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Wasserwacht Potsdam gibt Erste-Hilfe-Tipps

Was tun beim Eis-Unfall?

So sieht es aus, wenn die DRK-Wasserwacht, hier die Ortsgruppe Strausberg, die Eisrettung übt.

So sieht es aus, wenn die DRK-Wasserwacht, hier die Ortsgruppe Strausberg, die Eisrettung übt.

Potsdam.Das Eis ist dünn auf dem Heiligen See und dennoch sind Fußspuren zu erkennen. Polizei, Feuerwehr und DRK-Wasserwacht warnen davor, sich aufs trügerische Glatt zu begeben. „Selbst im strengsten Winter: Niemand wird in Potsdam auch nur eine einzige Eisfläche freigeben“, sagt Feuerwehrchef Wolfgang Hülsebeck. Bricht jemand ein, ist Erste Hilfe überlebenswichtig – aber wie hilft man richtig?

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Als erstes den Notruf 112 wählen

Wenn jemand einbricht, ist als erstes die 112 zu alarmieren. „Handy raus und Notruf absetzen!“, sagt Björn Eckstein, Rettungstaucher von der Wasserwacht. „Wichtig ist, eine möglichst genaue Ortsbeschreibung zu geben, denn bei der Eisrettung kommt es wirklich auf jede Sekunde an.“ Bis die Retter kommen, sollten die Ersthelfer dem Eingebrochenen vom sicheren Ufer aus Beistand leisten, ihm zurufen, dass Hilfe kommt und ruhig zu bleiben. „Wer ins Eis einbricht, gerät beinahe augenblicklich in Panik“, so Eckstein. Panik koste aber wertvolle Energie und löse früher oder später Ur-Reflexe aus, die der Rettung nicht unbedingt dienlich sind. „Wer ruhig bleibt, hat bessere Chancen.“ Versuchen Ersthelfer auf eigene Faust, den Betroffenen aus dem Wasser zu ziehen, sei äußerste Vorsicht geboten. „Da ist eine sehr gefährliche Aktion, denn es kann sein, dass der Helfer selbst einbricht“, so Eckstein. „Nur, wer 100 Prozent sicher ist, dass er es dorthin schaffen kann, sollte sich zum Eingebrochen vorwagen – und das niemals alleine und niemals unangeleint, also ohne Seil um den Bauch.“ Ersthelfer sollten sich zudem hinlegen und zum Eingebrochenen robben. Um das eigene Körpergewicht auf eine größtmögliche Fläche zu verteilen, sei es ratsam, einen Schlitten, eine Leiter oder einen umgedrehten Gartentisch zur Hilfe zu nehmen. „Niemals dem Eingebrochenen die Hand reichen! Er zieht seinen Retter sonst ins Wasser“, warnt Björn Eckstein. Ein Stock, ein Schal oder Shirt seien geeignete Hilfsmittel.

Die Eisretter der Wasserwacht machen’s vor: Um das eigene Körpergewicht auf eine größtmögliche Fläche zu verteilen, legt man sich hin.

Die Eisretter der Wasserwacht machen’s vor: Um das eigene Körpergewicht auf eine größtmögliche Fläche zu verteilen, legt man sich hin.

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So laut wie möglich um Hilfe rufen

Wer selbst einbricht, sollte so laut wie möglich um Hilfe rufen und versuchen, nicht unter das Eis zu geraten. „Extrem hinderliche Kleidung wie schwere Winterschuhe oder eine dicke Daunenjacke kann man versuchen auszuziehen – auf keinen Fall mehr“, so Eckstein. Sich selbst zu retten, sei sehr schwer. Versuch Nummer 1: sich mit Händen und Oberkörper, wie eine Robbe aufs Eis schieben. Bricht das Eis dabei weiter, sollte man versuchen, sich in Richtung Ufer „vorzubrechen“.

Nicht bewegen, nicht warmrubbeln

Ist der Eingebrochene geborgen, unbedingt auf den Rettungsdienst warten! „Der Betroffene sollte möglichst nicht bewegt werden“, so Eckstein. „Das Blut in den Extremitäten ist sehr kalt – gelangt es zum Herzen, kann es im ärgsten Fall zum Herzstilltand kommen.“ Deshalb gilt: Den Betroffenen auf keinen Fall hinstellen oder warmrubbeln!

Nur wenige Minuten bleiben für die Rettung

Zum Helfen bleibt extrem wenig Zeit. Nur wenige Minuten, nachdem jemand eingebrochen ist, lassen durch die Unterkühlung das Reaktionsvermögen und die Kräfte nach, hinzu kommt der Schock. Wie lange jemand im eiskalten Wasser durchhält, hängt von seiner körperlichen Konstitution und Fitness, aber auch von der Dicke der Unterhautfettschicht ab.

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Durch die Unterkühlung lassen das Reaktionsvermögen und die Kräfte nach wenigen Minuten nach. Selbst in den Neoprenanzügen, die die Männer und Frauen von der Wasserwacht tragen, ist es bitterkalt.

Durch die Unterkühlung lassen das Reaktionsvermögen und die Kräfte nach wenigen Minuten nach. Selbst in den Neoprenanzügen, die die Männer und Frauen von der Wasserwacht tragen, ist es bitterkalt.

Das Eis friert nicht gleichmäßig durch

Derzeit ist es lebensgefährlich, zugefrorene Gewässer zu betreten, sagt Björn Eckstein. „Wir haben noch keinen tiefen Frost gehabt – eine Woche mit ein paar Grad Celsius unter Null reichen für eine tragfähige Eisdecke nicht aus. – Und selbst wenn: Wir raten immer und in jedem Fall davon ab, sich aufs Eis zu begeben.“ Selbst wer mit dem Beil zur Probe Löcher hackt, könne nie sicher wissen, wie dick das Eis tatsächlich ist, denn es friert nicht gleichmäßig durch. Wie dick das Eis auf der Havel, auf der Nuthe, auf den Kanälen, Seen, Teichen und Tümpeln wird, hängt nicht nur von der Temperatur ab. Auch die Beschaffenheit des Untergrunds, Wasserpflanzen, Zu- und Abflüsse spielen eine Rolle.

Die Havel ist besonders tückisch

Besonders trügerisch ist das Eis laut Wasserwacht in den kleinen Häfen an der Havel, zum Beispiel in der Neustädter Havelbucht. In diesen Häfen sammeln sich oft Eisschollen, die sich zusammenschieben und wie eine durchgehende Eisfläche anmuten. „Das Eis dort trägt aber nicht“, sagt Eckstein. „Es würde sogar der geliebte Haushund untergehen.“ Die Havel gilt im Winter generell als tückisch: Dort wechseln sich Sand- und Modderböden, seichte und tiefe Stellen ab, es gibt zudem eine ausgebaute Rinne für die Schifffahrt. „Die Beschaffenheit des Eises kann sich von einem auf den anderen Meter verändern.“

Acht Zentimeter sind das Minimum

Um einen Erwachsenen zu tragen, müsste eine Eisdecke acht Zentimeter dick sein – Minimum. „Es gibt verschiedene Vorgaben“, sagt Björn Eckstein. 18 Zentimeter würden ein kleines Auto tragen. „Das ist unglaublich viel: Dazu braucht es einen Monat tiefen Frost.“ Alle derartigen Angaben seien „mit sehr viel Vorsicht zu genießen“.

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Von Nadine Fabian

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