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Krieg in der Ukraine

Notruf aus Buchansky: Potsdamer Tierschutzverein nimmt Hunde aus der Ukraine auf

Der Tierschutzverein Potsdam hat fünf Hunde aus einem Heim bei Kiew aufgenommen. Hier Tierheimchefin Antje Schwarze mit Emil.

Der Tierschutzverein Potsdam hat fünf Hunde aus einem Heim bei Kiew aufgenommen. Hier Tierheimchefin Antje Schwarze mit Emil.

Templiner Vorstadt. Die Evakuierung wäre beinahe schief gegangen: Nach mehreren Versuchen, einen Rettungstransport an die ukrainische Grenze zu organisieren, hatte der Tierschutzverein (TSV) Potsdam am 24. März endlich eine Übergabe an der Grenze Polens zur Ukraine vereinbart, doch die Aktion wäre im letzten Moment beinahe gescheitert. 22 Uhr wollte man sich am Grenzübergang mit einem Kurier treffen, doch die Potsdamer warteten und warteten, ohne dass etwas geschah. Drei Wochen Vorarbeit und fast 1000 Kilometer bis zum Treff, auf private Kosten – alles umsonst?

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Dann kam ein Anruf vom Kurier: Der ukrainische Grenzschutz hatte ihn nicht nach Polen gelassen; bis heute weiß niemand, warum. Man vereinbarte einen anderen Übergang, und in der Nacht zu Samstag klappte es dann dort. Der TSV und ein Mitglied der Tierhilfe Ukraine übernahmen drei Hundewelpen, zwei erwachsene Hunde und zwei Katzen; das Tierheim Potsdam nahm die Hunde aus Buchansky bei Kiew auf.

„Allen Tieren geht es bestens“, versicherte TSV-Vorstand Günter Hein an diesem Donnerstag gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Naja, nicht ganz: Vereinsärztin Gerit Raila hat im Fell von zwei Welpen eine Pilzerkrankung festgestellt, die behandelt werden muss. Alle fünf sind nun in Quarantäne und müssen noch etwa zwei Wochen isoliert bleiben, bis die Behandlung mit einer Tinktur angeschlagen hat. Erst dann können sie vermittelt werden.

Drei schwarze Hundewelpen aus der Ukraine warten derzeit im Tierheim Potsdam auf neue Besitzer. Sie bleiben noch zwei Wochen in Quarantäne.

Drei schwarze Hundewelpen aus der Ukraine warten derzeit im Tierheim Potsdam auf neue Besitzer. Sie bleiben noch zwei Wochen in Quarantäne.

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„Tausende Tiere irren in der Ukraine umher“, sagt Heim-Chefin Schwarze: „Manche hatten das Glück, in einem Heim aufgenommen zu werden.“ Aber auch dort sind sie nicht sicher. Deshalb habe das Heim im Kreis Buchansky bei Kiew in Deutschland um Hilfe gebeten. Dort leben nach Auskunft von Jekaterina Zhykowskaya 120 Hunde und 115 Katzen, die evakuiert werden sollen. Heime in Polen hätten 28 Hunde und zehn Katzen übernommen, schrieb sie am Freitag der MAZ; 20 weitere Hunde seien in Schweden angekommen; eine Reihe von Tieren habe man auch nach Deutschland schicken können. „Wir sind sehr dankbar für das Heim bei Ihnen“, schreibt die Ukrainerin: „Es ist dringend nötig, auch den Rest der Tiere zu retten. Viele Tiere tauchen jetzt auf den Straßen auf, und wir können ihnen nicht helfen, weil kein Platz für sie da ist.“

Potsdamer Verein plant zweite Aktion

Nach dem ersten Hilfstransport erwägt der Tierschutzverein nun also einen zweiten, kann ihn aber erst planen, wenn er genügend Geld dafür gesammelt hat. Rund 1000 Euro kostet die Aktion. Wer helfen möchte, melde sich beim Verein, der seinen Sitz auf dem so genannten Sago-Gelände an der Michendorfer Chaussee hat.

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Die drei Welpen Anton, Anur und Aktar sowie die erwachsenen, aber auch noch jungen Hunde Emil und Gerda warten dort auf neue Besitzer. Alle Tiere haben einen internationalen Impfpass der Ukraine, sind geimpft und gechippt. Aber in Deutschland händigt man ihnen einen EU-Impfpass aus.

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Katzenhaus im Tierheim von Buchansky bei Kiew.

Katzenhaus im Tierheim von Buchansky bei Kiew.

Hein sieht einen wachsenden Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten nicht nur wegen künftiger Rettungsaktionen, sondern auch, weil zahlreiche ukrainische Flüchtlinge, die mit ihren Tieren in Hotels und Pensionen leben, dort wieder weg müssen und in Sammelunterkünften aufgenommen werden. Dort ist in den großen Räumen mit vielen Menschen und provisorischen Stoffabtrennungen keine Möglichkeit, Tiere zu halten, die umherlaufen wollen, bellen, miauen, Tiertoiletten brauchen. „Diese Tiere müssen dann in Heime, bis die Menschen etwas Anderes finden.“

Der Tierschutzverein Potsdam arbeitet auf dem Sago-Gelände n der Michendorfer Chaussee.

Der Tierschutzverein Potsdam arbeitet auf dem Sago-Gelände n der Michendorfer Chaussee.

Derzeit leben im Potsdamer Heim zehn Hunde, darunter die aus der Ukraine, dazu acht Katzen, fünf Kaninchen und Hamster „Bingo“, der aber demnächst ein neues Zuhause findet. Alle Tiere kommen nach Auskunft von Hein in eine zehntägige Quarantäne, werden ärztlich untersucht und bei Bedarf behandelt. Am Tag der offenen Tür am 30. April kann man sich vor Ort ein Bild machen von den Tieren und der Arbeit des Vereins, der nach dem ersten ausgebauten Haus auch ein zweites in die Sanierungsplanung nimmt.

Das Tierheim von Buchansky bei Kiew.

Das Tierheim von Buchansky bei Kiew.

Bis zu 20 Hunde darf das Heim aufnehmen; wie viele das sein können, hängt Heim zufolge aber davon ab, wie groß die Hunde sind und ob sie alleine untergebracht werden müssen oder zusammenleben können.

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Von Rainer Schüler

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