. Weitere Infos und wie Sie helfen können unter: www.potsdamer-tafel.de

Von Annika Jensen

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