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Potsdam

Im Test: So fahren sich die neuen E-Scooter in Potsdam

Einmal mit Elektroantrieb durch die Stadt: die neuen E-Scooter im Test.

Einmal mit Elektroantrieb durch die Stadt: die neuen E-Scooter im Test.

Potsdam. Locker, aufrecht und mit kühlem Fahrtwind im Gesicht: Auf einem der neuen Elektro-Tretroller fährt es sich bei fast 30 Grad in der Potsdamer Mittagshitze ausgesprochen angenehm. Während die Fahrradfahrer an der Steigung zur Langen Brücke merklich angestrengt in die Pedalen treten, rollt der E-Scooter scheinbar mühelos neben ihnen her.

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Seit dem vergangenen Freitag bietet der schwedische E-Scooter-Sharing-Dienst Voi die Roller in Potsdam und Berlin an. Auf den Fahrradwegen der Stadt ist seitdem ein weiterer Verkehrsteilnehmer unterwegs – und das ganz schön flott. Wer zum ersten Mal mit einem Elektro-Roller fährt, wird sich über das Tempo wundern. Bis zu 20 Kilometer in der Stunde dürfen die Scooter in Deutschland fahren. Das ist eine durchschnittliche bis ordentliche Fahrrad-Geschwindigkeit, fühlt sich auf dem Roller mit den Füßen knapp über dem Boden aber deutlich schneller an.

Im Test: So fahren sich die neuen E-Scooter in Potsdam

Wenige Klicks in der App – und die Fahrt kann losgehen. Seit Freitag bietet eine schwedische Firma die neuen E-Tretroller in der Stadt zur Leihe an. Die MAZ hat die Scooter getestet und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Sicher fühlt man sich auf dem Roller trotzdem. Anfänger sollten ihre Fahrt trotzdem besser nicht in dem dichtesten Verkehr beginnen. Denn Kurven mit engem Wendekreis und scharfe Bremsungen wollen erst einmal auf einer leeren Strecke geübt werden. Dann aber machen die Fahrten – man kann es nicht anders sagen – einfach Spaß. In angenehmer Geschwindigkeit fährt es sich mühelos durch die Stadt.

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Die MAZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum E-Scooter-Start.

So bekommt man einen Scooter: Wer E-Tretroller fahren will, braucht die Smartphone-App des Anbieters Voi. Die gibt es für Android-Geräte und das IPhone und ist kostenlos. Ein Account ist schnell eingerichtet – und nach der Bestätigung einer Email-Adresse sofort nutzbar. Es braucht allerdings eine Kreditkarte. Eine Zahlung per Sofortüberweisung, PayPal oder über andere Dienste ist nicht möglich. Wer die App öffnet, muss den Zugriff der App auf den Smartphone-Standort und Bluetooth-Funktion zulassen. Die verfügbaren Geräte werden auf einer Potsdam-Karte live angezeigt. Mit einem Klick auf die Roller zeigt die App auch den jeweiligen Akku-Ladestand des E-Tretrollers an. Direkt vor dem Roller genügt ein Klick in der App und ein Scan des QR-Codes auf dem Scooter. Das klappt reibungslos. Mit einem Klick ist der Roller entsperrt und die Zeit läuft.

So stellt man den Scooter nach Fahrtende wieder ab: Wer am Zielort angekommen ist, kann die Fahrt mit einem weiteren Klick in der App beenden. Abgestellt werden können die Roller an fast jeder Straßenecke, sollen aber nicht im Weg stehen, sagt Voi. Wie gut das in der Zukunft in Potsdam klappt, wird sich noch zeigen. Feste Stationen für die Roller wird es aber nicht geben.

Doch Achtung: Die Roller sind längst nicht in der gesamten Stadt verfügbar. Wer nach Babelsberg, in die Berliner Vorstadt, nach Bornstedt oder südlicher als in die Teltower Vorstadt möchte, hat Pech gehabt. Der Bereich, in dem Roller wieder abgestellt werden können, ist auf die erweiterte Innenstadt begrenzt. Das mindert die Möglichkeiten für Stadttouren mit dem Roller leider erheblich. Fahrten durch Parkanlagen, also zum Beispiel durch den Park Sanssouci sind nicht erlaubt, teilte die Stadt auf Anfrage mit.

So fahren sich die E-Tretroller: Etwas gewöhnungsbedürftig ist die erste Anfahrt. Denn der kleine Gashebel am rechten Lenkergriff funktioniert erst, wenn der Scooter mit einem oder zwei Schritten angeschoben wird. Das allerdings erfordert kaum Kraft und soll sicherstellen, dass sich der Roller nicht versehentlich in Bewegung setzt. Die Geschwindigkeit lässt sich mit dem Daumen am Gashebel regeln. Stoppen kann man mit einer Bremse am Lenkergriff und einer Fußbremse am Hinterrad.

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Diese Regeln gelten für die Scooter: Zwei voneinander unabhängige Bremsen ist eine der Regeln der sogenannten Elektrokleinstfahrzeug-Verordnung (EKFV), die die Scooter seit dem 15. Juni auf deutschen Straßen zulässt. Nutzer müssen mindestens 14 Jahre alt sein und dürfen mit den Rollern nicht auf Fußwegen fahren – genutzt werden sollten Fahrradwege. Eine Helmpflicht gibt es nicht, der Anbieter Voi empfiehlt aber ausdrücklich einen Helm. Dass Fahrer nüchtern sein müssen, versteht sich von selbst. Zu zweit auf dem Roller zu fahren oder etwas an den Lenker zu hängen, ist ebenfalls verboten.

So viel kosten die Scooter: Eine Fahrt kostet einen Euro Startgebühr und dann 15 Cent pro begonnener Minute – und das geht schneller ins Geld als gedacht. Von der Langen Brücke, am Hauptbahnhof vorbei und bis zur Märkischen Allgemeinen Zeitung braucht man mit dem Roller rund sieben bis acht Minuten. Für die 1,6 Kilometer rechnet die App am Ende 2,20 Euro ab. Eine 65-Minuten-Testfahrt kostet etwas mehr als zehn Euro.

Die Stadt Potsdam teilte allerdings mit, dass es neben Voi noch weitere Firmen gibt, die Interesse zeigen, ihre Roller in Potsdam anzubieten. Ob es dann günstigere Anbieter geben wird, ist damit aber noch nicht sicher.

Das passiert mit den leergefahrenen Scootern: Die Roller, deren Akkustand sehr niedrig ist, können nicht mehr ausgeliehen werden. Sie werden von sogenannten "Huntern" abgeholt und an der Steckdose wieder aufgeladen. "Hunter" sind Angestellte von Unternehmen, die von Voi beauftragt werden, die leeren Roller einzusammeln. Zusätzlich kann man sich als freier "Hunter" beim Unternehmen bewerben und eigenständig Roller wieder aufladen.

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Das sagt die Polizei: Die Polizei Brandenburg ruft alle E-Scooter-Fahrer zu mehr Aufmerksamkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme auf und wirbt ebenfalls dafür, einen Helm bei der Fahrt zu tragen. "Als Neueinsteiger sollte man sich in weniger verkehrsbelasteten Bereichen zunächst ausprobieren", schreibt ein Sprecher der Polizei. Aktuelle Zwischenfälle mit den Scootern habe es bislang noch nicht gegeben.

Dafür eignen sich die Roller: Die Scooter machen Spaß und sind gerade bei großer Hitze angenehm – ohne Frage. Die zum Teil von den Anbietern angepriesene innerstädtische Verkehrsrevolution sind sie allerdings nicht. Denn wer nun einen Roller nimmt, würde sonst das Fahrrad nehmen. Auto, Bus- oder Bahnfahrten werden die Roller auf lange Sicht kaum ersetzen. Touristen oder Potsdamer, die häufig längere Strecken durch die Innenstadt laufen, werden sich freuen. Für alle anderen sind die Roller eher eine nette Alternative.

Von Ansgar Nehls

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