Kultur

„Step across the border“ im Freiland: Veranstalter Emil Bernhardt über Kunst, Musik und Vernetzung

Emil Bernhardt

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Potsdam. Emil Bernhardt sieht sich selbst als Vernetzer, jemand der Menschen zusammenbringen kann. Deshalb veranstaltet er am 26. Mai im freiLand ein Fest, das genau das zum Ziel hat: Menschen zusammenzubringen.

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Ein schlechter Kapitalist

Die meisten Menschen antworten, wenn man sie fragt, woher sie kommen, mit einem Land, einer Region oder einer Stadt. Wenn man Emil Bernhardt diese Frage stellt, dann schaut er kurz verträumt gen Decke, überlegt und beginnt zu erzählen.

Er ist Cellist, Sozialarbeiter, Student, Schauspieler und vielleicht auch Anarchist. Auf jeden Fall wäre er ein schlechter Kapitalist, da ist er sich sicher. Aber sonst tut er sich schwer mit solchen Zuordnungen.

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Vertrauen aufbauen, verletzlich sein

Das Wort „Herkunft“, das merkt man schnell, hat für ihn wenig mit seinem Geburtsort zu tun. Dass er vor 27 Jahren in Berlin geboren wurde und seit über zwanzig Jahren in Potsdam wohnt, verschluckt er fast.

Viel wichtiger ist, wie er selbst sagt, dass er aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt kommt und neben drei Geschwistern von seiner alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde. Als Emil sieben Jahre alt war, zeigte seine Mutter ihm das Cello.

„Für mich war das wirklich ein großes Geschenk. Ich konnte immer, wenn mir die Worte gefehlt haben, mich mit Musik ausdrücken. Das ist sowieso viel ehrlicher“, erklärt Emil.

Er lernte an der Johann Sebastian Bach Musikschule in Potsdam die klassische Art, das Cello zu spielen. Mit 16 Jahren allerdings wendet er sich gezwungenermaßen, aufgrund eines Gehirntumors von der klassischen Art ab. „Danach habe ich versucht, das Instrument neu zu begreifen“, so Emil.

Nach diesem Credo tritt Emil Bernhardt bis heute auf. Auf der Bühne versucht er immer in den Dialog mit dem Publikum zu treten, um Vertrauen aufzubauen, um sich verletzlich zu zeigen.

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Mit 20 beginnt er an der Fachhochschule Potsdam ein Studium der Sozialen Arbeit. Kurz darauf tritt er dem anarchistischen Lumpenhaus-Kollektiv bei. Mit zwei Mitgliedern des Kollektivs gründet er dann die Band Griffelwerk.

Nun hatte er die Idee für eine Veranstaltung, in der er all seine verschiedenen Kontakte verknüpfen kann. Er selbst sieht sich als Vernetzer. Herauskam die „Step across the border“ Veranstaltung im Spartacus im freiLand – ein Ort, an dem Emil sich sehr wohl fühlt, den er schön häufig besucht hat.

Am Freitag, 26. Mai 2023, wird es dort von 19 Uhr abends bis 6 Uhr morgens ein dreiteiliges Programm zu erleben geben. „Es gibt was zu gucken, was zu hören und was zu tanzen“, erklärt Emil.

Kunst, Interaktion, Livemusik und Party

Eröffnet wird der Abend mit einer Ausstellung verschiedener Künstler. Dana Melaver aus Isreal wird „mediale Kunst“ ausstellen. Konkreter möchte Emil nicht werden. Dondestan wird Collagen vorbereiten, und auch Emil wird Teile seiner Kunst vorstellen.

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Interaktiv wird es sein, etwas zum Mitmachen – auch dazu möchte er nicht mehr verraten. Denn „um es wirklich zu begreifen, muss man es eben erleben“, sagt er schmunzelnd.

Für ihn ist Kunst immer etwas Verspieltes, etwas Verträumtes und auch etwas Irritierendes, sie kann Perspektiven sichtbar machen, die sonst überhört oder übersehen werden. „Der Rest ist Deko“, folgert er.

Wenn Emil Bernhardt über Kunst spricht, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus, ohne dass er dabei etwas Inhaltsleeres sagt. Alles, was er sagt, ist vor allen Dingen eines: ehrlich.

Unter einem bestimmten Motto steht der Abend nicht.

Es gehe Emil darum, dass sich die Künstler ausprobieren und dass man verschiedene Arten von Künstlern zusammenbringt.

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Ob das aufgeht? „Es bleibt ein Versuch“, sagt Emil schmunzelnd. Er erhofft sich vor allem, den Menschen einen „Moment des Innehaltens“ zu ermöglichen.

Nach der Ausstellung wird Livemusik gespielt. Neben atmosphärischen Klängen und Krautrock, wird auch Emil mit seiner Band Griffelwerk auftreten.

Abgerundet wird der Abend mit einer Party bis in die frühen Morgenstunden. Dabei war Emil eine Sache besonders wichtig: „Das jeder sich wohl fühlt.“

Das will er unter anderem durch ein sogenanntes Awareness-Team schaffen. Aufgabe dieser Menschen wird es sein, den ganzen Abend nüchtern zu bleiben und ein Auge auf die Feiernden zu haben. Wer sich unwohl fühlt, oder das Gefühl bekommt bedrängt zu werden, kann man sich an diese Menschen wenden.

Der Eintritt zur Veranstaltung kostet zwischen 6-12 Euro.

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Woher Emil Bernhardt kommt, das hat er bereits erzählt. Aber wohin geht er eigentlich? Im Sommer wird er viele Konzerte spielen, im November eine zweite Veranstaltung machen, „ein Album pressen lassen“ und, und dabei muss er ein wenig lachen, seine Bachelorarbeit anmelden.

MAZ

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