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Potsdam

Oberlin-Prozess: Täterin verzichtet nach Rücksprache mit Anwalt auf Revision

 Wegen Mordes an vier Schwerstbehinderten im evangelischen Oberlinhaus und weiterer Straftaten wurde die 52-jährige Täterin zu 15 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. 

 Wegen Mordes an vier Schwerstbehinderten im evangelischen Oberlinhaus und weiterer Straftaten wurde die 52-jährige Täterin zu 15 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. 

Potsdam.Die wegen Mordes an vier schwerstbehinderten Menschen im evangelischen Oberlinhaus verurteilte ehemalige Pflegekraft will das Urteil offenbar akzeptieren. „Wir gehen nicht in Revision“, sagte Rechtsanwalt Henry Timm am Dienstag in Potsdam – einen Tag vor Ablauf der Frist binnen der es möglich ist, Revision zu beantragen. Zuerst hatte der Evangelische Pressedienst (epd) berichtet.

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Seine Mandantin wolle den Angehörigen eine Wiederholung der Gerichtsverhandlung nicht zumuten – und sich selbst auch nicht, sagt Henry Timm der MAZ. Er habe sich seit der Urteilsverkündung am 22. Dezember mehrmals mit ihr beraten und auch Rücksprache mit ihren Angehörigen gehalten. „Ich habe ihr alle Optionen offengelegt“, so Timm. „Die Entscheidung muss sie selbst treffen und das hat sie auch getan.“

15 Jahre Freiheitsstrafe

Das Landgericht Potsdam hatte die 52-jährige Pflegehilfskraft am 22. Dezember 2021 wegen vierfachen Mordes und wegen Mordversuchs in drei Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und schwerer Misshandlung Schutzbefohlener schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt; das Gericht ordnete zudem die Unterbringung in einer psychiatrische Fachklinik an. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Pflegerin zum Tatzeitpunkt erheblich vermindert schuldfähig war und sah daher von einer lebenslangen Freiheitsstrafe ab; die verhängte Freiheitsstrafe ist in diesem Fall die mögliche Höchststrafe.

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Gericht folgte Anträgen der Staatsanwaltschaft

Die Bluttat hatte sich am Abend des 28. April im zum Oberlinhaus gehörenden Thusnelda-von-Saldern-Haus ereignet und bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die Pflegerin hatte fünf ihr anvertraute wehrlose Personen mit einem Messer angegriffen. Zwei Frauen (31 und 42) und zwei Männer (35 und 56) verbluteten in ihren Betten, eine Frau (43) überlebte den Angriff Dank einer Notoperation.

Wie sich im Verfahren herausstellte, leidet die Verurteilte seit ihrer Kindheit unter psychischen Problemen und hegt seit vielen Jahren Gewalt- und Tötungsfantasien. Die Gerichtspsychiaterin attestiert ihr eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Sie sei nur begrenzt in der Lage, auf Belastung zu reagieren, und könne sich von Affekten nicht angemessen entlasten. Extreme Gefühlsschwankungen und Impulsdurchbrüche gehören zum Krankheitsbild wie ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte Selbstfürsorge.

Mit dem Strafmaß folgte das Gericht weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Auch der Verteidiger hatte eine Unterbringung seiner Mandantin in der Psychiatrie beantragt. Timm wollte allerdings beweisen, dass seine Mandantin zum Tatzeitpunkt vollkommen schuldunfähig war. Er macht dafür eine chronifizierte komplexe posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) geltend, scheiterte vor Gericht allerdings mit dem Antrag, die Angeklagte von einem PTBS-Spezialisten begutachten zu lassen – für ihn sei das noch immer eine ausreichender Revisionsgrund, so Timm.

Arbeitsgericht entscheidet über Kündigung

Schon bald wird der Fall Oberlin erneut ein Gericht beschäftigen – und zwar das Arbeitsgericht Potsdam. Am 1. Februar 2022 wird dort zum wiederholten Mal die Kündigungschutzklage der Pflegerin aufgerufen. Das Oberlinhaus hält an der unmittelbar nach der Bluttat ausgesprochenen fristlosen Kündigung fest und hat diese laut Timm direkt nach dem Urteil erneut überstellt. Die Pflegerin, die mehr als 30 Jahre für das Oberlinhaus tätig war, wehrt sich weiterhin gegen die fristlose Kündigung. Ihr Anwalt hat inzwischen aber beantragt, die Kündigung zum 31. Dezember 2021 gegen die Zahlung einer Abfindung „nicht unter 44.182,65 Euro“ zu ermöglichen – die genaue Höhe stelle er in Ermessen des Gerichts.

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Von Nadine Fabian/RND

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