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Kultur in Potsdam

„Gift“ mit dem Poetenpack

Andreas Hueck und Simone Kabst in der Kirche am Neuendorfer Anger.

Andreas Hueck und Simone Kabst in der Kirche am Neuendorfer Anger.

Potsdam-Babelsberg. Eine Frau und ein Mann allein mit sich auf einem Friedhof. Neun Jahre lang haben sie sich nicht gesehen. Seit dem Tod ihres neunjährigen Jungen. 2009 wurde „Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans in Gent uraufgeführt.

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2010 wurde „Gift“ mit dem renommierten Taalunie Toneelschrijfpris ausgezeichnet, der in den Niederlanden jährlich für das beste Stück der vorangegangenen Spielzeit vergeben wird. „Mit ihrem wunderbaren Dialog über zwei Menschen, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst, dann einander, trifft Vekemans direkt ins Herz“, schrieb die Jury in ihrer Begründung.

Seit Oktober ist das Zwei-Personen-Stück, das mittlerweile an vielen Bühnen bundesweit zu sehen war, erstmals in Brandenburg zu sehen. Das Potsdamer Poetenpack entschied sich für die Kirche am Neuendorfer Anger als Spielstätte. Es spielen Simone Kabst, die das Stück für Potsdam entdeckt hat, und Andreas Hueck, der künstlerische Leiter des freien Theaters.

„Du bist zu früh“, sagt sie. „So ein Sauwetter“, sagt er. Schweigen. Dann: „Wenig Leute hier.“ Und: „Das haben Friedhöfe so an sich.“ Nach langer Stille: „Tja, da wären wir also.“

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Nach dem Tod ihres Jungen haben sie verschiedene Wege eingeschlagen, um den Weg des Kindes zu verarbeiten. Er ging nach Frankreich, versucht ein neues Leben und wird bald ein neues Kind haben. Sie blieb im gemeinsamen Haus, vereinsamte, verstummte. Grund ihres Treffens ist ein Brief, in dem die Umbettung ihres Kindes angekündigt wurde. Wegen eines Giftfundes im Boden des Friedhofs. Doch warum lässt sich niemand von der Friedhofsverwaltung sehen?

„Gift“ ist ein grandioses Spiel um Liebe und Schmerz, eine tastende Suchbewegung zweier Menschen nach der Möglichkeit, die Vergangenheit zu akzeptieren, in gemeinsamer Erinnerung Ruhe zu finden und Vertrautes wieder zuzulassen. Simone Kabst spricht von Schichten gemeinsamer Erinnerung, die sich nach und nach unter großem Widerstreben öffnen: „Wie kommt man aus dem Verstummen heraus?“

Andreas Hueck erzählt von teilweise abstrus komischen Bewältigungsstrategien: Er wurde Mitglied in einem Männergesangsverein. Schließlich die Einsicht, dass man den anderen zum Erinnern braucht. Seine Grübchen beim Lachen hatte sie völlig vergessen. „Gift“, sagt Simone Kabst, sei vor allem eine „sehr feine Beziehungsgeschichte“.

Karten und Termine

Vorstellungen in der Babelsberger Angerkirche am Donnerstag und Freitag um 20 Uhr, sowie am Sonntag um 17 Uhr.

Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsastellen und im Internet auf www.theater-poetenpack.de

Von Volker Oelschläger

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