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Literatur

Was Jann Jakobs und Philosoph Hugler verbindet

Publizist Klaus Hugler, l., übergibt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ein Buch über den Schriftsteller Peter Rosegger.

Publizist Klaus Hugler, l., übergibt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ein Buch über den Schriftsteller Peter Rosegger.

Potsdam.Manchmal gibt es Begegnungen, bei denen sich ein Kreis schließt: Der Besuch des Potsdamer Philosophen Klaus Hugler bei Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in dessen Büro an einem heißen Sommertag ist eine dieser Begegnungen.

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Auf den ersten Blick haben die beiden Herren nicht viel gemeinsam, außer vielleicht das ähnliche Alter. Hugler (63), Religionslehrer an der Potsdamer Käthe-Kollwitz-Schule und am Ernst-Haeckel-Gymnasium in Werder, hat ein buntes Batik-Sweatshirt und eine Kappe – geziert von einem Sticker mit dem Konterfei Leo Tolstois – an. Mit seinem Wallebart sieht er aus wie ein Hippie-Tolstoi. Jakobs (64) hingegen trägt Anzug, ein adrettes Hemd und einen sorgfältig gestutzten Bart.

Viele Gemeinsamkeiten zwischen Jakobs und Hugler

Dennoch gibt es etliche Schnittmengen zwischen beiden. Anfang der 1990er Jahre war es, da bewarb sich Jakobs – studierter Soziologe und Sozialarbeiter – von Spandau aus als Jugendamtsleiter in Potsdam. Hugler war Mitglied im Jugendhilfeausschuss; als Kreisjugendwart vertrat er den Kirchenkreis in dem Gremium. Weshalb er für den Kandidaten aus Spandau votierte?

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„Er hatte die soziale Frage in seinem Programm, nicht nur, weil er sich um das Amt bewarb. Ich habe ihm das Einfühlungsvermögen in die Menschen zugetraut, um die es ging.“ Auch Jakobs hält nach wie vor viel von dem Freigeist. „Er ist ein sehr feinsinniger Mensch.“

Lebhaft verlief ein Besuch schwedischer Kommunalpolitiker beim Sozialdezernenten Jann Jakobs (r.) im Jahr 1998.

Lebhaft verlief ein Besuch schwedischer Kommunalpolitiker beim Sozialdezernenten Jann Jakobs (r.) im Jahr 1998.

Später begegneten sich die beiden noch öfter. Stichwort: Hausbesetzerszene. Hugler hatte an der Ecke Linden-/Gutenbergstraße eine Anlaufstelle für die Besetzer, inklusive Dusche und Waschmaschine. Als ein Haus in der Dortustraße geräumt werden sollte, war der Diakon eine Vertrauensperson.

Jakobs’ damalige Rolle empfand er als positiv, lösungsorientiert. So habe sich dieser unter anderem für das alternative Wohn- und Kulturzentrum „Archiv“ eingesetzt. Auch persönlich hatte man sich einiges zu sagen: Adolf Damaschke, erzählt Jakobs, sei so ein Thema gewesen. Beide interessierten sich für den Bodenreformer, der aus einfachen Verhältnissen stammte und sich für die Verbesserungen der Lebensverhältnisse der Armen einsetzte.

Irgendwann wurden die Berührungspunkte aber weniger. Jakobs machte bekanntlich Karriere im Rathaus, Hugler begann, Bücher zu schreiben – über den Pazifisten Moritz von Egidy, Tolstoi und eben jenen Damaschke. Dass der Rathaus-Chef und der Sinnsucher nun am großen ovalen Tisch im OB-Büro wieder zusammensitzen, ist einem österreichischen Schriftsteller zu verdanken. Hugler hat ein neues Büchlein verfasst. „Peter Rosegger – Glaube und Überzeugung“. Ein Exemplar übergibt er an Jakobs.

Publizist Klaus Hugler, r., übergab Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ein Buch über den Schriftsteller Peter Rosegger im Büro des Oberbürgermeisters im Rathaus in Potsdam.

Publizist Klaus Hugler, r., übergab Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ein Buch über den Schriftsteller Peter Rosegger im Büro des Oberbürgermeisters im Rathaus in Potsdam.

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Rosegger – wer? Das dürfte wohl die Reaktion bei den meisten Potsdamern sein. In der Alpenrepublik zählt er jedoch zu den Säulenheiligen der heimischen Literatur – und auch in Potsdam gibt es immerhin eine Roseggerstraße; unweit der Zeppelinstraße. 2018 jährt sich der Tod des Dichters zum 100. Mal. Mit seinen Erzählungen über seine Kindheit als Waldbauernbub in dem Dorf Alpl in der Steiermark wurde er berühmt.

Doch der ehemalige Schneidergeselle war keiner, der das Landleben im Weichzeichner präsentierte. Er thematisierte die fortschreitende Industrialisierung, war in regem Austausch mit Sozialreformern. „Er hat sich auch mit Damaschke getroffen“, erläutert Hugler am OB-Tisch. Mehr noch: Im damals erzkatholischen Österreich wagte es Rosegger, sich für den Bau einer evangelischen Kirche in seiner Heimatregion stark zu machen.

Klaus Hugler (63) protestierte im Juni 2018 gegen den Abriss der Fachhochschule.

Klaus Hugler (63) protestierte im Juni 2018 gegen den Abriss der Fachhochschule.

Tatsächlich findet sich im religiösen Bereich auch eine Beziehung von Rosegger zur Mark, die der Dichter selbst so schilderte: „Heute verlebte ich in Mürzzuschlag eine Stunde mit dem Oberhofprediger Dr. B. Rogge aus Potsdam. Das ist der Mann, der am 18. Januar 1871 im Thronsaal zu Versailles bei der Kaiserproklamation den Festgottesdienst hielt.“ Unter anderem erzählte der Geistliche von dem Altar, für den man kurzerhand einen Arbeitszimmertisch Ludwigs XIV. umfunktioniert hatte.

Rosegger war schwer beeindruckt von dem Bericht des betagten Potsdamers, der gerade auf Wanderurlaub in der Steiermark weilte.Jakobs hört interessiert zu, österreichische Literatur hat es ihm ohnehin angetan. Joseph Roth, Peter Altenberg – er kennt sich gut aus. Hinzu kommt, dass seine Tochter seit einigen Jahren in Innsbruck lebt, wie er erzählt.

Klaus Hugler liebt die Natur.

Klaus Hugler liebt die Natur.

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Dann ist die Zeit um, ein herzlicher Abschied, das Büchlein bleibt auf dem Tisch liegen. Doch Roseggers Reise durch Potsdam ist noch nicht zu Ende. Nach der erfolgreichen Präsentation des Bändchens in der „Arche“ am Bassinplatz plant Klaus Hugler nämlich einen Gesprächskreis für Interessierte, in dem es um die moralischen und theologischen Ansätze des steirischen Weltenerklärers gehen soll.

Kontakt k.hugler@gmx.de

Von Ildiko Röd

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