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Fahrraddemo

Kinder erobern mit den Rädern Potsdam

Erste KIDICAL MASS findet am Samstag in Potsdam statt. Ameya hat das Fahrrad immer griffbereit, denn es bedeutet für sie Freiheit.

Erste KIDICAL MASS findet am Samstag in Potsdam statt. Ameya hat das Fahrrad immer griffbereit, denn es bedeutet für sie Freiheit.

Innenstadt. Ameya Meyer-Ohlendorf ist zehn Jahre alt. Egal, wohin sie in Potsdam möchte, sie nimmt das Rad. Damit ist sie eigenständig, freier eben. Doch es gibt etwas, das sie stört: viele Autos, etwa, wenn sie auf Fahrradwegen parken. Dann muss sie ausweichen, meistens absteigen. „Die könnten doch eigentlich zur Seite fahren und nicht unsere Wege blockieren“, sagt sie.

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Ameya möchte mehr Sicherheit im Straßenverkehr, mehr Rücksichtnahme und Raum. Deshalb hat sie ihr pinkfarbiges Rad auf Hochglanz poliert und startet morgen am Potsdamer Hauptbahnhof mit anderen Kindern und ihren Eltern bei der ersten Potsdamer „Kidical Mass“ unter dem Motto „Uns stinkt’s“. Es ist eine Fahrraddemo, organisiert von dem im Februar gegründeten Aktionsbündnis „Potsdam autofrei“ nach dem Vorbild der „Critical Mass“.

Florian Kirchesch, Eva Wieczorek, Tini Gascoigne und Lutz Meyer-Ohlendorf sind das Aktionsbündnis „Potsdam autofrei“ und veranstalten die Demo

Florian Kirchesch, Eva Wieczorek, Tini Gascoigne und Lutz Meyer-Ohlendorf sind das Aktionsbündnis „Potsdam autofrei“ und veranstalten die Demo.

Abgesichert durch die Polizei geht es vom Bahnhof zum Rathaus mit Klingel-Protest, später vorbei am Treffpunkt Freizeit und entlang der Hegelallee zum Nachbarschaftsgarten Scholle 34. Dort verstummen die Klingeln und es gibt beim Frühlingsfest der Scholle 34 ein Picknick zum Ausklingen. Die Bündnispartner von „Potsdam autofrei“ erwarten zwischen 50 und 100 Teilnehmer. Vor allem in der Brandenburger Vorstadt, die für junge Familien bekannt ist, könne man einen Nerv treffen, glauben die Veranstalter. Durch das Versuchsmodell in der Zeppelinstraße mit Verengung auf nur eine Spur für Kraftfahrer habe der Verkehr in der sonst ruhigen Gegend zugenommen.

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Ameyas Vater, Lutz Meyer-Ohlendorf, ist Klimaforscher und Mitorganisator der Fahrraddemo. Überall in der Stadt, sagt er, seien Kinder mit Autos konfrontiert. Gemeinsam mit dem Aktionsbündnis möchte er mittels Veranstaltungen wie der „Kidical Mass“ die Menschen zum Nachdenken anregen, ob eine Stadt auch ohne Motorisierung funktionieren kann. „Wir wollen die Stadt neu denken“, sagt er. Viele Eltern hätten Respekt davor, ihre Kinder allein auf das Fahrrad zu lassen. Zu gefährlich sei es für sie im Straßenverkehr. „Gefahren gibt es an jeder Kreuzung, in jeder Seitenstraße, wenn durch die parkenden Autos die Sichtmöglichkeiten fehlen“, erklärt Meyer-Ohlendorf. Das Radfahren sei zudem auf viel befahrenen Straßen eine bedenkliche Angelegenheit, liegen die Auspuffrohre mitunter auf Augenhöhe der Kinder – und nicht immer lassen sich große Hauptstraßen meiden.

„Autos bekommen einfach zu viel Raum“, findet Eva Wieczorek. Die 69-Jährige Schulpädagogin, die sich für Bündnis 90/ Die Grünen engagiert, kennt viele der Problemecken in Potsdam. Breite Straße, Leipziger Dreieck, Heinrich-Mann-Allee, Friedrich-Ebert-Straße Ecke Gutenbergstraße, Potsdamer Straße, zählt sie nach und nach auf. Da gäbe es nicht nur Probleme mit den Abgasen, sondern immer wieder brenzlige Situationen. Doch zur Konstante Auto gibt es nach Ansicht des Aktionsbündnis eine Alternative: Autofrei, auch für Lastwagen – das ist das Ansinnen der vier Mitbegründer. Es ist ein Stück weit Utopie, doch man wolle groß denken und Schritt um Schritt in die richtige Richtung gehen. Dazu gehört unter anderem die Forderung nach einem Dieselverbot in der Landeshauptstadt als erste Umsetzung. Zudem müsse es verstärkt Diskussionen geben, um das Bewusstsein der Bürger zu schärfen: Brauche ich das Auto für diese Kurzstrecke oder kann ich sie umweltfreundlicher zurücklegen? Damit aus Utopie Realität werden kann, erarbeiten die Radler und Umweltschützer Lösungen, verfolgen etwa die Idee einer Leihstation für elektrisch angetriebene Lastenfahrräder. Damit könnten größere Einkäufe oder sperrige Dinge transportiert werden.

„Eine Stadt ohne Autos könnte ganz anders sein“, sagt Eva Wieczorek. Grüner, sicherer, weiter. Sie unterstreicht die gesteigerte Lebensqualität, wenn es weniger Abgase gäbe, der Parkraum wegfiele. Und die Wege, die könnte man schließlich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Oder mit dem Fahrrad, so wie die Kinder am Samstag.

Von Christin Iffert

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