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Campus am Jungfernsee

Leben und Arbeiten am Jungfernsee

Der „Leuchtturm“ auf dem Campus am Jungfernsee beherbergt ein kleines Vermarktungsbüro.

Der „Leuchtturm“ auf dem Campus am Jungfernsee beherbergt ein kleines Vermarktungsbüro.

Nedlitz. Am Ufer des Jungfernsees und kurz vor der Stadtgrenze soll Potsdams schönstes Villenquartier entstehen. Gleich neben dem Forschungs- und Entwicklungszentrum der Software-Schmiede SAP läuft die Vermarktung von 150 Wohnbauparzellen auf Hochtouren, obwohl noch kein einziger Grundstein gelegt wurde. Bereits jetzt sind zwei Drittel der 600 bis 2000 Quadratmeter großen Grundstücke reserviert oder verkauft an Einzelbewerber und Bauträger. Wie Klaas Vollbrecht als Chef der projektführenden asenticon AG aus Potsdam am Montag auf dem baubereiten, voll erschlossenen Gelände sagte, hat dieser Tage ein Investor gleich 34 Grundstücke auf einen Schlag erworben; Namen werden nicht genannt. Zu fürchten ist aber nicht, dass hier Geschosswohnungsbau betrieben wird, der auf möglichst wenig Fläche möglichst viel Wohnraum unterbringt. Gefordert wird nach dem Willen von SAP-Gründer und Software-Milliardär Hasso Plattner eine Einzelbebauung, entweder als Ein- oder Mehrfamilienhaus oder als so genannte Stadtvilla mit bis zu vier Nutzern darin. Rund 70 Prozent der Gebäude werden Mehrfamilienhäuser sein; in der exklusiven ersten Reihe am See gibt es nur Einzelhäuser.

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Als „stilsicher“ bezeichnen die Projektentwickler die Architektur, für die es Vorgaben von drei Büros gibt; zwei davon kennt man bereits gut in Potsdam: Fachhochschul-Professor Ludger Brands und die Patzschke-Architekten aus Berlin, beides Vertreter der klassischen Moderne. Brands hatte Entwürfe für den Landtag vorgelegt; im Büro Patzschke hatte die Idee einer Erlebnis- und Einkaufsmeile unter dem Stadtkanal zeichnerische Gestalt gewonnen. Drittes Büro im Bunde sind die Berliner Architekten Sergei Tchoban und Ekkehard Voss. Ihre Entwürfe sind eine Orientierung für Bauherren, was machbar ist, kein Zwang.

So stellen sich die Architekten die Wohnbebauung vor, aber ein Zwang sind ihre Entwürfe nicht

So stellen sich die Architekten die Wohnbebauung vor, aber ein Zwang sind ihre Entwürfe nicht.

„Uns wurden schon Schweizerhäuser und dänische Holzhäuser vorgelegt“, berichtet Vollbrecht: „Das konnten wir den Kaufbewerbern aber ausreden.“ Die architektonische Formensprache wird als „italienisierend“ beschrieben und beruft sich auf die Potsdamer Klassiker Schinkel, Persius und Stüler. „Zeitlosigkeit und begrenzte Vielfalt“ sind die Maximen. Die Bebauung soll zwei- bis dreigeschossig sein und repräsentative Eingänge zur Straße hin zeigen. Erwünscht sind in Anlehnung an klassische Vorbilder Fassadengliederungen durch Gesimse und Bänder sowie Einfassungen für Fenster und Türen. Ortsüblich will man die Wandflächen gestaltet sehen mit Putz, Ziegelmauerwerk oder Naturstein, Putzgliederungen und Stuck, gehalten in „gedeckten, warmen, cremefarbenen Tönen“. Dachlandschaften sollen von der Straße aus nicht einsehbar sein, Eingänge und Haustüren mit den gegenüber liegenden Häusern „korrespondieren“. Einfriedungen sind empfohlen, aber niedrig müssen sie sein: Mauern, Pfeiler, Gitter, Hecken oder Sträucher. Man will das Bild einer „durchgrünten Straße“ erzeugen. Die Vorgärten sind bis zu fünf Meter tief, die rückwärtigen Gärten, die auf andere rückwärtige Gärten stoßen, deutlich größer.

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Pro 1000 Quadratmeter Grundstück darf man Vollbrecht zufolge 400 Quadratmeter Wohnfläche schaffen. Für jeden Grundstücksmeter legt man 300 bis 650 Euro hin, je nach Lage zum Wasser. Die Gewerbegrundstücke werden 200 bis 400 Euro je Quadratmeter kosten plus Umsatzsteuer. Im Vermietungsfalle veranschlagt man 8 bis 10 Euro je Quadratmeter.

Eine Treppe führt hinunter zum Uferweg am Jungfernsee und einer Aussichtsplattform

Eine Treppe führt hinunter zum Uferweg am Jungfernsee und einer Aussichtsplattform.

Von dieser Plattform aus soll künftig eine Steganlage für die Boote von Anwohnern erreichbar sein

Von dieser Plattform aus soll künftig eine Steganlage für die Boote von Anwohnern erreichbar sein. Hier können auch Bootstouristen und das Wassertaxi der Weißen Flotte anlegen.

Erschlossen ist das neue Stadtviertel seit Ende letzten Jahres. Der Entwicklungsträger Bornstedter Feld (ETBF) hat den Uferweg am Jungfernsee fast fertig mit mehreren Treppenanlagen hinauf zum Wohngebiet am Hang und einer Aussichtsplattform, an die noch ein Steg angefügt wird für einen Bootsliegeplatz der Kiezbewohner. Die finanzieren die Anlage und auch einen Anleger für das Potsdamer Wassertaxi. Die für eine Marina typischen technischen Anlagen wird es aber nicht geben. Bedarf für einen Supermarkt im Viertel sieht Klaas Vollbrecht nicht, aber eine Kita soll gebaut werden. Zum Schutz der Anwohner vor dem Lärm der Bundesstraße 2 baut man eine Lärmschutzwand.

Blick vom Vermarktungsturm hinüber zum bestehenden SAP-Gebäude und zum Neubau der Softwarefirma

Blick vom Vermarktungsturm hinüber zum bestehenden SAP-Gebäude und zum Neubau der Softwarefirma. Wo links im Bild der Sandhügel steht, soll die künftige Wendeschleife der Straßenbahn liegen, wo der Umstieg in Umlandbusse möglich sein wird.

Die Verkehrsanbindung ist beschlossen. Der Verkehrsbetrieb in Potsdam (ViP) wird seine Straßenbahntrasse von der Viereckremise im Bornstedter Feld aus hierher verlängern. 7,5 Millionen Euro wird das kosten und soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 fertig sein. Dann wird es ein Tür-zu-Tür-Umsteigen zwischen den Bussen aus dem Norden und den Bahnen aus dem Süden geben.

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Dem exklusiven Wohngebiet schließt sich stadtauswärts der eigentliche Plattner-Campus an, wo Plattners Firma SAP bereits ein Gebäude errichtet hat, in dem 150 Leute arbeiten. Ein Erweiterungsbau für 100 weitere Mitarbeiter entsteht derzeit. Außerdem soll ein etwa halb so großes Gründerzentrum vor allem für kleinere Firmen der Computerbranche entstehen. Dafür gibt es nach Auskunft von Friedrich Meinikat aus der Campus am Jungfernsee GmbH & Co.KG eine Reihe von Ansiedlungsanfragen.

Von Rainer Schüler

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