Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Energie in Potsdam

Potsdamer Christen sparen dank Rabatt kräftig bei den Strompreisen

Der Strom fürs Katholiken-Handy kommt günstiger aus der Steckdose.

Der Strom fürs Katholiken-Handy kommt günstiger aus der Steckdose.

Potsdam. Während allerorten die Energiepreise steigen, erhalten Mitglieder der christlichen Kirchen in Potsdam günstigen Öko-Strom. Dieser Rabatt der Stadtwerke für Christen sorgt derzeit für Aufregung – zuerst hatte die Bild-Zeitung berichtet. Demzufolge zahlen Katholiken in einem speziellen Tarif 25,28 Cent pro Kilowattstunde Strom, Protestanten 29,71 Cent. Neukunden der Stadtwerke müssen dagegen deutlich tiefer in die Tasche greifen, sie zahlen für die Kilowattstunde 39,76 Cent. Auch Gas erhalten die Kirchenmitglieder deutlich vergünstigt, hier liegt der Gläubigen-Preis bei 8,07 Cent, der für alle anderen Kunden dagegen bei 13,24 Cent.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Potsdamer Energieanbieter: Bieten mehr als 100 solcher Gruppenverträge an

Bei den Stadtwerken kann man die Aufregung nicht so recht verstehen. „Wir bieten mehr als hundert solcher Gruppenverträge an“, sagt der Geschäftsführer der Energie und Wasser Potsdam, Eckard Veil. Solche preisgebundenen Tarife haben eine Laufzeit von einem oder zwei Jahren, in denen die niedrigen Preise greifen. „Anschließend entwickeln sich die Preise dann marktüblich.“ Veil sagte, die Preise für den Tarif EWP EchtKircheÖko seien 2020 vereinbart worden. Ende 2022 laufe der Vertrag aus, dann werde neu verhandelt. Ein Sprecher betont, dass auch jüdische und muslimische Gemeinden entsprechende Tarife verhandeln könnten.

Spart der Katholik? Der Rechenweg zeigt es

Neun Prozent der eigenen Einkommenssteuer müssen die Mitglieder an ihre Kirche zahlen, das wäre bei einem ledigen Potsdamer Katholiken mit Steuerklasse 1 und einem Brutto-Einkommen von 2000 Euro rund 15 Euro im Monat, die übrigens ohnehin steuerlich geltend gemacht werden können.

Im Vergleich zum Normaltarif spart derselbe Katholik 14,5 Cent pro Kilowattstunde Strom, er müsste also 217 Kilowattstunden im Monat verbrauchen, um die Ausgaben für die Kirchensteuer auszugleichen.

Der jährliche Stromverbrauch pro Person in Deutschland liegt bei rund 1300 Kilowattstunden, also bei etwas mehr als einhundert im Monat – unter dem Strich spart unser Katholik also gar nicht, weil seine Ausgaben für die Kirche höher sind als der Rabatt beim Strom.

Erst, wenn er die Kirchensteuer dann als Sonderausgaben von der Steuer absetzt, lohnt sich der Rabatt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Die Potsdamer Kirchgemeinden und ihre Mitglieder haben seit 2004 die Möglichkeit, einen ökologischen Strom von unseren Stadtwerken zu beziehen. Hauptanliegen damaliger Verhandlungen war der Wunsch, neben der Ablehnung gefährlicher Atomenergie einen Strom mit möglichst geringer CO2 -Belastung aus regionaler Kraft-Wärme-Kopplung zu beziehen“, schreibt der Kirchenkreis Potsdam auf seiner Homepage. Für jede Kilowattstunde Kirchenstrom zahlten die Stadtwerke 1,5 Cent in einen Umweltfonds ein. „Deutschlandweit einmalig“, so der Kirchenkreis. Martin Vogel, Länderbeauftragte der Evangelischen Kirche, sagt, diese Initiative habe „frühzeitig gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen versucht und gut mit den Stadtwerken kooperiert. Dafür gab es sogar einen Umweltpreis.“

Angebote dieser Art auch bei anderen Energielieferanten üblich

In der Tat sind Rabatte wie dieser nicht ungewöhnlich. Die Stadtwerke bieten etwa mit „Potsdamliebe“ einen preisgebundenen Zweijahres-Tarif für alle an. Auch der Fußballverein SV Babelsberg 03 hat einen Tarif für Mitglieder, sie zahlen rund 30 Cent pro Kilowattstunde – „Ihr spart bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2500 kWh im Jahr mehr als 110 EUR gegenüber der Grundversorgung“, wirbt der Verein.

Die EWP erklärt zu den Vorwürfen: „Grundsätzlich kann jede Institution, jeder Verein oder Verband, jedes Unternehmen mit der EWP eine Kooperations- und/oder Vertriebsvereinbarung schließen“. Und: „Diese Verfahrensweise wird auch von anderen Energielieferanten so angewandt. Der EWP geht es nicht um die Bevorzugung von Glaubensrichtungen. “

Mehr aus Potsdam

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen