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Podcast-Festival

„Das Hören ist eine intime Situation“

Veranstalterin Saruul Krause-Jentsch macht selbst einen Dating-Podcast

Veranstalterin Saruul Krause-Jentsch macht selbst einen Dating-Podcast

Neu Fahrland. Saruul Krause-Jentsch ist eine der Initiatorinnen von „Auf die Ohren“, dem ersten Podcast-Festival in Deutschland. Die 29-jährige Berlinerin ist Betriebswirtin und hat nach Tätigkeiten in den Verlagshäusern Condé Nast und Bertelsmann im April das Label „Auf die Ohren“ gegründet. Am 28. und 29. Juli lädt sie zahlreiche deutsche Podcaster und deren Hörer zu einem gleichnamigen Festival nach Neu Fahrland ein.

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Sie laden hunderte Menschen ein, gemeinsam Podcasts zu hören. Dabei ähnelt das Format dem Radio. Wieso sollten wir das gemeinschaftlich tun?

Saruul Krause-Jentsch: Eigentlich ist das Hören eine sehr intime Situation, das stimmt. Aber immer häufiger treten die Menschen hinter diesen Audiosendungen auch live auf der Bühne auf. Es ist für sie sehr spannend zu sehen, wie die Hörer auf sie reagieren, wer ihre Hörer überhaupt sind. Es ist also ein Experiment.

Saruul Krause-Jentschauf der Bühne in Neu Fahrland

Saruul Krause-Jentschauf der Bühne in Neu Fahrland

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Wie viele Künstler oder Podcaster haben Sie beim Festival auf der Bühne?

Die Macher von 16 Shows treten auf, die zu den Podcasts mit den meisten Hörern in Deutschland gehören. Dazu gehören Besser als Sex, Beste Freundinnen, Herrengedeck oder Gemischtes Hack. Zusammen haben die jede Woche über 600 000 Zuhörer. Es treten auch Autoren auf, zum Beispiel Michael Nast, der das Buch „Generation Beziehungsunfähig“ geschrieben hat. Auch DJs kommen, wobei Musik im Hintergrund steht. Es geht bei diesem Zusammentreffen um das gesprochene Wort. Die Musik dient dazu, die Ohren vom intensiven Zuhören zu entspannen.

Wie sind Sie auf dieses Grundstück am Fahrländer See gekommen?

Wir haben etwas gesucht, was nicht so groß ist, um einen intimen Rahmen zu schaffen. Die Idee ist eigentlich ein schönes Wochenende mit Freunden zu verbringen. Es hat ein solches Treffen der Szene und ihrer Fans in Deutschland noch nicht gegeben und ich kenne nicht einmal international ein vergleichbares Aufeinandertreffen. Wir wurden durch Bekannte letztes Jahr auf dieses Stück Land aufmerksam gemacht, das uns mit seiner Lage am See und der Keramikkunst von Familie Buhlmann an den verschiedenen Stellen im Garten direkt gefallen hat.

Wofür steht das Berliner Label „Auf die Ohren“?

Wir produzieren und vermarkten Audio-Formate, die sich gegenseitig unterstützen, um ihre Reichweite zu steigern. Es ist im Grunde ein Tonstudio im Friedrichshain. Neben mir stecken dahinter auch die Macher des Podcasts „Beste Freundinnen“, die sich Max und Jakob nennen, aber anonym bleiben wollen. Die beiden unterhalten sich in ihrer Show sehr ehrlich über Liebe, Sex und Partnerschaft und ziehen damit jede Woche bis zu 200 000 Hörer an.

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Für die Gäste des Podcast-Festivals am Fahrländer See gibt es „Auf die Ohren“, doch die Anwohner dürfen beruhigt sein – es geht um das gesprochene Wort und nicht um Musik

Für die Gäste des Podcast-Festivals am Fahrländer See gibt es „Auf die Ohren“, doch die Anwohner dürfen beruhigt sein – es geht um das gesprochene Wort und nicht um Musik

Haben Sie auch einen eigenen Podcast?

Ja! „Bestes Dating“ heißt der und ist wie ein Blind Date für den Hörer. Man kann dort jemanden im Gespräch mit mir kennenlernen, sich in die Stimme verlieben, in seine Seele, und ihm eine E-Mail schreiben. Das geht weg vom oberflächlichen „Tinder“-Dating, wo man sich in einem kurzen Augenblick für oder gegen eine Person entscheidet. Die Singles bewerben sich bei mir, ich rede mit ihnen und stelle auch sehr intime Fragen. Jede Woche wird ein 20 Minuten langer Zusammenschnitt eines solchen Gesprächs veröffentlicht.

Es geht anscheinend sehr viel um Sex in der Podcastszene oder trügt der Eindruck?

Das stimmt durchaus, es gibt tatsächlich viele solche Formate. Beziehungen, Liebe und Sex sind sehr beliebte Themen. Es gibt aber sehr viele andere Podcasts, die interessante Interviews bieten oder Wissen vermitteln. Die Lästerschwestern diskutieren über Filme, Videospiele und das Internet. Bei Muckefuck sprechen ein Musikproduzent und ein Journalist über neue und alte Musik. Auch 11 Freunde sind beim Festival zu Gast und bei deren Podcast geht es natürlich um Fußball.

Im Vorfeld gab es nun Aufregung, weil die Anwohner ein großes, lautes Event in einem Landschaftsschutzgebiet fürchteten. Was lief da schief?

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Eigentlich alles. Wir dachten ehrlich gesagt, dass wir hier keine richtigen Nachbarn haben. Das nächste Haus steht mehrere hundert Meter weit weg und wir haben einfach verpasst, uns der Ortsvorsteherin und dem Ortsverein einmal im Vorfeld vorzustellen und uns mit ihnen abzustimmen. Wir haben hier gerade jeden Tag viele freiwillige Helfer, die uns beim Aufbau der temporären Bühnen helfen. Im Ort wurde zugleich spekuliert, was hier wohl passiert. Dabei ist das Ganze größer gemacht worden, als es wirklich ist. Deswegen freuen wir uns auch sehr, dass wir jetzt schon gemeinsam mit der Ortsvorsteherin über das nächste Jahr reden und schauen, wie wir zusammenarbeiten können.

Details zum Podcast-Festival

Das Festival „Auf die Ohren“ findet am 28. und 29. Juli auf einem Privatgelände in Neu Fahrland am Ufer des Fahrländer Sees statt.

Täglich von 11 bis 22 Uhr sind Lesungen, Live-Aufzeichnungen der Podcaster auf der Bühne und Workshops geplant.

Die Anreise ist zu Fuß und per Rad, sowie per Shuttle von der Straßenbahnhaltestelle „Campus Jungfernsee“ möglich.

Informationen zu Programm und Tickets unter www.auf-die-ohren.com

Von Peter Degener

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