Vorsitzender Richter Theodor Horstkötter

Dieser Richter entscheidet im Prozess gegen Silvio S.

Vorsitzender Richter   Theodor Horstkötter.

Vorsitzender Richter Theodor Horstkötter.

Potsdam. Es wird wohl sein schwierigster und gleichzeitig einer seiner einfachsten Prozesse. Ab dem heutigen Dienstag richten sich die Augen nicht nur auf den Angeklagten Silvio S., sondern auch auf den Mann, der über den mutmaßlichen Kindermörder richten muss: Theodor Horstkötter, seit Jahresanfang Vorsitzender der ersten Großen Strafkammer des Potsdamer Landgerichts.

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Richter muss klären, ob der Angeklagte schuldfähig ist

Juristisch ist der Fall, der ganz Deutschland berührt, nicht allzu kompliziert. Silvio S. will zwar vor Gericht schweigen, aber der Brandenburger hat bei seiner Vernehmung bereits gestanden, den Potsdamer Elias (6) und den Berliner Flüchtlingsjungen Mohamed (4) getötet zu haben. Beide Leichen wurden gefunden, es gibt umfangreiche Spuren. Durch Gutachter und dann den Richter zu klären ist vielmehr, ob der Wachmann aus Kaltenborn (Teltow-Fläming) schuldfähig ist, ob er (lebenslang) in Haft muss oder im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter unterzubringen ist – und ob gegebenenfalls wegen seiner Gefährlichkeit eine anschließende Sicherungsverwahrung nötig ist.

Die Prozess-Beteiligten

Verteidiger von Silvio S.: Mathias Noll und Uwe Springborn – Aus Pflichtgefühl

Staatsanwalt: Peter Petersen – Spezialist für harte Fälle

Nebenklage für Elias: Franziska C. Neumann – Ihre Kanzlei vertrat Axel Hilpert

Nebenklage für Mohamed: Andreas Schulz und Khubaib-Ali Mohammed – Opferanwälte wirken auch im NSU-Prozess

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Die Schwierigkeit für den 1961 geborenen Horstkötter dürfte weniger die juristische Bewertung dieser Fragen sein, als das riesige Interesse der Öffentlichkeit, das dieses Verfahren begleitet. Versteht er es, mit der nötigen Sensibilität für die minderjährigen Opfer und ihre Hinterbliebenen durch den Prozess zu führen und gleichzeitig dem Angeklagten ein faires Verfahren zu ermöglichen, wie es der Rechtsstaat nun einmal auch für mutmaßliche Kinderschänder gebietet?

Horstkötter ist in große Fußstapfen getreten und füllt diese auf seine Art aus

Horstkötter, der in Münster und Trient studiert hat und schon seit 1995 Richter am Potsdamer Landgericht ist, war viele Jahre hauptsächlich mit Wirtschafts-, Steuer- und Haftungsdelikten befasst. Die großen Strafprozesse hat er eine Zeit lang als Pressesprecher des Gerichts begleitet, aber nicht selbst auf der Richterbank.

Als Nachfolger des profilierten, für seine scharfzüngig-klugen Urteile und witzigen Bemerkungen bekannten Strafkammervorsitzenden Frank Tiemann, der zum Bundesgerichtshof wechselte, tritt Horstkötter in große Fußstapfen. Er füllt sie aus, auf seine eigene, ruhige Art. Horstkötter ist einer, der die richtigen Fragen stellt, nachhakt, ehrliches Interesse signalisiert – an alle Seiten.

Der Richter muss auch die Sicherheit im Gerichtssaal verantwortlich

Dass er den Balanceakt zwischen Empathie und rationaler Urteilskraft versteht, bewies er etwa Anfang des Jahres beim Prozess gegen einen Potsdamer Studenten, der einen Polizisten mit einer Messerattacke fast getötet hätte. "Ich höre ihnen zu", erklärte der Richter dem psychisch kranken Angeklagten . Versuchen, zu verstehen, was Täter bewegt – ohne Verständnis für die Taten zu haben – Horstkötter gelang das bislang.

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Im Verfahren gegen Silvio S. muss der Strafkammervorsitzende aber noch einen anderen Job managen: Er ist angesichts der Drohungen gegen Silvio S. auch verantwortlich für die Sicherheit – in einem Gericht, das auf Prozesse unter höchster Sicherheitsstufe eigentlich gar nicht eingerichtet ist.

Von Marion Kaufmann

MAZ

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