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Jazz

Die Kroatin Vesna Pisarović versteht sich auf Beschwörungen

JazzTime in Babelsberg mit der aus Kroatien stammenden Sängerin Vesna Pisarović und dem Bassisten Roberto Badoglio.

JazzTime in Babelsberg mit der aus Kroatien stammenden Sängerin Vesna Pisarović und dem Bassisten Roberto Badoglio.

Potsdam. In ihrer Heimat war sie erst Punkrockerin, dann Popstar. Sie vertrat Kroatien sogar einmal beim Eurovison Song Contest. Bei Youtube findet man millionenfach aufgerufene Musikvideos, auf denen man die Jazz-Sängerin von heute nicht wiedererkennt. Vesna Pisarović ist jetzt 40, nach Berlin gezogen und ganz bei sich angekommen.

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Diesmal ohne Schlagzeug

Am Donnerstag gastierte die grazile Schönheit im Babelsberger Kulturhaus. In der Reihe Reihe JazzTime Babelsberg setzt ein einheimisches Trio regelmäßig Solisten von Rang in Szene. Da der Schlagzeuger Max Punstein diesmal wegen Krankheit ausfiel und für ihn der Saxophonist Harry Petersen einsprang, entfalteten die Lieder von Vesna Pisarovic eine besondere lyrische Note. Getragen von Roberto Badoglios tiefgründig vibrierendem E-Bass und befeuert von Nicolas Schulzes fein perlendem Klavierspiel kamen die Selbstbeschwörungen der Kroatin wundervoll zur Geltung. Ihre Spezialität sind langsame Balladen, in denen sie sich und die Zuhörer einspinnt. Wenn sie mit tiefer Stimme eine Blume als „a Lovesome Thing“ besingt oder in französischer Sprache ein japanisches Insel-Archipel ausmalt, wandert ihre Magie auch in Finger und Hände. Besonders versteht sie sich auf Tonsprünge, die sie in Zeitlupe zelebriert.

Pathos mit Innerlichkeit

Zwei ihrer Lieder imaginieren das verträumte Warten einer einsamen Frau. Die nicht miteinander eingespielten Musiker finden im Laufe der Performance immer beherzter zueinander, weil sie aufeinander hören, etwa wenn Vesna Pisarovic plötzlich verzückt das Wortspiel „Ladys in Mercedes“ aufgreift und anfängt zu skatten, in Mikro zu flüstern und auch mal Atem- und Pfeifgeräusche einbringt. Sie versteht sich auch auf Pathos, das sie noch von früher von den großen Bühnen kennt, verliert dabei aber nie die Innerlichkeit. Bei dem Ornette Coleman-Klassiker „Lonely Woman“ kommt sie ganz ohne Metrum aus.

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Eine stolze Foto-Galerie

Noch bevor andere Musiker für die anschließende Session ihre Instrumente auspacken (darunter sogar ein Horn), konnten die Besucher im Hochparterre eine eindrucksvolle Foto-Serie besichtigen. Thomas Hohlbein hat die letzten vier Jahre viele Solisten porträtiert, die bei JazzTime Babelsberg zu Gast waren, eine stolze Galerie. Der dunkle Hintergrund, aus dem er die Musiker herausholt, steht für die gute Verbindung, die jeder von ihnen zu seinem Ich bewahrt hat.

Von Karim Saab

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