Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Berliner Mauer in Potsdam

Der Grenzstrich auf der Glienicker Brücke verblasst – Gedenken an den Mauerbau in Potsdam

Reste der Berliner Mauer an der Stubenrauchstraße in Babelsberg.

Reste der Berliner Mauer an der Stubenrauchstraße in Babelsberg.

Potsdam. Sie heißt Berliner Mauer – doch sie war vor allem ein Teil von Brandenburg. Wie viele Schüler im Land Brandenburg haben wohl im Laufe ihrer gesamten Schulzeit einmal eine Gedenkstätte der Berliner Mauer oder der DDR-Diktatur mit ihrer Klasse besucht?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nur jeder vierte Schüler in Brandenburg besucht eine Gedenkstätte

„Nur für jeden vierten Schüler lässt sich das nachweisen, dabei ist dieser Besuch laut den Lehrplänen eine Pflicht“, klagt Manfred Kruczek (72). Der frühere Potsdamer Bürgerrechtler engagiert sich seit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung dafür, dass die Erinnerung an diese tödliche Grenze nicht verblasst. Mit seinem Verein hat Kruczek am Samstag an den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 erinnert.

Gedenken in der Stubenrauchstraße 2022.

Gedenken in der Stubenrauchstraße 2022.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Drei Orte in Potsdam zeigen noch echte Fragmente der DDR-Grenze

An der Stubenrauchstraße am Griebnitzsee stehen noch ein paar der über vier Meter hohen Betonsegmente. Blumen schmücken die graue Wand an diesem Samstag. Einige Läufer kommen vorbei. Rund 1000 Menschen gedenken per Fahrrad oder zu Fuß des Mauerbaus, indem sie innerhalb von 30 Stunden die etwa 161 Kilometer lange Grenze rund um West-Berlin ablaufen oder fahren. An der Stubenrauchstraße, in deren Umfeld drei der mindestens 140 Mauertoten ihr Leben verloren, ist einer der Versorgungspunkte des Laufs.

Es ist einer von nur drei Orten in Potsdam, an denen noch echte Fragmente des Grenzssystems zwischen Sozialismus und Kapitalismus, drei Reste des Eisernen Vorhangs, zu finden sind. Ein Wachturm am Jungfernsee gehört noch dazu, sowie ein Mauerstück in Groß Glienicke.

Gedenken an der „Nike“ an der Glienicker Brücke

Die größte Gedenkveranstaltung zum 61. Jahrestag des Mauerbaus fand am Samstag allerdings an der Glienicker Brücke statt – auf der Potsdamer Seite an der kleinen „Siegessäule“ mit der Siegesgöttin Nike. Hier ist das Grenzsystem nicht mehr erkennbar – stattdessen verbindet wieder eine Parklandschaft Potsdam mit Berlin. „Die Figur der Nike drückt den Schmerz über die Toten und die Freude über die wiedererlangte Einehit Deutschlands und sogar Europas aus“, sagte die Vizepräsidentin des Brandenburger Landtags, Barbara Richstein (CDU).

Kulturministerin Manja Schüle an der „Nike“ nahe der Glienicker Brücke.

Kulturministerin Manja Schüle an der „Nike“ nahe der Glienicker Brücke.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Es ist das erste Gedenken nachdem in Europa wieder ein Krieg ausgebrochen ist. Die Spaltung, die eine Mauer verursacht, sei genau das, was Russlands Präsident Wladimir Putin „um seiner Herrschaft willen“ brauche, so Richstein. Doch er habe dafür kaum Rückhalt in Europa – so nachhaltig wurde die Spaltung Europas seit dem Mauerfall 1989 überwunden.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) erinnerte daran, dass die Mauer nicht einfach „fiel“, wie es in der deutschen Sprache so einfach heißt. „Sie wurde zu Fall gebracht“, so Schubert. „Der 13. August 1961 lehrt uns, dass Grenzen und Mauern jederzeit infrage gestellt werden und überwindbar sein müssen“, so Schubert.

Vertreter des Landtags, des Landes, der Stadt und der Opfer legten Blumen an der Säule mit der Nike nieder.

Vertreter des Landtags, des Landes, der Stadt und der Opfer legten Blumen an der Säule mit der Nike nieder.

Kulturministerin Manja Schüle (SPD) sprach den einst deutlich sichtbaren weißen Grenzstrich mitten auf der Glienicker Brücke an, die je zur Hälfte in einem der zwei Systeme stand. „Noch reicht der Grenzstrich für ein Erinnerungsfoto, Doch die Markierung verblasst zusehends“, merkte Schüle an. Tatsächlich ist er heute nur noch zu erahnen.

„Was nicht verblassen darf, sind unsere Erinnerungen an den Mauerbau, die Opfer und das Leid, das dieses Bollwerk über die Menschen in Ost und West gebracht hat.“ Ein Mittel gegen die verblassende Erinnerung kennt Manfred Kruczek – das Weitertragen der Geschichte in die nächste Generation.

Mehr aus Potsdam

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen