Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Nach Massenkündigung im betreuten Wohnen

Potsdamer beschenken gekündigte Senioren: „Ihr seid nicht allein!“

Josephinen-Wohnanlage: Übergabe gespendeter Geschenke an gekündigte Bewohner durch Janina Bachmann-Graffunder (l., NH Hotel Potsdam) und Sarah Clausen-Gundelach (Lass Waxen).

Josephinen-Wohnanlage: Übergabe gespendeter Geschenke an gekündigte Bewohner durch Janina Bachmann-Graffunder (l., NH Hotel Potsdam) und Sarah Clausen-Gundelach (Lass Waxen).

Potsdam. Dieser riesige, bunte Geschenkeberg ist mehr als eine Bescherung. Er ist moralische Unterstützung, ein Solidaritätszeichen, ein Bekenntnis für ein Recht auf Wohnen im hohen Alter. Viele Potsdamerinnen und Potsdamer sind dem Aufruf des Vereins Fördert Frau gefolgt und haben Weihnachtspräsente für die gekündigten Senioren in der Josephinen-Wohnanlage gespendet. Ende Oktober hatte der Betreiber, die Soziale Grundbesitzgesellschaft (SGG) Potsdam, allen Mietern des betreuten Wohnen gekündigt. Vorausgegangen war Kritik von Bewohnern und Seniorenbeirat an baulichen Missständen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Massenkündigung in Potsdam in der MAZ gelesen

„Ich hab das in der MAZ gelesen und mich so geärgert, dass ich wusste: Ich muss irgendetwas machen“, erzählt Sarah Clausen-Gundelach, Inhaberin des Waxing-Studios „Lass Waxen“ und Vorstandsmitglied von Fördert Frau. Der Verein startete den Aufruf – und die Potsdamer gaben ihre Spenden im Studio und im NH-Hotel ab. „Wir haben empfohlen, etwas zu schenken, das man auch den eigenen Großeltern schenken würde“, erklärt sie. Und es kamen: Duftkerzen, Puzzle, Rätselhefte, Pflegemittel, Kuschelsocken, Marmelade, 100 Weihnachtssterne und viele persönliche Briefe. „Wir können nicht wirklich helfen, aber wir wollten den Senioren zeigen: Hey, ihr seid nicht allein und wir sehen Euch.“

Der Verein Fördert Frauen in Potsdam hat Weihnachtsgeschenke für die Senioren der Josephinen-Wohnanlage gesammelt, denen komplett gekündigt worden ist.

Der Verein Fördert Frauen in Potsdam hat Weihnachtsgeschenke für die Senioren der Josephinen-Wohnanlage gesammelt, denen komplett gekündigt worden ist.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auch Geldspenden gingen ein. „Davon konnten wir einen Weihnachtsbaum kaufen“, sagt Clausen-Gundelach – und fügt enttäuscht hinzu: „Aber der Baum wurde vom Hausbetreiber abgelehnt,, weil er nicht abgesprochen gewesen sei.“ Den Baum bekommt nun das Omi-Opi-Haus in der Rembrandtstraße.

Lesen Sie auch: Josephinen-Wohnanlage: Familie kämpft um Pflege für todkranke Mutter

Grundsätzlich gestaltete sich die Absprache mit der Hausleitung schwierig. Die Anfragen mussten alle über die Konzernzentrale der MK-Kliniken in Hamburg gehen. Ins Haus in der Burgstraße hinein durften die Spender für die Geschenkübergabe am Mittwochnachmittag nicht.

Janina Bachmann-Graffunder (l., NH Potsdam),Sarah Clausen-Gundelach (Lass Waxen).

Janina Bachmann-Graffunder (l., NH Potsdam),Sarah Clausen-Gundelach (Lass Waxen).

Die Betreibergesellschaft hatte zuletzt eine einstweilige Verfügung gegen Peter Mundt, den Vorsitzenden des Seniorenbeirates, vor einem Hamburger Gericht erwirkt. Es ging um Aussagen in einem Interview bei Radio Potsdam, die aus Sicht der SSG unwahr waren. In einer Pressemitteilung bezeichnet sie Mundt als „Politbürokrat“. Er hat seinerseits nun Rechtsmittel dagegen eingelegt. Der Beschluss sei daher noch nicht rechtskräftig, sagte er der MAZ. Rückendeckung bekommt er von der Stadt, etwa in Form einer Rechtsberatung.

Lesen Sie auch:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dass er ungern in der Anlage gesehen wird, erfuhr Mundt am Dienstag, als er ein Schreiben an die Bewohner in seiner ehrenamtlichen städtischen Beiratsfunktion in die Briefkästen stecken wollte. Dies habe man ihm zunächst verweigern wollen. Nach längerer Diskussion mussten er und seine Begleiter sich erst Corona-Tests unterziehen, ehe sie sich den Briefkästen nähern durften.

In dem Schreiben informiert Mundt die Senioren über die Aktivitäten des Bündnisses "Burgstraße bleibt!", in dem sich mehrere Unterstützer zusammengeschlossen haben. Er kündigt ein weiteres Beratungsangebot der Verbraucherzentrale für den 8. Dezember an und ermutigt weiter, der Kündigung zu widersprechen. Zudem geht demnächst eine Homepage online, um über den weiteren Fortgang zu informieren – sie richtet sich gerade auch an Angehörige, so Mundt gegenüber der MAZ. Für das nächste Jahr plant das Bündnis mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi eine Demonstration vor der MK-Zentrale in Hamburg.

Von Alexander Engels

Mehr aus Potsdam

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.