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1 Jahr nach Vierfachmord

Oberlinhaus Potsdam: Vorstand Fichtmüller will Verbesserungen für Behinderte

Matthias Fichtmüller ist Theologischer Vorstand des Oberlinhauses in Potsdam.

Matthias Fichtmüller ist Theologischer Vorstand des Oberlinhauses in Potsdam.

Potsdam. Zum ersten Jahrestag der Morde an vier Schwerstbehinderten im Potsdamer Oberlinhaus hat Matthias Fichtmüller Verbesserungen in der Behindertenhilfe gefordert. "Die Rahmenbedingungen und Bedürfnisse der Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderung brauchen eine Aufmerksamkeit und eine Verbesserung", sagte der theologische Vorstand des evangelischen Sozialunternehmens in Potsdam. Gleiches gelte für die Rahmenbedingungen der Beschäftigten in der Eingliederungshilfe.

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Die Gesellschaft, aber auch jeder einzelne Mensch könne dazu beitragen, die Lage von Menschen mit schweren Behinderungen zu verbessern, sagte Fichtmüller. Es müsse dabei auch die Frage gestellt werden, was der Gesellschaft eine gute Pflege wert sei. „Das ist keine abstrakte Frage“, sagte der Theologe: „Spätestens beim Bemessungssatz für die Pflegeversicherung ist die Beantwortung dieser Frage bei jedem und jeder Einzelnen angekommen.“

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Vom Oberlinhaus Potsdam eingesetzte Expertenkommission soll Verbesserungsvorschläge erarbeiten

Die zu Jahresbeginn vom Oberlinhaus eingesetzte Expertenkommission solle Verbesserungsideen für die Eingliederungshilfe für Behinderte und auch für Ausbildungen in der Behindertenhilfe entwickeln, sagte Fichtmüller: "Dabei liegt die Prämisse auf Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Menschen mit Behinderungen." Die Expertengruppe setze sich aus Vertretern von Verbänden, Trägern, Wissenschaft, Lehre und Recht zusammen, sagte der Oberlinhaus-Vorstand: "Erste Zwischenergebnisse planen wir, im Spätherbst dieses Jahres kommunizieren zu können."

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Die Geschehnisse im Oberlinhaus vor einem Jahr hätten „ein Brennglas auf die Rahmenbedingungen von Teilhabeleistungen und Bedarfen von Menschen in besonderen Wohnformen in ganz Deutschland gelegt“, sagte Fichtmüller: „Wenn es eine Lehre aus den Ereignissen des gesamten letzten Jahres gibt, dann diese, dass wir berichten müssen, wie die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Eingliederungshilfe sind.“

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Am 28. April vor einem Jahr waren in einer Wohneinrichtung im diakonischen Potsdamer Oberlinhaus vier Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen von einer Pflegekraft getötet worden. Die Frau wurde Ende 2021 wegen Mordes verurteilt und wegen einer schweren Persönlichkeitsstörung in die Psychiatrie eingewiesen.

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Vor dem Landgericht Potsdam wurde der Pflegerin Ines R. (52) der Prozess gemacht. Ihr wurde vorgeworfen, am 28. April 2021 vier schwerstbehinderte Menschen getötet und eine weitere Person schwer verletz zu haben.

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Im Oberlinhaus hätten inzwischen Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende in ihren Alltag zurückgefunden, sagte Fichtmüller. Es gebe weiter unter anderem Seelsorge- und Gesprächsangebote. An die Toten solle künftig mit vier Glasstelen erinnert werden.

Das Oberlinhaus selbst soll ein „offener Ort der Begegnung“ bleiben, so Fichtmüller weiter: „Integration und das Zusammenleben mit Menschen mit Behinderungen gehörten hier immer schon zum Alltag.“ Er habe aber auch die Erkenntnis gewonnen: „Absolute Sicherheiten kann niemand geben. Kein Konzept, keine Intervention und auch keine Prophylaxe kann solch eine Tat verhindern.“

Von MAZonline/epd

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