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Auftakt der Brandenburgischen Frauenwoche in Potsdam

Von Bibel bis Bundestag: Frauen und die Schuldfrage

Auftakt der 28. Brandenburgischen Frauenwoche im Plenarsaal des Potsdamer Stadthauses, wo sonst die Stadtverordneten tagen

Auftakt der 28. Brandenburgischen Frauenwoche im Plenarsaal des Potsdamer Stadthauses, wo sonst die Stadtverordneten tagen

Potsdam. Daran denkt zumindest Pfarrerin Magdalena Möbius zuerst beim diesjährigen Motto der Brandenburgischen Frauenwoche „Selber schuld“. Es spielt auf Sätze an wie: „Frauen können einfach nicht so gut verhandeln“ oder „Warum musste sie auch einen so kurzen Rock tragen?“ Im Kern will der Frauenpolitische Rat damit auf Schuldzuweisungen für geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit hinweisen. Und Magdalena Möbius findet ebensolche Zuschreibungen in der Heiligen Schrift der Christen.

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„Die christliche Theologie ist verseucht von der Übersetzung Gottes mit: der Herr“, sagt die Studienleiterin für Frauenarbeit bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Im hebräischen Wort für „Gott“ liege nichts Männliches begründet, dieses Attribut „ist unnötig“, denn im Ursprung bezeichne„Gott“ das Sein oder das Seiende an sich. Magdalena Möbius führt weitere Übertragungen ins Deutsche an, die letztlich für jahrhundertealte Rollenklischees mitverantwortlich seien. Ein hebräisch geschultes Ohr höre in dem Wort für Barmherzigkeit den Mutterschoß heraus. Adam bedeute schlicht Mensch, nicht Mann. Und als solcher bekam er ein gleichwertiges Gegenüber. „Da gab es zunächst keine Hierarchie, keine Geschlechter.“

Seit der Geschichte vom Sündenfall aber gelte die Frau als Verführerin, die dafür büßen muss durch Kinderkriegen und Hausarbeit. „Geschlechterstereotype sind maßgeblich aus der christlichen Theologie entwickelt“, folgert Möbius und wirbt „für einen diversen Feminismus, der sich nicht als einzig gültige Wahrheit versteht“. Für Geschlechtergerechtigkeit kämpft Magdalena Möbius mit anderen auch innerhalb der EKBO. Dort ist der Anteil von Frauen in Leistungsfunktionen zurückgegangen, berichtet die Theologin. „Das klagen wir an.“

Diana Golze verweist auf den rückläufigen Frauenanteil im Bundesparlament seit der Wahl im September und berichtet aus ihrer Praxis. Brandenburgs Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie kennt niedrige Quoten aus der Rathenower Kommunalpolitik: „In meiner Stadtverordnetenversammlung sind wir drei von 23.“ Zum diesjährigen Motto sagt die Linke-Politikerin, während im Saal eine Zuhörerin stillt: „Frauen sind nicht selber schuld. Die wirklichen Ursachen sind strukturell und haben mit politischer Präsenz und Rahmenbedingungen zu tun.“

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Potsdams Stadtverordnetenversammlung (SVV) besteht zu rund einem Drittel aus Frauen. „Auch in Potsdam ist Politik männlich dominiert“, sagt die SVV-Vorsitzende Birgit Müller (Linke). Sie appelliert ans Publikum, das jede Frauenquote deutlich übererfüllt: „Seien Sie mutig. Entscheiden Sie sich für Karriere und Familie.“

Warum seit 1991 jedes Jahr Frauenwochen relevant sind, beantwortet Wirtschaftsexpertin Henrike von Platen in ihrem Redebeitrag mit einem Gedankenspiel: künftig Männer auf der Bühne in dem Stil zu begrüßen: „Wow, du hast drei Kinder und bist trotzdem Oberbürgermeister geworden.“ Erst, wenn Männer auch als Einstellungsrisiko gelten, weil sie in Elternzeit gehen könnten, sei von Gleichberechtigung die Rede, sagt von Platen und wirbt für faire Löhne, die über jegliche Geschlechter hinausgehen.

Von Michaela Grimm

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