Plakate gegen Garnisonkirche

Potsdamer Theater-Intendantin Jahnke lehnt Entschuldigung nach Protestaktion ab

Adolf Hitler und Paul von Hindenburg beim ändedruck am „Tag von Potsdam“.

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Potsdam. Bettina Jahnke, die Intendantin des Potsdamer Hans-Otto-Theaters (HOT), lehnt eine Entschuldigung bei der CDU und bei Befürwortern des Projekts Garnisonkirche ab, nachdem sie eine Protestaktion auf HOT-Plakaten befürwortet hatte. Am Dienstag erklärte Jahnke: "Theater ist immer auch ein Ort der politischen Auseinandersetzung."

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Jahnke zur CDU „Kritik an diesem Vorhaben müssen Sie aushalten“

Die Garnisonkirche sei vielleicht „als Bühnenbild missbraucht“ worden, wie die CDU behauptet. Doch Jahnke kontert: „Ebendieses Bühnenbild wollen Sie nun wieder schön herrichten. Das ist Ihr gutes Recht. Kritik an diesem Vorhaben müssen Sie jedoch aushalten – auch wenn sie provokant daherkommt.“ Und niemand könne eine Garantie dafür geben, dass nicht doch eines Tages die neuen Nazis nach Potsdam pilgern, um ihrem Führer zu huldigen, so die Intendantin.

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Die Figuren wurden nachträglich auf das Theaterplakat für das Sartre-Stück geklebt.

Die Figuren wurden nachträglich auf das Theaterplakat für das Sartre-Stück geklebt.

Lob für Protestaktion, Jahnke unterstützt zudem Erhalt des Kreativhaus Rechenzentrum

Sie lobte die Protestaktion aus dem Umfeld der Initiative „Stadt für alle“, da hier „offenkundig eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stück „Die schmutzigen Hände“ von Jean-Paul Sartre stattgefunden hat.“ Darin gehe es zentral um die Frage, ob und wie man sich in der Politik die Hände schmutzig macht, ob und wie Widerstand gegen die herrschende Ordnung möglich sei. Die Fotomontage des berühmten Händedrucks zwischen Adolf Hitler und Paul von Hindenburg, die auf das Werbeplakat mit dem Titel „Die schmutzigen Hände“ geklebt wurde, „nimmt auf diesen Titel Bezug und verändert auf überraschende Weise den Blickwinkel.“

Die Aktivisten dahinter sind für den Erhalt des Rechenzentrums eingetreten und sprechen sich gegen „rechte Wallfahrtsorte“ aus. Jahnke stellte am Dienstag klar: „Diese Ziele kann ich als Intendantin des Hans-Otto-Theaters prinzipiell unterstützen. Letzteres ist auch ganz im Sinne unseres Namensgebers Hans Otto, der 1933 von der SA gefoltert und schließlich ermordet wurde.“

Bettina Jahnke, die Intendantin des Hans-Otto-Theaters Potsdam.

Bettina Jahnke, die Intendantin des Hans-Otto-Theaters Potsdam.

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Bettina Jahnke war 2018 unter dem Motto „Haltung – Offenheit – Toleranz“ in Potsdam angetreten. “Dazu stehe ich nach wie vor, und ich kann nicht erkennen, wofür ich mich zu entschuldigen hätte“, sagt sie. Stattdessen hat sie die CDU, konkret Rainer Dallwig und Anna Lüdcke, die ihr als Mitglieder des Kulturausschusses einen offenen Brief mit der Aufforderung zur Entschuldigung geschrieben hatten, ins Theater eingeladen. Sie sollen Sartres Stück anschauen „und danach mit dem Ensemble, dem Publikum und mir darüber ins Gespräch zu kommen.“.

Zur rechtsstaatlich zweifelhaften Forderung des CDU-Kreischefs Oliver Nill, der die Förderung des HOT aus dem städtischen Haushalt von einer Entschuldigung abhängig machen wollte, äußerte sich Jahnke nicht.

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