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Ausbau der Straßenbahn

Potsdamer Norden: Zweites Tram-Gleis in der Nedlitzer Straße verzögert sich

So soll die Nedlitzer Straße aussehen, wenn dort die Straßenbahn auf zwei anstelle von nur einem Gleis fährt. Die Bundesstraße wird zu den Neubauten hin verschwenkt.

So soll die Nedlitzer Straße aussehen, wenn dort die Straßenbahn auf zwei anstelle von nur einem Gleis fährt. Die Bundesstraße wird zu den Neubauten hin verschwenkt.

Potsdam. Der Ausbau des zweiten Tram-Gleises in der Nedlitzer Straße beginnt frühestens 2025 – und fällt dann mit dem Ausbau der Tram-Verlängerung nach Krampnitz zusammen. Im Oktober war noch von einem Baustart 2023 die Rede. Uwe Loeschmann, der technische Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs Potsdam (ViP), kündigte am Montagabend auf einer Bürgerveranstaltung an, dass man bis Ende 2022 die Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren beim Landesamt für Bauen und Verkehr einreiche. Bis Ende 2024 rechne er mit dem Planfeststellungsbeschluss, sodass 2025 Bauausschreibung und anschließend Baustart erfolgen könnten. Der Bau wird ebenfalls zwei Jahre dauern.

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Damit kommt der ViP allerdings in Konflikt mit dem Neubau der Tram bis Krampnitz, die Ende 2029 in Betrieb gehen soll. Hier sind derzeit vier Jahre Bauzeit ab 2025 vorgesehen. Loeschmann erklärte: „Die Zielstellung ist immer noch, nicht in allen Abschnitten gleichzeitig zu bauen. Die Nedlitzer Straße soll fertig sein, bevor wir weiter nördlich bauen. Ob das gelingt, werden wir sehen.“

So sieht die Nedlitzer Straße derzeit in diesem Abschnitt aus. Wenn die Straße nach Westen verschoben wird, müssen die dortigen Birken weichen.

So sieht die Nedlitzer Straße derzeit in diesem Abschnitt aus. Wenn die Straße nach Westen verschoben wird, müssen die dortigen Birken weichen.

Wozu ist das zweite Gleis nötig?

Auf dem heutigen eingleisigen Abschnitt müssen Straßenbahnen aufeinander warten, wenn es zu Verspätungen kommt und sie nicht perfekt im Takt fahren. Ein dichterer Fahrplan als der heutige Zehn-Minuten-Takt ist derzeit nicht möglich. In der Spitzenstunde sind höchstens sechs Straßenbahnen pro Richtung zwischen bis zum Campus Jungfernsee möglich, nach dem Ausbau wächst die Zahl auf neun Bahnen pro Stunde. „Die Taktverdichtung dient nicht nur den Anwohnern im Norden, sondern im gesamten Bornstedter Feld“, sagt Loeschmann.

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Neu Fahrlands Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) bemängelte den nachträglichen Ausbau: „Warum hat man nicht 2017 bereit den zweigleisigen Ausbau gemacht? Man mutet den Anwohnern erneut Baustellen und Staus zu – das kann ich nicht nachvollziehen.“

Sind die Grundstücke gesichert?

Der Vorgarten-Streifen der Häuser auf der Westseite der Nedlitzer Straße befindet sich In privater Hand. „Über den haben wir direkt mit dem Eigentümer gesprochen und vereinbart dass uns die Flächen zur Verfügung stehen“, erklärt Loeschmann. Was das kostet, ist noch offen. „Wir werden über eine Entschädigung sprechen müssen, das ist noch nicht geklärt“, sagt er.

Die Altbäume können erhalten werden. Die junge Birken dagegen nicht.

Die Altbäume können erhalten werden. Die junge Birken dagegen nicht.

Drohen Klagen gegen das Gleis?

Hier sieht der ViP-Chef weniger Probleme als bei der Verlängerung der Tram vom Campus Jungfernsee nach Krampnitz über die Insel Neu Fahrland. „Wir haben hier andere Interessenlagen und nicht die Diskussion wie auf der Insel und eine klare Entscheidungslage. Wir brauchen die zwei Gleise selbst bei einer Begrenzung von Krampnitz auf 5000 Einwohner. Auch die Entscheidung für die Trams ist gefallen, die sind bestellt.“

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Was kommt auf Anwohner zu?

Durch die Verschwenkung der Bundesstraße 2 nach Westen muss eine Baumreihe mit Birken gefällt werden. Die Ersatzmaßnahmen finden laut ViP-Chef Loeschmann im Hof der Häuser statt. Weil der Autoverkehr näher an die zwei als Studentenwohnheim genutzten Plattenbauten heranrückt, bekommen diese „aktiven Schallschutz“, also bessere Fenster.

Für den Autoverkehr ergeben sich zwei Veränderungen. Temporär muss wegen des Baus die Bundesstraße gesperrt werden. Als bis 2017 das erste Gleis gelegt wurde, bedeutete dies ein halbes Jahr Vollsperrung und eine Umleitung über die Amundsenstraße.

Dauerhaft gibt es für den Verkehr eine Änderung an der Kreuzung Fritz-von-der-Lancken-Straße. Von Norden kommend wird man nicht mehr nach links zu den roten Backsteinbauten abbiegen können, sondern muss bis zur Graf-von-Schwerin-Straße weiterfahren.

Was sagen die Anwohner?

Die Sorgen der Anwohner sind vielfältig. Dass die Tram auf einem eigenen Gleisbett zu schnell fahren dürfe, dass es keine eigene Haltestelle auf dem langen Abschnitt von „Rote Kaserne“ bis „Campus Jungfernsee“ gibt. Hier könnten die Schulwege deutlich verkürzt werden. Große Bedenken gibt es wegen der Abbiegeverkehre hin zu den Kitas und der Grundschule, die dann die Quartiere belasten, wenn das Abbiegen in die Fritz-von-der-Lancken-Straße von einer Seite nicht mehr möglich ist.

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Was kostet das zweite Gleis?

Die Stadt rechnet vorbehaltlich dramatisch steigender Baukosten derzeit mit 7,5 Millionen Euro für den 400 Meter langen Gleisabschnitt. Stadt und ViP rechnen mit Fördermitteln von Bund und Land über rund fünf Millionen Euro, den Rest muss die Landeshauptstadt tragen.

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