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Entwicklung des alten Buga-Geländes

Hotel, Gastro und irgendwas mit Klima: Zukunft der defizitären Biosphäre Potsdam

Anlagen Vorlage Biosphäre

Anlagen Vorlage Biosphäre

Bornstedt. Traurige Tropen? Auch wenn die Biosphäre nach einem Hallenumbau und mit einem neuen Konzept unter dem neuen Label „Biosphäre 2.0“ wieder an den Start gehen würde, bliebe das Dschungelparadies von Bornstedt wahrscheinlich ein Defizitgeschäft für die Landeshauptstadt. 1,6 Millionen Euro jährlich müssten aus dem städtischen Haushalt zugeschossen werden, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung einer Beschlussvorlage für die nächste Stadtverordnetenversammlung. Der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) und Entwicklungsträger-Potsdam-Chef Bert Nicke stellten die Pläne vor.

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Hotel und Gastronomie für Potsdam-Bornstedt

Schon seit Jahren schießt die Landeshauptstadt 1,7 Millionen Euro jährlich für die Biosphäre zu. Die Stadtverordneten müssten nun grünes Licht für die Verjüngungskur der in die Jahre gekommenen Ex-Buga-Halle geben. Diese soll dann laut Vorlage weiter von der Stadt betrieben werden – unter anderem mit einer engeren Verzahnung zwischen Volkspark und Biosphärenhalle als bisher.

Der Volkspark soll zum „Klimapark“ werden, während dank der Frischzellenkur der Mini-Dschungel zum außerschulischen Lernort wird. Ebenfalls angestrebt: Ein Hotel mit Tagungsmöglichkeit und Restaurant, das auch den Bornstedterinnen und Bornstedtern offenstehen soll – plus einem Biergarten.

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Biosphäre Potsdam.

Biosphäre Potsdam.

Nach dem vermutlichen Wegfall von GRW-Mitteln für die regionale Wirtschaftsförderung müsste die Landeshauptstadt aber auf einen mittleren Piratenschatz stoßen, um das Tropenparadies ohne finanzielle Verluste in die Gewinnzone zu steuern. Denn die gegenwärtige Prognose sieht so aus: „Für die Betriebsjahre nach der Wiedereröffnung – ab 2027 – werden gemäß vorliegender Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Landeshauptstadt pro Jahr durchschnittlich Aufwendungen für die Anmietung der Biosphärenhalle bei der Pro Potsdam GmbH von 1,665 Millionen Euro jährlich prognostiziert“, heißt es in der Vorlage zu den finanziellen Auswirkungen.

„Sollte die Einwerbung weiterer Fördermittel oder Drittmittel für das Projekt gelingen, reduziert sich der Refinanzierungsbedarf der Pro Potsdam und dementsprechend die Aufwendungen der Landeshauptstadt.“ An Erträgen durch die Verpachtung der Biosphärenhalle an die Biosphäre Potsdam GmbH werden durchschnittlich 81.000 Euro pro Jahr prognostiziert.

Zwei Jahre Sanierung für Tropenhalle Potsdam

Für die Sanierung der Halle werden zwei Jahre veranschlagt. Heißt: Von 2025 bis 2027 würden die Pforten der Dschungel-Enklave geschlossen bleiben. 18,2 Millionen Euro würde es kosten, um das bauliche Wahrzeichen des Bornstedter Feldes zu überholen. „Die in der Bauphase entstehenden Verluste von geschätzt 3,1 Millionen Euro müssen durch die Landeshauptstadt in den Jahren 2025 bis 2027 getragen werden“, heißt es in dem Papier.

Wie ein Ufo in blühenden Landschaften: Biosphäre Potsdam.

Wie ein Ufo in blühenden Landschaften: Biosphäre Potsdam.

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Vorausgegangen ist eine jahrelange Hängepartie rund um die Ex-Buga-Halle, die so vielversprechend an den Start gegangen war. Doch nach dem Ende der Blumenschau und dem Scheitern eines Privatbetreibers war die Landeshauptstadt notgedrungen in die Bütt gestiegen. Die Suche nach privaten Investoren geriet bald an ihre Grenzen – auch der Abriss des Kolosses am Rande des Volksparks lag durchaus im realistischen Bereich. Und so hieß es lange "Potsdam sucht die Super-Idee für die Biosphäre". 2019 beschlossen die Stadtverordneten auf der Grundlage von Ergebnissen eines Kreativworkshops die Konzeptidee "Biosphäre 2.0" unter Einbeziehung des Volksparks und eines Hotels respektive Tagungszentrums als weitere Arbeitsgrundlage. Die Verwaltung wurde beauftragt, ein Umsetzungskonzept nebst Betreiber- sowie Finanzierungsmodell vorzulegen – allerdings gab es wegen der Pandemie Verzögerungen.

Modell: Immobilienholding investiert, Stadt mietet

Betrieben werden soll die Halle von der Biosphären GmbH – das „MBS-Arena-Modell“ wurde gestern als Vorbild genannt. Heißt: Die Halle, die derzeit im Treuhandvermögen ist, geht in das Eigentum der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam über. Die „Pro“ soll wiederum die Investorin sein – im Wesentlichen kreditfinanziert. Die Refinanzierung erfolgt über einen Mietvertrag der Stadt.

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Das „im unteren Preissegment“ angesiedelte Hotel soll – falls es zum Bau kommt – nicht in städtischer Trägerschaft betrieben werden. Kritik kommt bereits von Christian Kube, Stadtteilkoordinator für Bornstedt: „Die Idee des Hotels sollte dringend überdacht werden. De facto würde das eine weitere Verkleinerung des Volksparks bedeuten.“

Kritik von Stadtverordneten

Missstimmung herrschte gestern auch unter Stadtverordneten. „Es ist offensichtlich an der Zeit, sich einzugestehen, dass die Biosphäre auch weiterhin nur mit erheblichen Zuschüssen aus dem Stadtsäckel fortführbar wäre. Genau das zu vermeiden, war aber Ziel des vor drei Jahren begonnen Prozesses“, sagt SVV-Vorsitzender Pete Heuer (SPD), „für eine Stadt mit 184.000 Einwohnern scheint ein solches Projekt einfach zwei Nummern zu groß. Entweder steigt das Land ein oder man sollte den Mut haben und erwägen, einen Schlussstrich zu ziehen.“ Er würde eher ein Angebot für Sport und Freizeit dort schaffen.

Die Linken kritisieren, dass sie die Vorlage nicht in der Tagesordnung eingestellt fanden – und das bis zum Bürgerdialog zur Biosphäre am frühen Abend. „Stadtverordnete, die darüber entscheiden und Bürgerinnen und Bürger, die darüber diskutieren sollen, kennen die aktuelle Vorlage und die momentanen Entwicklungen nicht“, monierte der Linken-Stadtverordnete Sascha Krämer: „Das ist keine Beteiligung, so sieht kein ernst gemeinter Dialog aus.“ Sein Parteikollege Hans-Jürgen Scharfenberg erklärte, dass die Vorlage bereits am Donnerstag hätte veröffentlicht werden müssen. „Offensichtlich sollen die Stadtverordneten in Unkenntnis gehalten werden, bis der OB seinen selbst erfundenen Bürgerdialog durchgeführt hat.“

Von Ildiko Röd

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