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Gedenken am die Opfer

Nazi-Verbrechen: Stolpersteine erinnern an Hermann Maaß und 15 weitere ermordete Potsdamer

Stolperstein für Hermann Maaß in Potsdam-Babelsberg.

Stolperstein für Hermann Maaß in Potsdam-Babelsberg.

Babelsberg. Donnerstag, 13 Uhr, in Babelsberg: Rund hundert Menschen stehen in der prallen Sonne und hören den Rednern aus Politik und Kultur zu. Es ist eine stille Veranstaltung voller Respekt und eindringlicher Worte – denn der Anlass ist ernst. Ein sogenannter Stolperstein kommt ins Pflaster der Hermann-Maaß-Straße.

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Gunter Demnig verlegt Stolperstein für Hermann Maaß in Potsdam

Er erinnert an den Namensgeber der Straße, ein Widerstandskämpfer und SPD-Politiker, Ehemann und vierfacher Vater, der 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. Herrmann Maaß wurde nur 46 Jahre alt. Er ist eines von 16 Opfer der Faschisten, für die am Donnerstag in ganz Potsdam Stolpersteine verlegt werden. Urheber und Künstler Gunter Demnig setzte sie persönlich in den Boden.

Die „Omas gegen Rechts“ sind in Babelsberg dabei, die Geschichtswerkstatt „Rotes Nowawes“, Vertreter der Jüdischen Gemeinde Potsdam, etliche Stadtverordnete und dazwischen viele junge Menschen. Sie haben innerhalb eines Projekts seit Herbst vergangenen Jahres recherchiert und alles zusammengetragen, was es zu „ihren“ Stolpersteinen zu wissen gibt.

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Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Hermann Maaß in Babelsberg.

Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Hermann Maaß in Babelsberg.

Zu den Teilnehmern gehören zwei Töchter von Hermann Maaß. Auch eine Enkelin ist da, sie überträgt das Ereignis per Videoschalte nach München, zu ihrer Mutter, der ältesten Tochter des Widerstandskämpfers. Die Kinder wurden früh Waisen: Nach der Ermordung des Vaters zerbrach die Mutter, sie starb einen Monat nach ihrem geliebten Mann.

Nachfahren: Christine Maaß, Gerda von Voss und Nele Hocke (v.l.).

Nachfahren: Christine Maaß, Gerda von Voss und Nele Hocke (v.l.).

Wenn aus Zahlen Menschen werden

In diesem Moment wird Maaß zu mehr als einem Wikipedia-Eintrag. Die Vortragenden füllen sein Bild mit Leben. Es entsteht das Porträt eines aus tiefstem Herzen demokratischen Deutschen, der für ein besseres Deutschland und für seine Überzeugung, dass Anstand und Gerechtigkeit gelten müssen, gelebt hat – und gestorben ist.

Die Schüler haben über ein halbes Jahr lang wöchentlich viele Stunden recherchiert, Archive angeschrieben, Dokumente gesichtet, mit Zeitzeugen und Angehörigen gesprochen, Fotos sortiert und Patientenprotokolle entziffert. „Man fragt sich, wie es wäre, wenn in hundert Jahren jemand über einen selbst so recherchieren würde“, beschreiben sie, was die Recherche mit ihnen selbst gemacht hat.

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Sie recherchierten für die Stolpersteine (v.l.): David Christians, Lena Puhlmann, Marlene Gerlach, Kolja Gruber-Ballehr und Niklas Ebell.

Sie recherchierten für die Stolpersteine (v.l.): David Christians, Lena Puhlmann, Marlene Gerlach, Kolja Gruber-Ballehr und Niklas Ebell.

Lena Puhlmann und Marlene Gerlach vom Bertha-von-Suttner-Gymnasium erzählen, wie sie über die Wochen der intensiven Beschäftigung für den Stolperstein von Annemarie Siegfried, einer 23-Jährigen mit psychischen Problemen, die von den Nazis als „lebensunwert“ klassifiziert und schließlich ermordet wurde, immer mehr Mitgefühl entwickelten. Aus dem Namen wurde ein Mensch, aus dem Mensch eine Geschichte, die unter die Haut geht, die wehtut, und die Erinnerung wach hält – und genau das sollen die Stolpersteine erreichen.

Weitere Stolpersteine wurden verlegt für Fritz und Johanna Abraham, Alt Nowawes 36, Josef und Klara Apriasky, Berliner Straße 141, Rosa Fabian, Charlottenstraße 95, Hugo und Alice Herzer, Virchowstraße 24, Meta Hirschberg, Jägerallee 7, Walter Klausch, Neue Straße 3, Erika Lövin, Garnstraße 4, Wilhelm Marquardt, Benzstraße 32, Alfred und Paula Rothschild, Annemarie Siegfried, Am Neuen Garten 42A, sowie Margarethe Stern, Karl-Marx-Straße 3.

Von Laura Ludewig

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