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Energiekrise

Höhere Energiepreise in Potsdam: Steigerung um mindestens 63 Prozent ab Januar

70.000 Potsdamer wohnen in den 34.000 Wohnungen der Genossenschaften und der Pro Potsdam – etwa in Drewitz.

70.000 Potsdamer wohnen in den 34.000 Wohnungen der Genossenschaften und der Pro Potsdam – etwa in Drewitz.

Potsdam. Die Betriebskosten für jeden dritten Potsdamer Haushalt steigen ab Januar um mindestens 63 Prozent, die gesamte Warmmiete dadurch um mindestens 18 Prozent. Wenn die bislang auf 2022 begrenzte Gasumlage auch 2023 noch weiter gilt, steigen die Betriebskosten sogar um 86 Prozent und die Warmmiete dadurch um 25 Prozent. Das geht aus Kalkulationen der Pro Potsdam und der großen Wohnungsgenossenschaften hervor, die am Donnerstag bekanntgaben, wie stark die Vorauszahlungen auf Heiz- und Betriebskosten durch die explodierenden Energiepreise angepasst werden müssen.

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In den nächsten Wochen erhalten rund 34. 000 Haushalte der insgesamt neun Potsdamer Wohnungsunternehmen, die im Arbeitskreis Stadtspuren zusammenarbeiten, die Briefe mit den neuen Abschlägen, sowie der Betriebskostenabrechnung 2021. Wer schon vor einigen Monaten einen höheren Abschlag und seine Abrechnung bekommen hat, wird erneut Post bekommen – denn die Kosten sind derart gestiegen, dass die alten Berechnungen überholt sind. Rund 70. 000 Potsdamer leben in den Wohnungen der Genossenschaften und der Pro Potsdam – und sie haben trotz der dramatischen Steigerung der Nebenkosten womöglich mehr Glück, als andere Mieter in Potsdam.

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Preis fürs Heizen für 70.000 Potsdamer bis Ende 2024 gesichert

Denn der Arbeitskreis Stadtspuren hat mit der Energie und Wasser Potsdam (EWP) der Stadtwerke gerade rechtzeitig noch einen neuen Liefervertrag abgeschlossen. „Wir haben im Juli einen festen Preis für 2023 und 2024 verhandelt, der konstant sein wird und besser als der ist, den man auf dem Markt erzielt“, erklärte Stadtspuren-Sprecher Carsten Hagenau. Damit würden Mieter zwei Jahre lang vor den drohenden Preisschwankungen und -steigerungen geschützt. Schon die Turbulenzen bei den Gaspreisen seit Ende 2021 gingen an den Mietern vorbei, „weil wir alle gemeinsam bei der EWP einkaufen“, sagte er.

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Der neue Deal war nach fünftägigen Verhandlungen Anfang Juli geschlossen worden und nur möglich, weil alle neun Geschäftsführungen innerhalb von kürzester Zeit dem Angebot zustimmten. „Wir hatten 25 Minuten Zeit, um uns zu entscheiden“, sagte Bodo Jablonowski, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Karl Marx“. Denn die Preise an den Energiebörsen waren an diesen Tagen im Sommer besonders dynamisch, die Abschaltung der Gas-Pipeline Nord Stream 1 für Wartungsarbeiten stand unmittelbar bevor und das von der EWP vorgelegte Angebot konnte deshalb nicht lange Bestand haben. Der gemeinsame Liefervertrag gilt nur bis 2024, weil alle Preisbindungen darüber hinaus nur zu weitaus schlechteren Konditionen zu haben gewesen wären. „Wir haben auch ein weiteres Jahr besprochen, aber die Preissteigerung wäre so groß gewesen, dass wir vorerst darauf verzichtet haben. Wir wollen auch in unberechenbaren Zeiten für bezahlbaren Wohnraum sorgen“, so Jablonowski.

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Modellrechnung für 60-Quadratmeter-Wohnung

In einer Beispielrechnung erklärte er am Donnerstag, wie sich die dennoch drastisch steigenden Betriebskosten zusammensetzen. Dabei wurde von einer 60 Quadratmeter großen und energetisch modernisierten Plattenbau-Wohnung ausgegangen, wie sie von zehntausenden Potsdamern bewohnt wird. Bislang zahlt ein Mieter rund 2,20 Euro pro Quadratmeter für Betriebskosten, Heizung und Wasser. Nun kommen mindestens 1,38 Euro hinzu – und solange die Gasumlage gilt noch weitere 0,52 Euro pro Quadratmeter und Monat. So werden aus den bisherigen 2,20 Euro plötzlich 4,10 Euro – eine Steigerung um 86 Prozent. Selbst wenn die Nettokaltmiete gleich bleibt, steigt die Warmmiete für die gesamte Beispielwohnung von rund 458 auf 572 Euro um insgesamt 25 Prozent.

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Das Ganze ist allerdings nur eine Beispielrechnung. Was die Mieter tatsächlich für Abschläge bekommen, liegt an vielen Faktoren: Handelt es sich beim Haus um einen unsanierten Altbau? Liegt die Wohnung ungünstig an einer Außenwand? Vor allem aber: Welche Gewohnheiten und welchen Verbrauch haben die Mieter? „Ausschlaggebend ist immer noch das Nutzerverhalten. Wer sich einschränkt, spart“, erklärte Anja Ronneburg, Vorstand der WBG 1903.

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Es gibt auch schon Anfragen von Mietern und Genossenschafts-Mitgliedern, ob die Heiztemperaturen nicht zentral herabgesetzt werden können, damit Energie und Geld gespart wird. Das lehnen alle Unternehmen ab: „Wir optimieren lieber die Heizungsanlagen anstelle pauschal Temperaturlimits auszugeben“, sagt Jablonowski.

Potsdamer Genossenschaften müssen auch um eigene Liquidität fürchten

Doch nicht nur auf die Mieter, auch auf die Wohnungsunternehmen selbst kommen immense Kostensteigerungen zu, die ihre eigene Liquidität gefährden. Denn wenn sie Betriebskosten an Mieter durchreichen, müssen sie die Abschlagsrechnungen an die Energieversorger vorab bezahlen. Hinzu kommen andere Kostensteigerungen beim Lohn oder durch die Inflation.

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„Wir werden das schultern müssen, aber die Zahlungsfähigkeit ist für alle unsere Unternehmen gewährleistet“, so Jablonowski. Doch um die Liquidität zu sichern, stehen nun Neubau- und Sanierungsprojekte auf dem Prüfstand. „Hier werden wir mehr Förderdarlehen einsetzen müssen und KfW-Programme ausnutzen“, sagt der Genossenschaftschef. Bei der Instandhaltung müsse man „sehr diszipliniert“ sein und fixe Preise mit Firmen verhandeln. Das sei trotz überall steigender Kosten realistisch: „Wir sind ein stabiler Auftraggeber“, das würden Handwerksfirmen schätzen. Die Vorstände der Genossenschaften verbreiten bei allen Gerüchten um weitere Kostenexplosionen vor allem Optimismus: „Egal wie es läuft, wir werden die ordnungsgemäße Bewirtschaftung unserer Bestände sichern können.“

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