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Überfall auf Villa am Jungfernsee

Opfer-Anwältin hält emotionales Plädoyer

John R. – einer der vier Angeklagten – wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

John R. – einer der vier Angeklagten – wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

Potsdam.Starker, tiefgehender Auftritt der Familie, die in einer Julinacht im Jahr 2017 in ihrem Zuhause am Jungfernsee überfallen worden ist: Für das Plädoyer ihrer Anwältin sind am Montagnachmittag nicht nur die beiden als Nebenkläger auftretenden Eheleute vor Gericht erschienen, auch die zwei ältesten Kinder stellten sich noch einmal den Männern, die so viel Unheil über die Familie gebracht haben.

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Keine Nachsicht für den Angeklagten, der den Überfall geplant hat

"Warum ausgerechnet wir – und warum so brutal?" Das habe sich die Familie immer wieder gefragt, so die Anwältin. Die Familie habe sich sehr viele Gedanken darüber gemacht und sie gebeten, diese als Schlussvortrag mitzuteilen – Gefühle, Wünsche und Hoffnungen statt Paragrafen. Was auffällt: Die Betroffenen rechnen es den Haupttätern John R. und Jorge H. hoch an, dass sie ein umfassendes Geständnis abgelegt und persönlich und reuig um Entschuldigung gebeten haben. Keinerlei Nachsicht findet die Familie hingegen für Florian G., der die Idee für den Überfall hatte, das Haus tagelang ausspionierte und schließlich Jorge H. und John R. anheuerte. Er habe den beiden verschwiegen, dass eine Familie mit drei Kindern in dem Haus wohnt, so die Anwältin: "Eine linke Masche." Florian G.s Verhalten im Gericht habe den Eindruck noch verstärkt: Er habe sich in der zweiten Reihe versteckt und alle Verantwortung von sich gewiesen.

Die Opfer sehen die Menschen hinter den Tätern

Kurz vor Prozessende wurde nun noch einmal klar: Der Überfall hat die Familie erschüttert, Eltern und Kinder seelisch tief verletzt. Es werde noch lange dauern, das Erlebte – diese "Augenblicke des Grauens" – zu bewältigen, so die Anwältin. "Man fühlt sich nicht mehr sicher, hat eine Art Grundvertrauen verloren." Dennoch sehe die Familie die Menschen hinter den Tätern, ihr Schicksal, ihre Sorgen – diese könnten vielleicht erklären, weshalb es zu dem Überfall gekommen ist, sie könnten ihn aber nicht rechtfertigen oder das Geschehene aufwiegen.

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Keine Frage: Mutter, Vater und Kinder hatten Angst vor diesem Prozess, vor dem Moment, den Tätern noch einmal gegenüber zu treten, ihnen in die Augen zu schauen, ihre Stimmen zu hören. Die Konfrontation habe aber ein Gefühl der Erleichterung gebracht, lässt die Familie ausrichten. Das andere, das entspannte Gesicht der Täter zu sehen – nicht das von Wut und Habgier verzerrte jener Nacht – habe allen ein Stückchen weiter geholfen.

Die Familie wünscht sich ein „angemessenes, gerechtes Urteil“

Die Familie hoffe nun, dass der Prozess auch Jorge H. und John R. geholfen hat – dabei, sich mit der Tat auseinanderzusetzen und zu lernen, Empathie für andere Menschen zu empfinden. Man hoffe, dass sie sich eines Tages selbst verzeihen können. Das nämlich sei die Voraussetzung dafür, dass ihr Leben irgendwann in geordneten Bahnen weitergehen kann – ein erfüllendes Leben könne verhindern, dass die Angeklagten noch einmal zu Tätern werden. Man wünsche sich „ein angemessenes, gerechtes Urteil“. Das Strafmaß stellte die Familie in das Ermessen des Gerichts.

Das tun auch die Verteidiger von John R.: Er sei kein böser Mensch, keiner, der möglichst lange weggesperrt werden müsse, um die Gesellschaft vor ihm zu schützen. Er habe damals nicht geahnt, was passieren würde, habe nicht gewusst, was geplant war. Er habe zwar „die meiste physische Gewalt angewendet“, sei damit aber nicht vertraut und in eine „angstbedingte Aggression“ verfallen, weil er überrascht davon war, dass eine Frau und Kinder im Hause waren – er sei „massiv überfordert“ gewesen. Harter Alkohol und Cannabis hätten ihr übriges getan.

Die Plädoyers sollen am 27. März und am 16. April fortgesetzt werden, das Urteil soll am 26. April fallen.

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Das fordert der Staatsanwalt für die Angeklagten

John R. ist 26 Jahre alt und in Havanna (Kuba) geboren. Er ist Vater zweier Kinder, arbeitslos und sitzt seit 26. Juli 2017 in Untersuchungshaft in Cottbus-Dissenchen. Der Staatsanwalt hat für ihn eine Freiheitsstrafe von neun Jahren gefordert.

Jorge H. ist 23 Jahre alt und ebenfalls in Havanna geboren. Jorge H. sitzt in U-Haft in Wriezen. Er muss sich auch wegen einer ähnlichen Tat verantworten: Ende 2013 soll er mit zwei gesondert Verfolgten in eine Villa in Wandlitz eingebrochen sein und dort Beute im Wert von 300 000 Euro gemacht haben. Der Staatsanwalt hat für ihn neuneinhalb Jahre gefordert. Die Vertreterin der damals Bestohlenen fordert für die Tat in Wandlitz eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Zudem sollen 5000 Euro eingezogen und der Schaden von damals wieder gut gemacht werden.

Florian G. ist 32 und auf freiem Fuß. Er hat das Fluchtauto gestellt und die Idee zum Überfall gehabt. Der Staatsanwalt hat wegen Beihilfe drei Jahre gefordert.

Nico N. ist 25 und auch auf freiem Fuß. Er hat noch am Tatort erklärt, nicht mitzumachen. Der Staatsanwalt hat einen Freispruch gefordert. nf

Von Nadine Fabian

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