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Prozess am Amtsgericht

Verurteilter Stalker: Wie ein Potsdamer der Ex-Frau das Leben zur Hölle machte

Mirko A., Angeklagter wegen Stalkings, vor dem Amtsgericht Potsdam.

Mirko A., Angeklagter wegen Stalkings, vor dem Amtsgericht Potsdam.

Potsdam. Es mag irgendwann mit einer Liebe begonnen haben – aber sie endete nach 19 Jahren Ehe mit einem Trümmerhaufen: mit Fremdgehen, Trennung und Psychoterror. Weil er nicht ertragen konnte, dass seine Frau Margarita M. ihn verlassen und einen neuen Partner gefunden hatte, traktierte der 43-jährige Potsdamer Lagerarbeiter Mirko A. sie innerhalb eines knappen Jahres mit 69 Anrufen, 546 SMS-Nachrichten, 63 Briefen und 298 E-Mails mitunter mehrmals am Tag – klassisches Stalking. Er beleidigte sie zudem als Schlampe und habe, so Amtsrichterin Hanna Pamer, ihr „das Leben zur Hölle gemacht“.

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Potsdamerin berichtet schluchzend von der Mobbing-Qual

Keinen Zweifel hatten die Richterin und Staatsanwalt Martin Jeczawitz an der Glaubwürdigkeit von Margarita M.. Sie berichtete ruhig, mitunter schluchzend über das Martyrium mit dem Mann, mit dem sie einen elf Jahre alten behinderten Sohn hat. Es war keine Überraschung, dass Pamer den Angeklagten wegen Nachstellung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen verurteilte. Das entspricht in seinem Fall 12.000 Euro – sechs Netto-Monats-Einkommen von je 2000 Euro.

Knapp am Gefängnis vorbeigekommen

Eindringlich redete die Richterin dem Angeklagten ins Gewissen. Er habe „nur ein bedingtes Unrechtsbewusstsein“ gezeigt. „Sie sind hier haarscharf an einer Freiheitsstrafe vorbeigegangen“, so Pamer. Wenn er erneut wegen ähnlicher Vorfälle vor Gericht stehen sollte, müsse er mit einer Freiheitsstrafe rechnen.

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Staatsanwalt: „Irgendwelche Ausreden“

Die forderte Staatsanwalt Martin Jeczawitz schon am Montag. In einem engagierten Plädoyer empörte er sich über das, was Mirko A. seiner Ex-Frau angetan hatte: „Das Einzige, das er vorbringt, ist, dass er an nichts schuld ist.“ Ständig kämen „irgendwelche Ausreden“, zudem habe er in der Auseinandersetzung mit Margarita M. sein Kind, das bei ihm lebt, „als Werkzeug benutzt, um an sie heranzukommen“. A. habe „das Leben dieser Frau ein Jahr lang vollkommen malträtiert. Und schlimm ist, dass sie damit nicht aufhören.“ Für eine Geldstrafe allein gebe es keinen Grund mehr. Jeczawitz beantragte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten zur Bewährung sowie als zusätzliche Weisung zum bereits bestehenden zivilrechtlichen Kontaktaufnahmeverbot das Verbot, sich Margarita M. zu nähern. Ferner forderte er ein Schmerzensgeld von 2000 Euro, einem Monatseinkommen.

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Furchtbar war, als seine Ex-Frau schilderte, was sie durchgemacht hatte. Mirko A. habe ihr frühmorgens und spätabends aufgelauert, sie und ihren neuen Lebensgefährten mit dem Auto und zu Fuß verfolgt. Mal sei er hinter einem abgestellten Auto aufgetaucht, mal hinter einem Busch, überraschend hinter und neben ihr.

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Potsdamer Opfer: „Ich habe Angst vor diesem Mann“

Weinend erzählte die sichtlich gezeichnete Frau, wie sie in ihrer Wohnung zum Geburtstag ihres Sohnes einen Kuchen gebacken und Geschenke für ihn eingepackt hatte. Sein Vater sollte ihn nur zu ihr bringen, betrat aber unerwünscht ihre Wohnung. Dann beschimpfte er sie vor dem Kind, und als der Sohn, offenbar beeinflusst vom Vater, sie einmal schlug, freute sich der Vater.

„Ich habe Angst vor diesem Mann“, sagte sie. Sie habe deswegen die Rollladen ihrer Erdgeschosswohnung auch tagsüber heruntergelassen und sie habe sich verzweifelt für vier Wochen in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen. Ihr damaliger Lebensgefährte sagte aus, dass er sich von ihr getrennt habe, weil die Belastung durch den Ex-Mann zu groß gewesen sei: „Hätte es ihn nicht gegeben, wäre es anders ausgegangen.“

Von Carsten Holm

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