Kreativwirtschaft

Rechenzentrum wird 2023 definitiv dicht machen

Das gesamte Kreativhaus Rechenzentrum soll dem Turm der Garnisonkirche weichen. In der geplanten Machbarkeitsstudie für das neue Kreativquartier wird ein Teilabriss des Rechenzentrums gar nicht erst untersucht.

Das gesamte Kreativhaus Rechenzentrum soll dem Turm der Garnisonkirche weichen. In der geplanten Machbarkeitsstudie für das neue Kreativquartier wird ein Teilabriss des Rechenzentrums gar nicht erst untersucht.

Innenstadt. Das Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum wird 2023 definitiv zusperren. Das ist das Ergebnis der Abstimmung in der Stadtverordnetensitzung am späten Mittwochabend. Der Änderungsantrag der Linken und der Fraktion Die Andere, der eine Verlängerung der Laufzeit des Kunst- und Kulturhauses über das Jahr 2023 hinaus vorsah, wurde abgelehnt.

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Die Lage ist komplex: Derzeit läuft der Pachtvertrag der Künstler nur bis Ende August. Eine Verlängerung über den Sommer hinaus ist jedoch vom Votum der Stiftung Garnisonkirche abhängig. Hintergrund: Ein Teil des Rechenzentrums steht auf dem Grundstück des ehemaligen Kirchenschiffs der Garnisonkirche.

Neues Kreativquartier als Nachfolger des Rechenzentrums beschlossen

Die Kirchenstiftung wollte einer Vertragslaufzeit-Verlängerung bis 2023 nur unter der Bedingung zustimmen, dass danach dann endgültig Schluss ist und das Kunst- und Kulturzentrum die Schotten dicht macht. Indem die Stadtverordneten nun den Vertrag mit den Künstlern auf fünf Jahre befristen, schaffen sie die Voraussetzung dafür, dass die Stiftung grünes Licht für die Zeit bis 2023 gibt. Doch auch dann müssen die Kreativen nach dem Willen der Stadt nicht ohne Dach über dem Kopf dastehen. Bis 2023 soll auf dem Gelände Langer Stall/Alte Feuerwache – nur einen Steinwurf vom Rechenzentrum entfernt – ein neues Kulturquartier entstehen. Auch dafür stimmten die Stadtverordneten mehrheitlich am Mittwoch.

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Vielfältig geht es im Rechenzentrum zu

Vielfältig geht es im Rechenzentrum zu. Über 250 Kreative wirken dort mittlerweile.

250 Künstler und Kreative

Im Rechenzentrum arbeiten seit Herbst 2015 auf 5000 Quadratmetern und fünf Etagen insgesamt 250 Künstler und Kreative.

Das Kunst- und Kreativhaus ist Anziehungspunkt für Menschen, die für Kurse, Proben, Konzerten und Ausstellungen ein- und ausgehen.

Als Ersatz für das Rechenzentrum soll bis 2023 ein Kreativquartier in der Nähe entstehen.

Stiftung Garnisonkirche begrüßt Beschluss „ausdrücklich“

Die Stiftung Garnisonkirche hat am Donnerstag den Beschluss der Stadtverordneten „ausdrücklich“ begrüßt. „Damit sind die Weichen für ein kreatives Miteinander in der Potsdamer Mitte gestellt“, erklärte Matthias Dombert, Mitglied im Kuratorium der Stiftung und Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG).

Nun ist die Zustimmung der Stiftung erforderlich, dass sie bis 2023 auf ihr Sonderkündigungsrecht verzichtet. Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der Stiftung:„Das Kuratorium wird sich hiermit schnellstmöglich befassen.“

Änderungsantrag der Linken abgeschmettert

Aus Sicht von Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg ist mit der Festlegung auf die Befristung bis 2023 hingegen eine Absprache gebrochen worden – und eine Chance verschenkt worden: „Vor ein paar Wochen war noch klar, dass es mehr Standorte sind als nur das Gelände Langer Stall/Alte Feuerwache.“

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Am Mittwoch wurde der Änderungsantrag der Linken abgeschmettert. Dessen Inhalt: In der geplanten Machbarkeitsstudie solle auch untersucht werden, inwieweit ein Teilabriss des Rechenzentrums – etwa ein Fünftel des massigen Gebäudes – machbar wäre. Durch den Teilabriss hätten – so Scharfenberg – alle Seiten zufriedengestellt werden können. Die Garnisonkirchenstiftung hätte so Zugriff auf ihren Grundstücksteil gehabt. Und die Kreativen hätten im Rest-Gebäude plus einem neuen Anbau bleiben können.

Das Kunsthaus Rechenzentrum steht nur zu einem kleinen Teil – der südöstlichen Ecke des Hauses – auf dem Grundriss der früheren Garnisonkirche

Das Kunsthaus Rechenzentrum steht nur zu einem kleinen Teil – der südöstlichen Ecke des Hauses – auf dem Grundriss der früheren Garnisonkirche

Gemischte Reaktionen bei den Nutzern des Rechenzentrums

Die Reaktion der „Kulturlobby Potsdam“ – Initiative und Netzwerk der freien Kultur- und Kreativschaffenden – auf den Beschluss fiel gestern gemischt aus. Einerseits freut man sich über die fünf in Aussicht gestellte Jahre Planungssicherheit für die Mieter im Rechenzentrum und über die Tatsache, dass in Potsdams Mitte ein ganzes Kreativquartier entstehen soll.

Die Kulturlobby befürwortet allerdings weiterhin eine „ergebnisoffene Diskussion“ über die städtischen Grundstücke an der Plantage, das heißt die Alter Feuerwache, Langer Stall und Rechenzentrum – zumindest zu dem Prozentsatz des Hauses, das der Stadt gehört.

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Machbarkeitsstudie sollte auch Teilabriss untersuchen

Der Wunsch: Die geplante Machbarkeitsstudie sollte alle Varianten bedenken und prüfen und nicht einzelne Konzepte oder Bauformen und Bauten schon vorab favorisieren beziehungsweise ausschließen. „Wir bedauern, dass dies so in der Beschlussvorlage nicht verankert wurde“, erklärte Kristina Tschesch für die Kulturlobby.

Von Ildiko Röd

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