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Lehrstätte für Rabbiner stellt sich der Kritik

Nach Skandal um Übergriffe: Geiger-Kolleg Potsdam wird intern umgebaut

Gabriele Thöne, Interims-Direktorin des Abraham Geiger Kolleg und Staatssekretärin a.D., in der Pressekonferenz in Potsdam. +++

Gabriele Thöne, Interims-Direktorin des Abraham Geiger Kolleg und Staatssekretärin a.D., in der Pressekonferenz in Potsdam. +++

Potsdam. Nach den Vorwürfen zu sexualisierten Übergriffen und möglichem Machtmissbrauch versucht das Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam nun den geforderten Neuanfang. Interims-Direktorin Gabriele Thöne hat am Mittwoch in Potsdam eine Neustrukturierung angekündigt. Sie will weiteren Vorwürfen nachgehen.

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Thöne geht vier weiteren Vorwurfsfällen am Geiger-Kolleg in Potsdam nach

Thöne ist seit eineinhalb Wochen im Amt. Die ehemalige Staatssekretärin übernahm es von Walter Homolka, der im Zuge der jüngsten Skandale seine Ämter ruhen lässt. Sie habe „die Handlungsvollmacht“ betonte sie ihre Unabhängigkeit von Homolka und der bisherigen Kolleg-Leitung. Wie die künftige Struktur aussehen wird und ob es weitere personelle Konsequenzen gibt, ließ sie zunächst offen.

Thöne sprach zudem von weiteren Fällen. Ihr seien bislang noch vier Vorgänge aufgefallen, denen sie nachgehen will – es gehe dabei um möglichen Machtmissbrauch, sagte sie in einer Pressekonferenz.

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Geiger-Studierende fordern Austausch der Führungsriege

Öffentliche Forderungen stellen jetzt auch die Kolleg-Studierenden auf. Aus ihrer Sicht müsse die gesamte Führungsriege des Rabbinerseminars ausgetauscht werden. In einem offenen Brief beklagen sie ein „toxisches Umfeld“ und Machtmissbrauch, „unter dem einige von uns in extremem Maße gelitten haben“, berichtet die kirchliche Nachrichtenagentur epd. Mitarbeiter des Kollegs, die behaupteten, nicht gewusst zu haben, was im Kolleg vor sich ging, „lügen entweder mit dem Ziel der Vertuschung der Vorfälle oder sind Teil dieses toxischen Systems und versuchen, es zu schützen“, heißt es weiter.

Rabbiner Walter Homolka.

Rabbiner Walter Homolka.

Anfang Mai waren schwere Vorwürfe öffentlich geworden. Demnach wurde mindestens ein Studierender von einem Mitarbeiter sexuell oder pornografisch belästigt. Später wurden weitere Vorwürfe bekannt. Damit verbunden war die Kritik an der mangelhaften Aufklärung der Vorwürfe – dies richtete sich vor allem an den Gründer und Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, den Rabbiner Walter Homolka. Er ließ auf die Veröffentlichung hin alle Ämter ruhen. Später zog er sich auch als Gesellschafter der Leo-Baeck-Stiftung zurück.

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Bereits im Frühjahr hatte die Universität Potsdam, zu der das Kolleg und auch die School of Jewish Theology gehören, eine Untersuchungskommission eingesetzt. Sie soll bis August ihre Erkenntnisse zusammentragen.

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Zentralrat der Juden erwartet Neuaufstellung in Potsdam

Eine Aufklärung der Themen fordert auch der Zentralrat der Juden in Deutschland vehement. Er hatte die Vorwürfe als tiefgreifend bezeichnet und selbst eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, die ein Gutachten mit Handlungsempfehlungen erarbeiten soll. Zuletzt hatte der Zentralrat die jüngsten Schritte in den Potsdamer Einrichtungen als zu schwach bewertet und eine deutlichere Neuaufstellung gefordert.

Das Abraham-Geiger-Kolleg wird inzwischen von der früheren Staatssekretärin Gabriele Thöne als Interims-Direktorin geleitet. An der School of Jewish Theology wiederum hatte der geschäftsführende Direktor, Daniel Krochmalnik, jüngst seinen Rücktritt erklärt.

Von Ildiko Röd und Alexander Engels

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