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Förderverein Potsdam-Museum

Mann, o Mann!

Der ehemalige Freundschaftsinselgärtner Jörg Näthe inmitten der Blumenpracht.  

Der ehemalige Freundschaftsinselgärtner Jörg Näthe inmitten der Blumenpracht.

Innenstadt. Einer Kunst-Ausstellung die Überschrift „Sans Femmes“ (zu Deutsch: Ohne Frauen) zu geben, grenzt durchaus an Kühnheit. Zum einen, weil man mit der alleinigen Konzentration auf die Darstellung von Männern ja durchaus den Zorn von furiosen Feministinnen wecken könnte, die sich gegen diese Ausgrenzung auf die Barrikaden begeben. Bei anderen Damen wiederum wäre die grobe Inhaltsbeschreibung der Ausstellung – Fotos und Skulpturen nur von Männern – durchaus dazu angetan, Hoffnung zu schüren. Hat Potsdam jetzt etwa auch seinen eigenen Jungbauernkalender, bei dessen Anblick den Frauen das Herz vor Freude aufgeht? Doch beide Male muss die Antwort „nein“ lauten.

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Star-Kanute Sebastian Brendel

Star-Kanute Sebastian Brendel.

Weder handelt es sich bei der neuen Ausstellung im Kunsthaus „Sans Titre“ in der Französischen Straße um ein Projekt zur Frauenausgrenzung noch um hochglanzpolierte Konterfeis muskelbepackter Bravo-Boys. Es sind – und das ist das Bemerkenswerte – ganz einfach die Potsdamer Männer von nebenan, die der Fotograf Michael Lüder vor seine Linse gebeten hat. Solche, die man aus der Fleischerei, aus dem Buchladen, von der Freundschaftsinsel oder aus der Zeitung kennt. Weshalb der Wiedererkennungseffekt zur Freude des Betrachters auch ungewöhnlich hoch ist.

Buchhändler Carsten Wist

Buchhändler Carsten Wist.

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Gleichzeitig ist es Lüder gelungen, das Besondere im Gewohnten zu finden – den jeweiligen Charakter sozusagen auf den Punkt zu bringen. So scheint etwa der rauschebärtige Philosoph und Autor Klaus Hugler, wie er da mitten im Wald steht, fast eins zu werden mit den knorrigen, erhabenen Baumriesen hinter ihm. Star-Kanute Sebastian Brendel wiederum ist im Zustand der höchsten, fast meditativen Konzentration von der Kamera eingefangen worden.

Der Babelsberger Schloss-Kastellan Jörg Kirschstein

Der Babelsberger Schloss-Kastellan Jörg Kirschstein.

Buchhändler Carsten Wist, der Babelsberger Schloss-Kastellan Jörg Kirschstein, zwei Männer-Generationen der Fleischer-Dynastie Meissner oder Ex-Freundschaftsinselgärtner Jörg Näthe – sie und noch viele mehr hat Michael Lüder fern von jeder Plakativität einfühlsam in Szene gesetzt. Ähnlich hintergründig geht Ulf Schüler mit seinen Männer-Skulpturen zu Werk. Es ist nicht das Offensichtliche, um das es geht, sondern um die Geschichte dahinter. Die Figur des Indianerhäuptlings mit Kopfschmuck als Sinnbild des Kleine-Jungen-Traums. Oder der Junge im Eisbärkostüm – Sinnbild von kuschelig-weich und aggressiv zugleich.

Skulptur von Ulf Schüler

Skulptur von Ulf Schüler

Zur Vernissage gab es mit 250 Gästen einen regelrechten Ansturm auf die Ausstellung, die auf das Konto des Fördervereins des Potsdam-Museums geht. Kuratoriumsmitglied Susanne Fienhold Sheen hat die Schau kuratiert. Die Idee dazu war dem Vereinsvorsitzenden Markus Wicke bei einem Besuch des Ateliers von Michael Lüder gekommen, als er die Porträts von Männern in verschiedenem Alter, mit verschiedenen Biografien und Berufen und aus verschiedenen sozialen Schichten sah – vom unbekannten Obdachlosen über den Landwirt, der auf dem Markt seine Waren verkauft, bis hin zum Theaterintendanten oder Olympiasieger.

Skulpturen von Ulf Schüler

Skulpturen von Ulf Schüler

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„Wir wollten die ganze Bandbreite der Potsdamer Männer zeigen, einen Zeitschnitt, wie es Michael Lüder nennt, der sicher in 20 oder 30 Jahren noch interessanter sein wird, als er jetzt schon ist“, sagte Wicke in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung. Dabei gab er auch eine Antwort auf die recht oft gestellte Frage: „Warum nur Männer – keine Frauen?“ Des Rätsels Lösung ist ebenso einfach wie pragmatisch: Männer, so Lüder, würden sich eben nun mal einfacher und unkomplizierter fotografieren lassen als Frauen.

Fleischermeister Christian Meissner und Söhne

Fleischermeister Christian Meissner und Söhne.

Info: Geöffnet ist die Ausstellung bis 28. Oktober donnerstags bis sonntags von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Ildiko Röd

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