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Spenden-Aktion

Hilfe für die Familie: Potsdamer Freunde sammeln für Beisetzung eines Rettungssanitäters

Der Potsdamer Notfallsanitäter Christoph Gadow ist tot. Freunde haben eine Spendenkampagne für die Familie gestartet.

Der Potsdamer Notfallsanitäter Christoph Gadow ist tot. Freunde haben eine Spendenkampagne für die Familie gestartet.

Potsdam. Diesen Retter konnte keiner retten: Der Tod des Potsdamer Notfallsanitäters Christoph Gadow (35) zieht eine ungewöhnliche Spendenaktion nach sich. Freunde haben um Hilfe für seine Beisetzung und die hinterbliebene Familie gebeten und 5000 Euro als Ziel ihrer Kampagne fixiert. Bereits nach wenigen Tagen waren mehr als 16.000 Euro eingegangen. "Chris" Gadow war offenbar für viele Menschen sehr wichtig.

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„Für so viele ist am Wochenende die Welt stehen geblieben“, schreibt Reni Teschke auf „gofundme“: Christoph habe für sich am 4. Juni 2022 „keinen anderen Ausweg gesehen und sein Leben beendet. Der Schock, die Trauer aber vor allem die Hilflosigkeit sind für alle unfassbar groß“.

Wer war Christoph Gadow?

1988 wurde er in Potsdam geboren; er ist dort aufgewachsen und lebte bis zuletzt hier. Einigen Potsdamern, gerade den Eltern, dürfte die im Juni 2021 eingestellte Website www.kab-potsdam.de ein Begriff sein. Die hatte Chris 2014 ins Leben gerufen, um Eltern den schnellen Zugriff für den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst zu ermöglichen. Er betrieb sie auf eigene Kosten und konnte den Aufwand schließlich nicht mehr tragen. Am 29. Juni 2013 war Chris eines der drei Gründungsmitglieder der Tierrettung Potsdam; die anderen beiden: Michael Breuer und Reni Teschke.

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Frau und zwei Kinder hinterlassen

„Chris war bis zuletzt Notfallsanitäter mit Leib und Seele“, schreibt Teschke. „Zu helfen, beruflich sowie privat, das war seine Passion. Sein Tod lässt vor allem seine Mutter, seine Frau Gina und ihre beiden gemeinsamen Söhne (2 und 7 Jahre alt) hilflos zurück.“

Reni Teschke bittet um Unterstützung für die kleine Familie: „Es wird noch soviel Unerwartetes auf sie zukommen.“ Alles, was über die Finanzierung der Beisetzung hinaus gesammelt wird, komme seiner Frau und den beiden Kindern zugute.

„Chris, auch wenn du kein Mann warst, der viel Aufhebens um seine Person gemacht hat, schicke ich dich und deine Geschichte jetzt einmal um die Welt in der Hoffnung, soviel Unterstützung wie möglich zu erhalten“, schreibt Teschke. Die Spenden schwanken zwischen 5 und 1000 Euro. 534 Spender hatten sich bis Sonntagnachmittag beteiligt; die größte Spende kam anonym und vermutlich von einer Personengruppe.

Erschütterte Weggefährten

„Ich kann es immer noch nicht fassen. Mach es gut, mein Freund!“, schreibt Spender Lukasz Kaiser: „Wir sehen uns wieder! Du hinterlässt eine riesen Lücke!“ Aufrichtige Anteilnahme kommt vom Helios Community Discard, „in der wir Chris auch als fröhlichen, freundlichen und sympathischen Menschen kennen lernen durften“, schreibt Tom Kahle: „Unfassbar!“

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„Du wirst uns allen sehr fehlen“, kommentiert Björn Schulz. „Machs gut, mein Freund!“ Und Benjamin Schober fügt hinzu: „Du warst mehr als nur ein Kollege, eine Bereicherung für uns alle, unbezahlbar und immer in meinem Herzen.“

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Als Christoph Gadow die Tierrettung Potsdam mit begründete, hieß er noch Wolf. Seinen Berufsweg begann er 2007/08 als Sanitätssoldat bei der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums. 2011/12 arbeitete er bei der Rettungsdienst GmbH Potsdam-Mittelmark, bis 2018 dann bei der Rettungsdienst Havelland GmbH in Falkensee. Er wechselte zum Promedia Rettungsdienst Potsdam-Mittelmark und nach zwei Jahren zum Rettungsdienst des Landkreises Havelland. Zuletzt war er Ausbilder an der NAW-Rettungsdienstschule Berlin, einem der modernsten Zentren für notfallmedizinische Aus- und Weiterbildung in Deutschland.

Klinikchefs im Havelland kondolieren

„Wir haben als Geschäftsführer der Rettungsdienst Havelland GmbH mit großer Bestürzung die Nachricht vom Tod unseres langjährigen Mitarbeiters aufgenommen“, schrieben Matthias Rehder und Petra Wilke am Mittwoch der MAZ: „Unsere Gedanken sind bei der Familie, die der Kollege hinterlässt. Die Mitarbeiter der RHG müssen den Verlust eines guten und engagierten Kollegen verkraften. Mit Respekt und Rücksicht auf den Trauerfall gedenken wir des so plötzlich verstorbenen Kollegen.“

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Gadow war offenbar nicht körperlich krank, doch gehen seine Freunde davon aus, dass er psychische Probleme hatte, über die er nicht sprach. „Psychische Erkrankungen gibt es viele“, sagte Teschke der MAZ: „Die Familie mahnt: Achtet auf Eure Lieben! Holt Euch Hilfe!“

Suizidgedanken? Holen Sie sich Hilfe!

Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern: Diese Telefon-Hotline ist kostenfrei und 24 Stunden am Tag zu erreichen: 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 0800 - 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche).

Per Email oder Chat: unter www.telefonseelsorge.de.

Christoph Gadow sei ein „unfassbar hilfsbereiter Mensch“ gewesen und ein „großartiger, liebevoller Familienvater, der viel mit seinen Kindern gemacht hat“, berichtet Reni Teschke. Der Computer-Freak habe überall geholfen, aber nie ein Aufhebens davon gemacht. „Er war nicht quirlig. Er war besonnen.“

Von Rainer Schüler

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