Hilfsaktion der MAZ

Obdachlos im Winter: Streetworker bitten um Spenden für Zelte, Isomatten und Lebensmittel

Jessica Platz kümmert sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen von Creso um die obdachlosen Menschen in Potsdam.

Jessica Platz kümmert sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen von Creso um die obdachlosen Menschen in Potsdam.

Potsdam. Sie sind unterwegs auf den Straßen Potsdams – und helfen, wo sie helfen können: die Streetworker der „Creative Sozialarbeit gGmbH“, kurz Creso. Besonders intensiv kümmern sie sich um die obdachlosen Menschen dieser Stadt, gerade jetzt im Winter. Doch die Krisen-Zeit ist auch für die Helfenden hart, die Spendenkasse ist leer. Deswegen bittet Creso-Chefin und Streetworkerin Jessica Platz um Hilfe.

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Frau Platz, draußen sind keine fünf Grad, in den nächsten Nächten soll es frieren, am Wochenende womöglich schneien. Wie viele Menschen in Potsdam verbringen diese Zeit auf der Straße?

Jessica Platz: Dazu gibt es keine validen Zahlen. Wir sind in Potsdam nicht das einzige Projekt, das sich um obdachlose Menschen kümmert und haben entsprechend nicht den Überblick über alles. Hinzu kommt, dass die Zahl derer, die auf der Straße leben, von Tag zu Tag schwankt, weil es eine große Wanderbewegung aus Berlin gibt. Fakt ist aber, dass niemand in Potsdam im Winter auf der Straße leben muss. Es gibt die Winternothilfe, die Stadt mietet Pensionen an, um genügend warme Schlafplätze bereitzustellen. Aber manche Menschen möchten einfach nicht in eine Unterkunft, können es nicht mehr. Die leben schon so lange auf der Straße, dass sie eine Art Klaustrophobie in geschlossenen Räumen entwickelt haben, sich dort einfach nicht mehr wohlfühlen. Und sie dürfen auch auf der Straße sein. Das ist uns wichtig: Die Menschen entscheiden selbst, was sie möchten und was sie nicht möchten.

Aktueller Spendenstand: 12.575 Euro

Mit der Sterntaler-Weihnachtsaktion sammelt die MAZ Spenden für Familien und Alleinerziehende, für Ältere und Kranke, für Geflüchtete – kurzum für Menschen aus Potsdam und dem Umland, die es schwer haben und denen wir eine Freude zu Weihnachten machen wollen.

Das Spendenkonto wächst! Wir bedanken uns bei Maren Splettstößer 1100 Euro, Manfred Bockisch 200 Euro, Brigitte Nentwig-Hunze 100 Euro, Claudia Krause 200 Euro, Günther Schobert 150 Euro, Jan Bosschaart 100 Euro, Sabine Redlin 50 Euro, PST GmbH 2000 Euro, Marina Degener 100 Euro, Eva Meyer-Flittiger 50 Euro, Erich Haller 25 Euro, Birgitta Neumann 50 Euro, Ines Mayer 100 Euro, Monika Müller 50 Euro, Ingenieurbüro STB 1000 Euro, Ingeborg Mattern 50 Euro, Christa Schlenker 50 Euro.

Einige Spender wollen anonym bleiben. Bei ihnen bedanken wir uns für 200 Euro, 100 Euro, 20 Euro, 100 Euro, 200 Euro, 100 Euro, 100 Euro und 250 Euro.

 

Das Spendenkonto wird von der Hoffbauer-Stiftung treuhänderisch verwaltet, die Spenden verteilt die MAZ. Bitte geben Sie als Verwendungszweck an: MAZ-Sterntaler.

Die Bankverbindung: Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank, IBAN: DE74 3506 0190 0000 0056 57, BIC: GENODED1DKD.

Spendenbescheinigungen werden Anfang 2023 für Beträge über 300 Euro durch die Stiftung ausgestellt. Die MAZ verweist in den Aufrufen zur Spende darauf, dass Spendenbescheinigungen nur ausgestellt werden können, wenn im Verwendungszweck der Überweisung der Vorname, der Name (bzw. Firma) und die vollständige postalische Adresse der Spender angegeben werden. Die Stiftung stellt keine Nachforschungen an, wenn diese Angaben fehlen.

Spendernamen werden veröffentlicht. Wer dies nicht möchte, weist bitte im Verwendungszweck darauf hin. Zudem bieten wir die Möglichkeit der Barspende. Die Spendendosen finden Sie im MAZ Media Store in der Friedrich-Ebert-Straße 85/86, bei Gudes in der Gutenbergstraße 16, am Glögg-Stand auf dem Weihnachtsmarkt vor Butter Lindner sowie im Fanshop und im Vip-Raum des SV Babelsberg 03.

12.575 Euro sind bereits auf dem Konto eingegangen. Schaffen wir es, über das Wochenende die 15.000-Euro-Marke zu knacken? Jeder Cent zählt – bitte, spenden auch Sie.

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Wie viele dieser Menschen betreuen Sie derzeit?

Wir betreuen aktuell vielleicht vier oder fünf Menschen, die sagen, nein, ich möchte auch im Winter in keine Unterkunft. Wir fangen schon im Oktober an, die Leute darüber zu informieren, dass am 1. November die Winternothilfe startet. Und die meisten nehmen die Unterkunft auch in Anspruch, aber eben nicht alle.

Warum wird ein Mensch obachlos?

Was können Sie uns über die Menschen erzählen, die das nicht tun und weiter draußen leben? Wer sind sie?

Man versucht ja immer ein Muster zu erkennen, zu verstehen, was passieren muss, damit ein Mensch obdachlos wird. Jeder unserer Klienten ist individuell, aber trotzdem gibt es gewisse Gemeinsamkeiten. Viele haben ihr soziales Umfeld verloren, haben keine Freunde, keine Familie, weil die Angehörigen gestorben sind oder weit weg wohnen. Die meisten haben außerdem schwere Schicksalsschläge erlebt, haben vielleicht Frau und Kind bei einem Autounfall verloren. Manche haben eine Scheidung hinter sich, die sie nicht verkraften, weil ihnen das soziale Gefüge fehlt, das sie auffängt. Wenn man dann allein in dieser Situation ist, fängt sich irgendwann an die Spirale zu drehen, aus der man nur schwer wieder rauskommt. Viele konsumieren Suchtmittel, vor allem Alkohol, aber nicht nur. Dann verliert man irgendwann den Job, kriegt kein Geld mehr, kann die Miete nicht mehr bezahlen. Man wird nicht von jetzt auf gleich obdachlos, das ist in den meisten Fällen ein langer Weg.

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Wie können wir, die mit Job, Familie und Freunden in der warmen Wohnung sitzen, helfen?

Wenn Sie sich damit wohlfühlen, bieten Sie den Menschen einen Kaffee an, gehen Sie mit ihnen ins Gespräch, fragen Sie, wie es ihnen geht. Man darf nicht vergessen, dass obdachlose Menschen gesellschaftlich isoliert sind, auch wenn sie im öffentlichen Raum präsent sind. Die meisten Leute laufen in der Stadt doch vorbei, gucken gar nicht hin, wollen das Elend nicht sehen. Das ist das eine, was man tun kann. Das andere sind konkrete Materialien, die die Menschen brauchen. Warme Decken, warme Kleidung, Schlafsäcke, dicke Isomatten und Zelte, damit sie zumindest ein bisschen vor Wind und Regen geschützt sind. Und natürlich Lebensmittel, wir verteilen oft Dosen-Mahlzeiten, die sich die Menschen bestenfalls über einem Campingkoche warm machen können. Leider trifft auch uns die Inflation massiv, ein Zelt, das wir vor drei Jahren noch für 50 Euro gekauft haben, kostet uns jetzt vielleicht 80, 90 Euro. Da kommen wir an unsere Grenzen, das Spendenkonto ist leer und wir wissen nicht, wie wir die Menschen mit den notwenigen Materialien versorgen sollen.

Eine große Bitte an alle Potsdamerinnen und Potsdamer

Dabei reden wir doch nur von vier bis fünf Menschen, wenn ich Sie richtig verstanden habe.

Aber auch die mit dem Nötigsten zu versorgen, fällt uns gerade schwer. Sie haben Recht, die meisten obdachlosen Menschen haben aktuell eine feste Unterkunft. Aber am 31. März endet die Winternothilfe, dann müssen EU-Migrantinnen und Migranten aus den Unterkünften ausziehen, weil sie vom Gesetz her keinen Anspruch mehr auf soziale Hilfe haben – zumindest, wenn sie nicht mindestens eine einjährige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nachweisen können. Das heißt: Ab 1. April reden wir nicht mehr von vier bis fünf Menschen auf der Straße, sondern von 40 bis 50 Menschen auf der Straße, die auch im April noch frieren in Nässe und Kälte. Und die unsere Hilfe auch noch in einer anderen Sache dringend brauchen.

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Was meinen Sie?

Viele obdachlose Menschen in Potsdam sind EU-Migranten und viele von ihnen brauchen einen neuen Personalausweis. Dafür müssen sie zu ihrer Botschaft und die lassen sich einen neuen Ausweis gerne mal 150 Euro kosten. Die haben diese Menschen nicht und die haben auch wir nicht.

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Darf ich naiv fragen, warum sie keinen Personalausweis haben?

Das hat sehr unterschiedliche Gründe. Wir haben schon Leute gehabt, die kamen als Saisonarbeiter auf irgendwelche Bauernhöfe nach Deutschland und wurden dann nach drei Monaten wieder entlassen, ohne dass man ihnen die Personalausweise zurückgegeben hat. Die wurden einfach einbehalten. Aber auch das Leben auf der Straße ist nicht einfach, auf der Straße hat man keine Freunde, selbst wenn man in einer Gruppe lebt. Obdachlose Menschen beklauen sich leider auch gegenseitig. Da sind vielleicht gerade zehn Euro im Portemonnaie und dann wird die Geldbörse einfach weggenommen. Der Zehner wird genommen, das Portemonnaie samt Ausweis in den Fluss geworfen. Und den dann zurückzubekommen, das kostet.

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Warum ist der Ausweis auch in dieser Situation so wichtig für die Menschen?

Um eventuell doch wieder eine Arbeit zu finden. Und wenn die Menschen sagen, sie möchten eigentlich wieder zurück nach Polen oder Rumänien, dann ist ihnen das verwehrt, weil sie keinen Ausweis haben. Auch wenn wir uns innerhalb der EU bewegen, muss man das Dokument im Flixbus oder so trotzdem vorzeigen. Ohne sitzen sie hier fest. Sie sehen also: Streetwork oder die Arbeit mit obdachlosen Menschen ist viel mehr ist als warme Getränke zu verteilen. Wir können das aber nicht alles alleine stemmen. Deswegen sind wir auch auf die Hilfe von den Potsdamer Bürgerinnen und Bürgern angewiesen. Seien das nun Spenden oder sogenannte „Meldungen“, dass eine hilfebedürftige Person gesehen wurde. Alles davon ist wertvoll für unsere Arbeit.

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