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MAZ-Weihnachtsaktion Sterntaler

MAZ-Sterntaler sammelt für das erste Weihnachten ohne Papa

Daniela Liske (34) mit zweien ihrer drei Söhne, Lean (9) und Aidan (3). Demian (6) wollte nicht mit aufs Bild.

Daniela Liske (34) mit zweien ihrer drei Söhne, Lean (9) und Aidan (3). Demian (6) wollte nicht mit aufs Bild.

Potsdam.In einer der Kisten liegt seine Jacke. Eine dicke, warme, die er im Herbst und im Winter so gern getragen hat und in die sie sich nun einkuschelt, wenn die Kinder endlich in ihren Betten eingeschlafen sind. „Dass er sich klammheimlich davonschleichen musste, hat mich wütend gemacht“, sagt Daniela Liske (34). „Aber es passt zu ihm: Mein Mann wollte nicht, dass ich dabei bin, wenn er geht – er wollte es mir nicht noch schwerer machen. Mein Mann hat mich immer beschützt.“

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Die Söhne sollen ein schönes Fest haben - trotz allem

Daniela Liske sitzt in einer Wohnung voller Kisten, unausgepackter Taschen und angespannter Erwartung. Es riecht nach frisch gestrichenen Wänden und noch nicht nach der Familie, die sich Mühe gibt, hier zu Hause zu sein. Keine Woche ist der Umzug jetzt her. Vier Zimmer, Küche, Bad. Der Esstisch steht in einem sechseckigen Erker, der den adretten Häusern im Viertel an der Heinrich-Mann-Allee etwas besonders Heimeliges gibt. Eine Weihnachtsdecke, ein Weihnachtsstern in voller Blüte, ein Gesteck, drei Adventskalender: Daniela Liske hat so viel vorweihnachtliche Gemütlichkeit verbreitet, wie es nur geht, wenn man noch gar nicht so richtig angekommen ist. Auch für den Baum hat sie schon den perfekten Platz gefunden, doch noch lehnt er hinter der Eingangstür im Flur. Daniela Liske hofft, dass sich ihre Söhne Lean (9), Demian (6) und Aidan-Leroy (3) irgendwann einmal an dieses Fest erinnern und sagen, dass es schön war – trotz allem. Es ist das erste Weihnachtsfest ohne Papa.

Jeder Euro zählt! So können Sie spenden

Mit der „Sterntaler“-Weihnachtsaktion sammelt die MAZ in diesem Jahr Spenden für Familien und Alleinerziehende, für ältere und kranke Menschen, für Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind – kurzum für Menschen aus Potsdam und dem Umland, die es schwer haben und denen wir eine Freude zu Weihnachten machen wollen.

Das Spendenkonto wird von der Hoffbauer-Stiftung treuhänderisch verwaltet, eine Spendenbescheinigung wird ausgestellt (mehr als 300 Euro). Bitte geben Sie als Verwendungszweck an: MAZ-Sterntaler-Aktion.

Die Bankverbindung:

Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank

IBAN: DE53 3506 0190 1567 6140 14

BIC: GENODED1DKD

Die Spendernamen werden veröffentlicht. Wer dies nicht möchte, weist bitte im Verwendungszweck darauf hin.

2040 Euro sind inzwischen auf dem Sterntaler-Konto eingegangen. Heute bedanken wir uns bei Andreas Wilms für 50 Euro und bei einer Spenderin, die nicht genannt werden möchte, für 10 Euro. Liebe Leserinnen und Leser, jeder Euro zählt! Bitte helfen Sie uns, Daniela Liske und ihren Jungen, der 18-jährigen Ritaj und dem 69-jährigen Horst Brabant zu helfen. Bitte spenden Sie!

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Leroy Liske ist am 27. August nach schwerer Krankheit gestorben. Er war 34 Jahre alt und hatte keine Chance. „Die Diagnose war vernichtend“, sagt Daniela Liske. „Der Krebs hatte bereits gestreut. Es war von Anfang an klar, dass es keine Heilung geben wird, nur ein Herauszögern.“ Daniela Liske ist damals gerade mit dem dritten Sohn schwanger; ihr Mann greift nach dem kleinsten Fünkchen Hoffnung. Mit Chemotherapien, mit Operationen und zuletzt mit Morphium gegen die starken Schmerzen gewinnt die Familie drei Jahre.

„Ich konnte mich mit niemandem so gut unterhalten wie mit ihm“

Nie mehr gemeinsam kochen, nie mehr mit den Jungs toben, nie mehr quatschen, bis es draußen vor dem Schlafzimmerfenster hell wird: Daniela Liske hat nicht nur den Mann und Vater ihrer Kinder verloren, sondern auch ihren besten Freund. „Ich konnte mich mit niemandem so gut unterhalten wie mit ihm. Wir konnten immer und über alles reden: über die Familie und die Arbeit, über Probleme und Träume, über Alltäglichkeiten.“

Die Liebe der Liskes beginnt im November 2010 im Internet und nimmt Fahrt auf wie im Film. Daniela hatte bis dahin nicht allzu viel Glück mit den Männern. Ein Kumpel überredet sie, es mal auf einem Dating-Portal zu versuchen, sie habe ja nichts zu verlieren. Volltreffer! „Er hat mich angeschrieben und es hat sofort alles gepasst. Wir haben telefoniert – stundenlang. So etwas hatte ich noch nie erlebt.“ Leroy wohnt in Finsterwalde, Daniela in Potsdam. Er fährt sie einige Male besuchen. Auch Silvester 2010 ist er da – in sich gekehrt, einsilbig. „Ich dachte, ich habe etwas falsch gemacht und musste eine Runde um den Block gehen, durchatmen“, sagt Daniela Liske. Zurück in der Wohnung stellt sie Leroy zur Rede. Er gibt zu, dass er gerne länger bleiben möchte, sich aber nicht zu fragen traue. „Da haben wir die Eckpunkte unserer Beziehung abgesteckt. Ich habe gesagt, ich hätte gern einen Ring am Finger und mindestens ein Kind – er war einverstanden.“ Sie hat ihm den Antrag gemacht? Daniela Liske lacht verlegen. „Er hat ein halbes Jahr später eine Schnipseljagd durch die Wohnung veranstaltet. Am Ende habe ich den Ring gefunden. – Er hat ganz offiziell mit Kniefall um meine Hand angehalten.“

Leroy Liske stirbt in einer regnerischen Sommernacht

Daniela und Leroy Liske heiraten am 28. Juli 2012 auf dem Krongut. Am 28. Juli 2021 bringt Daniela Liske ihren Mann ins Hospiz auf Hermannswerder. Er stirbt vier Wochen später in einer regnerischen Nacht. Daniela Liske erfährt davon am Telefon. Sie ist zu Hause, sie kann die Kinder nicht allein lassen. Am Morgen bringt sie zuerst den Kleinen in die Kita und die zwei Großen in die Schule und fährt dann nach Hermannswerder hinaus. Es regnet noch immer, vor dem Zimmer ihres Mannes brennt eine Kerze. Daniela Liske nimmt in aller Stille Abschied. „Als ich gegangen bin, brach der Himmel auf“, sagt sie. „Als ich von der Insel fuhr, schien die Sonne.“

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Im neuen Zuhause müssen sie erst ankommen – Daniela Liske und ihr ältester Sohn Lean (9).

Im neuen Zuhause müssen sie erst ankommen – Daniela Liske und ihr ältester Sohn Lean (9).

Daniela Liske hat ihren Mann zu Hause gepflegt. Sie ist vom Fach, hörte als Krankenschwester aber auf, als die Familie größer wurde. „Ich wollte mich beruflich verändern, mein Mann hat mich dabei voll unterstützt“, sagt sie. Ohne seinen Rückhalt habe sie sich wohl niemals durchgerungen, zu studieren. Zuletzt hat Daniela Liske in der Verwaltung eines Seniorenwohnparks gearbeitet – dorthin würde sie gern zurückkehren, wenn sie sich wieder dazu in der Lage fühlt.

„Du wirst deinen Weg gehen“, hat Leroy Liske einmal auf einen Zettel geschrieben und ihr zugesteckt. Auf dem Zettel, den sie jetzt beim Umzug wiedergefunden hat, steht auch: „Trau dir mehr zu“. Diese Worte sagt sich Daniela Liske in Gedanken immer wieder auf. Doch das, was ihr das Leben zumutet, erdrückt sie geradezu. Mit der Angst um ihren Mann kam auch die Angst vor der Zukunft und vor der finanziellen Not. Die Angst um die Kinder, die doch unbeschwert aufwachsen sollen. Die Angst vor der Nacht und vor dem Morgen. Sie habe sich früh in helfende Hände begeben, sagt Daniela Liske – ihr Kampf sei aber noch lange, lange nicht gewonnen. „Die Angst bleibt, sie sucht sich nur immer wieder ein anderes Ziel.“

„Ich habe jeden Cent umgedreht und wieder umgedreht und wieder“

Beim Neuanfang soll der Familie ein neues Umfeld helfen. „Wenn ich nach Hause in unsere Wohnung gekommen bin... Ich konnte das nicht mehr“, sagt Daniela Liske. Als sie den Zuschlag erhält, sind ihr direkt zwei Dinge klar: Allein kann sie den Umzug nicht stemmen – und für eine Firma fehlt ihr das Geld. Sie habe den Schnitt aber schnell hinter sich bringen wollen. Sie spart von dem bisschen, das sie hat, wo es noch geht. Sie isst wochenlang, was die Kinder auf dem Teller übrig lassen, und rührt sich eine Tütensuppe an, wenn das zu wenig ist. „Ich habe jeden Cent umgedreht und wieder umgedreht und wieder“, sagt Daniela Liske in ihrer Wohnung voller Kisten und Taschen. In einem der Kartons liegt auch ihr Hochzeitsbild. Sie weiß genau, wo sie es aufhängen will, doch noch fehlt dazu die Kraft. „Er wird immer präsent sein“, sagt Daniela Liske, „auch hier“.

Von Nadine Fabian

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