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MAZ-Weihnachtsaktion Sterntaler

Mit dem Rad zur Schule: Sterntaler sammelt für Potsdamer Erstklässler

MAZ-Sterntaler hilft den Eltern Heiko Bangel und Janina Mahler mit Sohn Anthony

MAZ-Sterntaler hilft den Eltern Heiko Bangel und Janina Mahler mit Sohn Anthony

Schlaatz.Janina Mahler (24) und Heiko Bangel (31) sind Busfahrer, doch wenn Söhnchen Anthony (5) nächstes Jahr zur Schule kommt, soll er den Schulweg mit dem Fahrrad schaffen. Er muss vom Schlaatz zur Evangelischen Grundschule in Babelsberg. Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das eher umständlich, mit dem Rad aber berechenbar. Doch Anthony muss das trainieren. Es sind knapp drei Kilometer; er würde rund zehn Minuten dafür brauchen.

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„Er hatte noch nie ein Fahrrad“, sagt die Mutter, „und wenn er den Weg trainiert, muss er das mit einem von uns machen.“ Vor zwei Jahren haben sie schon mal nach einem Rad für ihn geschaut, dann aber doch nicht das nötige Geld dafür gehabt. „So 300 Euro muss man jetzt schon einplanen für ein Fahrrad nebst Schloss und Helm“, sagt sie: „Und wenn wir mit ihm üben wollen, braucht einer von uns auch ein Rad.“ Ihr Haushaltsbudget gibt das nicht her; sie leben plusminus Null.

Potsdamer haben schwankendes Gehalt

Beide arbeiten für ein privates Personentransportunternehmen in Potsdam. Sie haben ein Grundgehalt für 32 Wochenstunden und verdienen darüber hinaus im „Gelegenheitsverkehr“ nur so viel, wie die Auftragslage das ergibt. Mal haben sie viel zu tun, mal wenig und müssen stets mit Plus- und Minusstunden rechen.

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Die Lage ist schwierig geworden in Corona-Zeiten, weil Gruppen- und Kaffeefahrten weggebrochen sind, Fernreisen nicht mehr stattfinden. Es gibt faktisch keine Firmen- und Vereinstouren mehr, keine Klassenfahrten. Und der allgemeine Einbruch in der Reisebranche führt dazu, dass die Zubringerfahrten aus den Landkreisen und Städten zu den großen Busbahnhöfen auf ein Minimum geschrumpft sind.

Vater fährt am liebsten Reisebusse

Er fährt sehr gerne Fernbus, ist aber derzeit eher mit den kleineren Fahrzeugen unterwegs, mit Kleinbussen, Transportern. Behinderte werden für Oberlin gefahren und Schulkinder zum Schwimmen gebracht und wieder abgeholt.

Sie erzählt: „Oft hole ich auch nur eine einzige Person mit dem Auto ab.“ Sie sei froh, dass sie ihre Arbeitszeit so legen kann, dass sie Anthony zur Kita bringen und wieder holen kann. „Immerhin sind die Kitas hier ja ganztags geöffnet“, sagt sie. Das ist im Westen Deutschlands anders: „Da ist der Kindergarten oft nur bis 12 oder 14 Uhr auf.“ Das haben sie leidvoll erfahren, als sie ihrer Mutter an die Nordsee folgten und eine Weile in Reinsbüttel lebten. Beruflich fassten sie dort keinen Fuß. Sie war dort ein halbes Jahr in der Pflege tätig für mehrfach schwerbehinderte Erwachsene, etliche taub und blind zugleich. Man musste diese Menschen windeln und im Rollstuhl fahren; nervlich bewältigte sie das nicht. Und das Kita-Problem war unlösbar; also zogen sie zurück nach Potsdam.

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Kredite lassen keinen Spielraum mehr

Die Umzüge und die Neuausstattung der leeren Küche am Schlaatz waren kreditfinanziert; die Raten laufen noch., auch für das Auto. „Vor den Umzügen hatten wir so 100 bis 150 Euro im Monat übrig für Anschaffungen“, sagt Heiko Bangel. „Jetzt gibt es keinen Spielraum mehr.“ Er könnte sich zwar Plus-Stunden vom Unternehmen ausbezahlen lassen, doch wenn er in die Minusstunden kommt, kann er die dann nicht mehr ausgleichen.

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Vor ihrem Beruf als Kraftfahrer war die gelernte Sozialassistentin in einer Kita beschäftigt, „doch die Kinder in der Kita und das eigene Kind waren mir irgendwie zu viel. Im ersten Ausbildungsjahr war ich allein für 20 Kinder da.“

Anthony sucht einen Sportverein

Die Mutter ist sich sicher, dass Anthony den Schulweg mit dem Fahrrad schafft. Sie würde den Jungen auch gerne in einem Sportverein unterbringen, Fußball oder Leichtathletik, „er rennt so gerne – neuerdings“. Bis vor kurzem nämlich sah „Anthy-Tenty“ sich selbst als „Ente“ und sagte oft zu Papa „Die Ente ist wieder da.“ Jetzt entdeckt er die eigene Kraft und würde nur zu gern in die Pedalen treten.

Von Rainer Schüler

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