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Tierliebe

Das Glück der Felicitas: Katze nach fünf Wochen wieder zuhause in Potsdam

MAZ-Mitarbeiter Carsten Holm und seine Katze Felicitas .

MAZ-Mitarbeiter Carsten Holm und seine Katze Felicitas .

Potsdam. Es ist 3.40 Uhr am frühen Morgen eines Juni-Tages. Birgit Schmidt macht sich am Humboldtring wie immer um diese Zeit mit ihrem Fahrrad auf den Weg zur Arbeit. Die 63-Jährige muss früh aufbrechen, sie verdient ihr Geld als Reinigungskraft.

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Plötzlich kommt Leben in die Nacht. Eine Ratte kreuzt den Weg der Radlerin, verfolgt von einer rot-weiß getigerten Katze. Für die Getigerte geht es um ein spätes Abendessen, für die Ratte um Leben und Tod. „Ich kenne jede der gut zehn Katzen bei uns im Zentrum Ost. Ich wusste sofort, dass die hier neu war“, erzählte sie der MAZ. Jägerin und Gejagte sind erschreckt, acht rosa Füße huschen in die Büsche. Die Ratte behält die Nase vorn – und bleibt am Leben. „Eine schöne, gepflegte Katze war das“, erinnert sich Birgit Schmidt. Die Potsdamerin ist sehr tierlieb, sie hält mit ihrem Mann Henry eine Labrador-Hündin namens Kira und die Schildplatt-Katze Donaire.

Sie weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Katze ausgebüxt ist und über die Plattform der Tierschutzorganisation Tasso längst nach ihr gesucht wird. Und sie ahnt nicht, dass sie selbst eine wichtige Rolle dabei spielen wird, als die Katze nach fünf Wochen in ihr Zuhause zurückkehrt.

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Eine zypriotische Schönheit

Der Autor dieser Geschichte hat drei Jahre auf Zypern gelebt. In einem Tierheim in der südzyprischen Küstenstadt Paphos entschied er sich unter 700 Katzen für Felicitas. Er war hingerissen von ihrer Schönheit und ihrer Anmut: grüne Augen, ein samtweiches rot-weißes Fell, ein friedfertiges Wesen, ein Kuschelbedürfnis. Sie sollte ihn nach Potsdam begleiten, wo er als freier Journalist arbeiten wollte. In den europäischen Heimtierausweis ließ er ihren Vornamen eintragen, daneben seinen Familiennamen. Felicitas Holm heißt sie seither.

Katze Felicitas ist wieder bei ihrem Besitzer.

Katze Felicitas ist wieder bei ihrem Besitzer.

Dann passierte ein Unheil. Als er wegen einer Fußverletzung einige Zeit im Bergmann-Klinikum verbringen musste, war seine Katze vorübergehend bei Bekannten im Zentrum-Ost untergekommen und getürmt. Wenn Katzen flüchten, lassen sich die Gründe kaum rekon-struieren. Mitunter erkunden sie das Terrain in der weiteren Umgebung ihres Wohnortes. „Katzen werden oft versehentlich eingesperrt. Werfen Sie deshalb bitte auch einen Blick in Ihre Garagen, Kellerräume und Gartenhäuser“, rät Tasso Menschen, die ihr Haustier suchen. In der Potsdamer Gellertstraße etwa wurde die Katze Lucy am 24. Juli noch um 22 Uhr gesehen – danach blieb sie verschwunden. In Seddiner See stieg der fünfjährige Kater Twix, so die Vermutung seiner Halter, wahrscheinlich in ein Wohnmobil und reiste als blinder Passagier nach irgendwo mit.

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Die Helfer, denen Felicitas entwischt war, reagierten sofort. Sie starteten im Tasso-Portal eine Suche mit einem Foto. Sie druckten Plakate, deren Entwürfe Tasso kostenlos ins Netz stellt, und hängten sie am Humboldtring aus, wo Felicitas sich von dannen gemacht hatte.

Carsten Holm (freier Journalist) mit seiner Katze Felicitas Foto:Bernd Gartenschläger

Carsten Holm (freier Journalist) mit seiner Katze Felicitas Foto:Bernd Gartenschläger

Für ihren Besitzer indes begann im Krankenhaus eine Leidenszeit. Würde er seine Katze jemals wiedersehen? Würde er überhaupt erfahren, wenn dieses schöne Lebewesen von einem Auto erfasst werden würde?

Krankenschwestern nahmen Anteil und machten Mut: Entlaufene Katzen fänden oft von ganz allein den Weg nach Hause, sagte eine. Das stimmt wohl, entgegnete eine andere – aber kaum, wenn für sie wie für die Nichtschwimmerin Felicitas der direkte Weg in ihre Wohnung am Rathaus durch die Havel führt.

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Mit Chip geht die Identifikation schnell

16,7 Millionen Katzen und 10,5 Millionen Hunde leben laut dem Portal Statista in deutschen Haushalten, nirgendwo sonst in Westeuropa ist die Katzen-Population so groß. Rund 82.000 Katzen und 31.000 Hunde sind 2021 nach Angaben von Tasso bundesweit entlaufen. Kaum zu glauben: Die Tierschützer schafften es, 63.000 dieser Katzen und 30.000 Hunde mit ihren Besitzern wiederzuvereinigen – auch mit Hilfe ihres kostenlosen Haustierregisters, in dem 10,5 Millionen Tiere geführt werden.

Die Besitzer der Xinas, Kiras, Twixis, Mietzis, Flitzis und Lunas, der Fussels, Balous, Pauls und Gerhards, wie manche ihre Tiere taufen, können ein Foto ihrer Katze in das Register der im hessischen Sulzbach im Taunus residierenden Organisation eingeben lassen. Trägt das Tier einen reiskorngroßen Chip mit seinen Daten unter der Haut und fällt es irgendwo umherstreunend auf, lesen Tierärzte oder Tierheime ihn aus. Eine zweifelsfreie Identifizierung, sagt Tasso-Sprecherin Sonja Slezacek, „ist dann eine Sache von wenigen Minuten“.

Gute Erfolgsquote bei Hunden in Potsdam

2021 wurden allein in Potsdam 172 Katzen und 86 Hunde bei Tasso als vermisst gemeldet. 82 Hunde fanden durch die Tierschützer wieder zu ihren Herrchen und Frauchen, auch 150 Katzen kehrten in ihr angestammtes Zuhause zurück. In diesem Jahr wurden, so die Stadtverwaltung, bereits 34 Katzen, 38 Hunde und 10 Vögel als Fundtiere registriert. Unter der Telefonnummer (0331) 2891642 hält das Ordnungsamt sogar am Wochenende eine Anlaufstelle für solche Tiere bereit, der Transport in die Tiersammelstelle Geltow ist rund um die Uhr gesichert.

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Seit ihrer ersten Begegnung mit Felicitas in der Juni-Nacht hatte Birgit Schmidt die Katze immer wieder beobachtet. Sie wusste, dass die Getigerte anfangs im leerstehenden Terrassenhaus der Nutheschlange übernachtete und sich tagsüber gern ein schattiges Plätzchen in einem Gebüsch am Humboldtring suchte, wo sie später auch die Nächte verbrachte. Von ihrem Balkon aus sah Schmidt, dass Kinder der Kita Sonnenschein der Katzenfrau aus Zypern ab und an Futter hinstellten. Doch ihr entging nicht, dass die Getigerte danach noch so viel Appetit hatte, dass sie auf Mäuse- und Vogeljagd zog.

„Immer genügend Streicheleinheiten bekommen“

Das gefiel der Tierfreundin nicht. „Ich gönnte diesem schönen Tier dasselbe Futter, dass meine Katze bekam“, sagt sie, „dreimal am Tag“. Ihre Nachbarin Elisa Landmann steuerte Leckerlis bei. Zwischen der Rotgetigerten und der Reinigungskraft entstand eine besondere Beziehung: „Wenn ich nachts zur Arbeit aufbrach, hockte sie schon unter unserem Balkon, sah zu mir hinauf und miaute. Ich komme ja gleich, rief ich dann.“ Sie kam mit Frühstück. Ohne Scheu habe sich Felicitas auf den Arm nehmen lassen: „Sie hat immer genügend Streicheleinheiten bekommen“.

Irgendwann stöberte Birgit Schmidt mal wieder auf den Tasso-Seiten, entdeckte ihre Adoptivkatze und hatte keinen Zweifel: "Das ist sie. Unverwechselbar." Sie informierte Tasso, und die Tierschützer leiteten die Rückkehr der Katze ein.

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Lautes Miauen zur Begrüßung

Der Nachmittag, an dem Felicitas nach Hause zurückgebracht wurde, war für ihren Besitzer nicht einfach. Würde sie fremdeln? Ihm die kalte, rot-getigerte Schulter zeigen? Nichts da: Kaum wurde der Korb geöffnet, sprang sie heraus, schoss auf ihr Herrchen zu, kletterte auf seine Schultern und drückte sich unentwegt und laut miauend mit Kopf und Krallen an ihn.

Carsten Holm (freier Journalist) mit seiner Katze Felicitas Foto:Bernd Gartenschläger

Carsten Holm (freier Journalist) mit seiner Katze Felicitas Foto:Bernd Gartenschläger

Es war ein Tag der Freude. Am Abend nahm Felicitas auf dem Schreibtisch neben ihm Platz. So lange wie noch nie sahen sie sich an. Es war eine Wiedervereinigung, an die er zeitweise nicht mehr geglaubt hatte.

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Von Carsten Holm

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