Das Geschlecht war das Problem

Potsdamerin ergattert Ausbildungsplatz in der Kfz-Werkstatt – nach hartem Kampf

Samira Mrus aus Potsdam will in der KFZ-Branche eine Ausbildung machen, doch das schien unmöglich – weil sie ein Frau ist. Dann schaltete sie die MAZ ein.

Samira Mrus aus Potsdam will in der KFZ-Branche eine Ausbildung machen, doch das schien unmöglich – weil sie ein Frau ist. Dann schaltete sie die MAZ ein.

Satzkorn. Eine eigene Oldtimer-Werkstatt. Seit drei Wochen ist die 17 Jahre alte Samira Mrus aus Potsdam diesem Traum ein Stückchen näher gekommen. Lange hatte sie auf eine Ausbildungsstelle als KFZ-Mechatronikerin gehofft, hatte mehr als zehn Bewerbungen geschrieben – vergeblich. Nun hat sie ihn endlich bekommen: den lang ersehnten Ausbildungsvertrag.

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Bereits im Januar berichtete die MAZ über ihren Fall. Auf acht von zehn ihrer Bewerbungen hatte die junge Frau eine Absage erhalten, nicht, weil sie nicht gut genug war, sondern weil sie eine Frau ist. Die 17-Jährige machte ihren Fall öffentlich, daraufhin meldeten sich gleich fünf Betriebe, um ihr eine Chance auf einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatronikerin oder verwandten Berufen zu geben.

Die Bandbreite der Angebote war riesig – von Autohäusern über Busbetriebe bis hin zum BMW-Werk in Leipzig. Und tatsächlich hagelte es für Samira dieses Mal keine Absagen: Einladungen zum Vorstellungsgespräch gab es reichlich, etwa im Autohaus Mothor in Brandenburg an der Havel oder beim BMW-Konzern.

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Vorstellungsgespräch in Brandenburg an der Havel

„Das war unglaublich toll“, sagt Samira über die vielen positiven Rückmeldungen, sie hätten ihr das Gefühl gegeben, doch noch in der nach wie vor männlich dominierten Branche Fuß fassen zu können. Vor allem von der raschen Rückmeldung des Autohauses Mothor in Brandenburg an der Havel war Samira positiv überrascht: „Herr Priebs [Geschäftsführer im Autohaus Mothor] hatte mich nach der Bewerbung direkt angerufen und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.“

Samira Mrus träumt von einer eigenen Oldtimer-Werkstatt – und ist ihrem TRaum nun ein Stück näher gekommen.

Samira Mrus träumt von einer eigenen Oldtimer-Werkstatt – und ist ihrem TRaum nun ein Stück näher gekommen.

Das Gespräch war vor gut drei Wochen – und Samira konnte punkten. Nach den üblichen Fragen etwa nach Interessen, Stärken und Fähigkeiten habe man ihr Perspektiven für ihre Zukunft in dem Brandenburger Autohaus aufgezeigt. Das gefiel der 17-Jährigen besonders. „Sie wollen sich dort in ein paar Jahren auch auf Wohnmobile spezialisieren und haben mir angeboten, mich einzubringen“, sagt sie – ein Zeichen, dass die 17-Jährige gut zum Autohaus passen könnte.

Potsdamerin von Ausbildung zur Karosseriebauerin überzeugt

Zudem machte man Samira im Vorstellungsgespräch das Angebot, sich lieber zur Karosseriebauerin ausbilden zu lassen – ein ähnlicher, aber für Samira besser geeigneter Beruf, wie sich im Bewerbungsgespräch herausstellte. „Man hat hier mehr mit der Mechanik zutun, verglichen mit Mechatronikern“, sagt sie, „das macht mehr Spaß, als jeden Tag das gleiche zu tun.“

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Mit einem guten Gefühl habe sie das Gespräch verlassen, berichtet Samira, die Freude über die formelle Zusage wenige Tage später sei riesig gewesen. Ihre Mutter Corinna Carriere verrät: „Sie war wirklich baff.“ Und Samira schwärmt: „Es war echt positiv, dieses Erlebnis, dass man angenommen wird.“

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Handwerkskammer Potsdam will den Fall aufarbeiten

Doch aller Freude zum Trotz sollen die Missstände, mit denen Samira in der Bewerbungsphase konfrontiert wurde, aufgearbeitet werden, findet sie. Noch vor dem Bewerbungsgespräch in Brandenburg/Havel gab es deshalb ein Gespräch zwischen der 17-Jährigen und Vertreter der Handwerkskammer Potsdam, die durch den MAZ-Artikel auf den Fall aufmerksam wurden. Zusammen habe man nach weiteren Ausbildungsplätzen gesucht und intensiv über die Diskriminierungen gesprochen, sagt Samira.

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Auf MAZ-Anfrage betont auch die Handwerkskammer, unverzüglich reagiert zu haben: „Wir haben natürlich auch mit dem Betrieb Gespräche zu den Hintergründen der Ablehnung geführt“, heißt es. Zudem habe man Samira über das Programm der „Passgenauen Besetzung“ beraten: „Im Zuge dieser Beratung haben wir der Familie mehrere Ausbildungsbetriebe in der Region empfohlen, die Bewerberinnen für den Beruf der Kfz-Mechatronikerin suchen. Sie bekam von uns auch Hinweise zum Bewerbungsverfahren und kann sich jederzeit weiteren Rat bei uns holen.“

MAZ

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