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Getötet mit 26 Messerstichen

Sohn der Getöteten im Waldstadt-Mordprozess: „Mama, mit dem stimmt was nicht“

Zweiter Prozesstag am Potsdamer Landgericht gegen Christian P. hier mit Anwalt Matthias Schöneburg

Zweiter Prozesstag am Potsdamer Landgericht gegen Christian P. hier mit Anwalt Matthias Schöneburg

Waldstadt. Fortschritt bei der Aufklärung der Bluttat vom 1. März in Waldstadt II: Der wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin Josefine U. und des versuchten Mordes an deren Tochter Jolina angeklagte, an paranoider Schizophrenie erkrankte Christian P., hatte am ersten Verhandlungstag am Dienstag vergangener Woche behauptet, Jamie, der 17-jährige Sohn seiner Partnerin, habe ihn mit einem Messer angegriffen. Und nur deswegen habe er sich selbst ein Messer genommen – die Tatwaffe. Er bestritt nicht, die 43 Jahre alte Mutter des Jungen dann mit 26 Messerstichen getötet zu haben.

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Potsdamer Mordprozess: Sohn beteuert, den Angeklagten nicht bedroht zu haben

Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts wies Jamie U . diesen Vorwurf entschieden zurück: „Ich habe ihn nicht mit einem Messer bedroht“, sagte er am Freitag. Akribisch ging das Gericht dem Vorwurf nach, denn immerhin hatte P. an seiner rechten Hand erhebliche Schnittwunden, für die es keine Erklärung gab.

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Doch Polizeibeamte, die am 1. März schnell am Tatort waren und mit dem Angeklagten gesprochen hatten, widerlegten die Aussage des Angeklagten. Ausdrücklich hatte er ihnen erzählt, er wisse nicht, wie seine Wunden entstanden seien. Nie sei von einer anderen Person die Rede gewesen, die sie ihm zugefügt haben soll. Einem Beamten hatte er kurz nach der Tat gesagt, er sei in die Küche gegangen, habe ein Messer geholt und auf Josefine U. eingestochen. Im Klinikum „Ernst von Bergmann“, wo seine Wunden genäht wurden, sagte er einer Chirurgin, er habe „das Messer blöd gehalten“.

Sohn des Potsdamer Opfers berichtet von Christian P.s Weltsicht

Jamie U. ermöglichte dem Gericht tiefe Einblicke in das Seelenleben des Angeklagten und die Partnerschaft zwischen ihm und seiner Mutter. Wohl im Januar 2020 hätten sie über eine Dating-App zueinander gefunden, berichtete er. Er habe den Freund seiner Mutter zunächst „akzeptiert“, ihr aber nach einem Jahr gesagt, „dass mit ihm etwas nicht stimmt“, obwohl beide „sehr ineinander verliebt waren“. Er wusste, dass Christian P. Jahre im Maßregelvollzug verbracht hatte und zuletzt von September bis Dezember 2021 erneut zur sogenannten Krisenintervention in die geschlossene Psychiatrie in eine Klinik in Eberswalde eingewiesen wurde.

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Er berichtete von Eigentümlichkeiten der Weltsicht von P. Der habe in euphorischer Stimmung davon gesprochen, „der Größte“ zu sein und „alle retten“ zu wollen, Jamie U.’s Mutter aber sei „eine Hure, und ich kann nicht die ganze Welt retten“. P. habe dabei „geheimnisvoll geflüstert“.

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Christian P. soll Trauringe für Drogen versetzt haben

Eigentlich sollte am 2. Februar 2022 die Hochzeit stattfinden, aber einmal mehr wurde Christian P. Opfer seiner Drogensucht. „Er versetzte die Hochzeitsringe für Drogen“, sagte Jamie U., „da wurde meiner Mutter klar, dass er nicht der Richtige ist.“ Sie sagte den Trautermin ab, zur endgültigen Trennung kam es zwei Tage vor der Tat.

Potsdamer Polizeibeamte schilderten, was sie vorfanden, als sie in die Waldstadt II gerufen wurden. Christian P. war nach der Tat aus der Wohnung gelaufen und ließ sich widerstandslos festnehmen. Er bereue, was geschehen sei, er wolle „nicht mehr leben“, sagte er und forderte eine Polizistin auf, ihn zu „erschießen“.

Christian P. im Gerichtssaal.

Christian P. im Gerichtssaal.

Den beiden Polizisten, die als Erste die Wohnung im vierten Stock betraten, bot sich ein „extremes Verletzungsbild“. Stark blutend und nicht ansprechbar lag Josefine U. am Boden, „übersät mit Stich- und Schnittwunden“, wie der Polizeikommissar Musa K. berichtete. Er gehört zu einem speziell für lebensbedrohliche Einsatzlagen ausgebildeten Team, das eine Tasche mit „Taktischer Einsatzmedizin“ mit sich führt. Er intubierte die Mutter sogar, um ihr Leben zu retten, als der Notarzt kam, kämpften beide 48 Minuten lang um ihr Leben. Um 15.37 Uhr stellte der Arzt ihren Tod fest.

Gegen die brandenburgische Justiz, insbesondere die Strafvollstreckungskammer beim Landgericht Frankfurt (Oder) steht der Vorwurf im Raum, Christian P. nicht in den Maßregelvollzug zurückverwiesen zu haben, obwohl Psychiater der Klinik in Eberswalde und seine Bewährungshelferin, wie berichtet, wegen seiner Gefährlichkeit dringend dazu geraten hatten.

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Von Carsten Holm

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