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MEINE WENDE: Wilma Otte putzte das alte Schloss heraus

Für Waffenstillstand im Marmorpalais gesorgt

Kampfflugzeug im Vorgarten: das Marmorpalais als Armeemuseum der DDR mit einer sowjetischen MiG-17.

Kampfflugzeug im Vorgarten: das Marmorpalais als Armeemuseum der DDR mit einer sowjetischen MiG-17.

Potsdam. Ein Jagdflugzeug im Innenhof, Panzer auf der Seeterrasse: Das martialische Militärgerät wollte so gar nicht zum eleganten Marmorpalais am Heiligen See passen, zumal der Bauherr dieses Kleinods des Frühklassizismus, Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), wie sein Vorgänger Friedrich der Große ein Liebhaber der schönen Künste war.

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Der König, der sehr gut Cello spielte, hat - im Gegensatz zum Alten Fritz - nie einen Krieg geführt. Doch das scherte sozialistische Kulturbanausen wenig. Im Jahr des Mauerbaus richteten sie dort das Deutsche Armeemuseum Potsdam ein. Bald vier Jahrzehnte lang wurden die Besucher "mit den fortschrittlichen militärischen und revolutionären Traditionen des deutschen Volkes, besonders der deutschen Arbeiterklasse vertraut" gemacht.

Als Wilma Otte das Kommando übernahm

"Ich weiß gar nicht, ob ich jemals in diesem Museum war", sagt Wilma Otte. Auf jeden Fall trat sie dort 1989 ihren Dienst als Kastellanin an, kurz nachdem die Nationale Volksarmee das Hohenzollernschloss geräumt hatte. Für das Marmorpalais begann die Wende nämlich schon vor dem Mauerfall.

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Anfang Mai war die Außenstelle des Armeemuseums - inzwischen war Dresden der Hauptsitz - geschlossen worden. Wenig später übernahm Wilma Otte das Kommando. Das Jobangebot hatte ihr der kürzlich verstorbene Schlösserdirektor Hans-Joachim Giersberg überbracht: "Sie machen das schon, sagte er zu mir", erinnert sich Wilma Otte. "Ich war 24 und gerade vom Studium zurück." Aber sie hatte sich schon bewährt: im Neuen Palais und in den Römischen Bädern. Gleich als 18-Jährige nach dem Abitur hatte sie bei der Schlösserverwaltung angeheuert: "Ich wollte Kunstgeschichte studieren, bekam aber keinen Platz. So fing ich als Hilfsassistentin an." Damals sei es nur um Friedrich II. gegangen. "Andere Preußenkönige kannte ich gar nicht." Sie lernte, was man wissen und können muss als Kastellan - inklusive Personalführung. Neben dem Gebäude übernahm Otte auch zwei NVA-Angestellte: den Hausmeister und den Heizer.

Sie kniete sich in Akten

"So ein ranziges Schloss hatte ich noch nie gesehen. Es war feucht und roch schlecht", berichtet Wilma Otte von ihren ersten Eindrücken. "In einer Kammer im Südflügel wuchs ein riesiger Pilz." Die Wände der Räume waren mit Rigipsplatten verkleidet.

"Der Museumschef residierte im Arbeitszimmer des Königs mit einem Cockpit von Schreibtisch und einer Riesentelefonanlage. Wen sie damit wohl alles abgehört haben, habe ich mich gefragt." Zum Abschied schenkte ihr der NVA-Offizier eine Wattejacke in den Armee-Tarnfarben. "Die habe ich später dann wirklich getragen, wenn ich über die Baustelle hirschte." Sie war Mädchen für alles: Musste die Lebensfunktionen des Hauses aufrechterhalten und Ansprechpartnerin für Architekten und Bauleute sein, die die Sanierung vorbereiteten.

Wilma Otte.

Wilma Otte.

Und sie kniete sich in die Akten, um etwas über die Geschichte des Hauses zu erfahren. "Im Staatsarchiv Merseburg habe ich den Briefwechsel Friedrich Wilhelms II. mit Wilhelmine Enke gelesen. Sie haben sich wirklich geliebt, in einem Kuvert lag sogar eine Locke von ihr drin." Die Trompeterstochter wurde als Gräfin Lichtenau bekannt. "Es war eine aufregende, superschöne Zeit", sagt Wilma Otte. Ihr Traum, die alte Schlossküche in Form einer Tempelruine zur Kastellanswohnung auszubauen, erfüllte sich nicht. Das war vielleicht gut so. Nun schauen ihr nicht ständig Spaziergänger ins Wohnzimmer.

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Wilma Otte arbeitet jetzt im Bereich Marketing der Schlösserstiftung. Im Marmorpalais mag sie vor allem das einzigartige bläuliche Wedgwood-Porzellan. Statt Waffen zieren nun die kostbaren englischen Vasen das Schloss.

SICHTEN BIS ZUR PFAUENINSEL

  • Am Heiligen See mit Sicht zu seiner geliebten Pfaueninsel ließ der Nachfolger Friedrichs II. seine Sommerresidenz bauen. Friedrich Wilhelm II. nennt die Anlage „Neuer Garten“.
  • Carl Gotthard Langhans, Erbauer des Brandenburger Tores in Berlin, wirkt als letzter Architekt an dem Backsteinbau. 1792 ist das als Juwel des preußischen Frühklassizismus gelobte Marmorpalais vollendet.
  • Das Palais diente als Kronprinzendomizil, bis es 1932 Museum wurde. Die letzten Bewohner des Kaiserhauses waren Wilhelm und Cecilie, die 1917 in den Cecilienhof übersiedelten.
  • Im Krieg traf eine Bombe den Nordflügel. Die Rote Armee betrieb im Palais nach 1946 ein Offizierscasino. 1961 zog das Armeemuseum ein.
  • 1995 als Schlossmuseum wiedereröffnet, erfolgte bis 2006 die Generalinstandsetzung der 40 Innenräume. Zu den Sponsoren gehörte TV-Moderator Günther Jauch. Die Terrassen sind noch nicht saniert. he

Von Carola Hein

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