Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

MAZ-Weihnachtsaktion Sterntaler

Wurst, Gemüse, Fischstäbchen: Sterntaler sammelt für einen unbeschwerten Einkauf

Die Arche im Potsdamer Wohngebiet Drewitz will Kinder stark machen fürs Leben.

Die Arche im Potsdamer Wohngebiet Drewitz will Kinder stark machen fürs Leben.

Potsdam.Ihr Großer isst gerne Gurken. Davon könnte sie locker fünf, sechs Stück in den Einkaufskorb legen – sie wären ratzfatz weg. „Aber Gurken sind teuer, vor allem im Winter – und in diesem Jahr ist es noch viel schlimmer als sonst.“ Die 33-jährige Potsdamerin ist Mutter von vier Kindern, sie ist alleinerziehend und arbeitslos und bekommt direkt zu spüren, worüber Wirtschaftsexperten in Zeitungen und im Fernsehen fachsimpeln: die steigende Inflation.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Soziale und gesundheitliche Folgen

Die Verbraucherpreise sind laut Statistischem Bundesamt im November 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als fünf Prozent gestiegen. Ähnlich hoch war die Inflation in Deutschland zuletzt vor fast 30 Jahren. Neben Benzin und Energie sind vor allem viele Lebensmittel teurer geworden. Sozialverbände und Ernährungsspezialisten warnen seit Wochen schon vor sozialen und gesundheitlichen Folgen, denn besonders hart trifft die Inflation diejenigen, die wenig verdienen oder von Sozialleistungen leben.

Seit die Preise steigen und steigen, hat sich für sie, die ohnehin aufs Geld schauen muss, vieles geändert. „Früher habe ich auf einen Schlag für eine Woche, manchmal für zwei Wochen eingekauft. Jetzt gehe ich alle paar Tage für kleinere Mengen – dann ist nicht so viel Geld auf einmal weg.“ In der Zwischenzeit hoffe sie auf Angebote. „Ich suche Prospekte nach besonders günstigen Gelegenheiten ab. Und ich rechne, rechne, rechne – das habe zwar schon immer getan, aber jetzt rechne ich auch, ob es sich lohnt, für einen Einkauf ans andere Ende der Stadt zu fahren und bestimmte Dinge auf Vorrat zu kaufen.“ Dass die beiden Jüngsten nach der Schule zur Arche gehen, wo sie ein warmes Mittagessen bekommen, wo sie ihre Hausaufgaben erledigen und einen Teil ihrer Freizeit verbringen können, sei eine große Entlastung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Meine Kinder sollen auf nichts verzichten“

Aber: Trotz aller Planung und Unterstützung mache sie immer öfter Abstriche. „Zum Beispiel bei Wurst und Fleisch. Aber nicht beim Gemüse. Ich koche selbst für meine Kinder. Das ist mir wichtig. Selbst wenn’s Fischstäbchen gibt – das Kartoffelpüree ist hausgemacht. Da bin ich eigen.“ Oft koche sie Suppen; die seien gut zu kalkulieren, gut vorzubereiten, gut zu variieren. Die Kinder mögen zum Glück Eintopf. Sie mögen aber auch Sushi. Ab und zu gönnt sich die Mutter die Freiheit und den Kids die Abwechslung, beim Lieferdienst zu bestellen. „Das ist wirklich etwas Besonderes“, sagt sie. „Aber ich finde, das muss auch mal sein. Meine Kinder sollen auf nichts verzichten.“

Und dennoch: Die zwei Jungen (14 und 11) und zwei Mädchen (13 und 9) wissen, wie es sich anfühlt, wenn nicht genug da ist. Oft stecken sie von allein zurück – das tut ihrer Mutter besonders weh. „Meine Große wünscht sich eine neue Hose – aber sie weiß, dass es in diesem Monat wegen Weihnachten nicht passt... Manchmal ist es schon hart.“ Für die Bescherung hat die 33-Jährige in diesem Jahr besonders viel jonglieren müssen. Zwar habe sie für jedes Kind ein tolles Geschenk kaufen können. „Es hat sich aber gerächt, dass wir uns einen schönen Sommer gemacht haben: Wir träumen von einem Urlaub an der Ostsee – der ist aber unbezahlbar. Dafür waren wir oft im Volkspark und im Strandbad. Wir hatten zwar ein Picknick dabei, aber wenn der Duft vom Pommes-Stand herüberweht oder andere Besucher mit einem Eis vorbeikommen... Wenn es um meine Kinder geht, kann ich einfach nicht Nein sagen.“

Mehr als 11.000 Euro – so können Sie spenden

Mit der Sterntaler-Weihnachtsaktion sammelt die MAZ Spenden für Familien und Alleinerziehende, für Ältere und Kranke, für Geflüchtete – kurzum für Menschen aus Potsdam und dem Umland, die es schwer haben und denen wir eine Freude zu Weihnachten machen wollen.

Das Spendenkonto wird von der Hoffbauer-Stiftung treuhänderisch verwaltet. Bitte geben Sie als Verwendungszweck an: MAZ-Sterntaler-Aktion.

Die Bankverbindung:

Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank

IBAN: DE53 3506 0190 1567 6140 14

BIC: GENODED1DKD

Die Spendernamen werden veröffentlicht. Wer dies nicht möchte, weist bitte im Verwendungszweck darauf hin.

Unser Dank gilt heute: PST Planung Bauleitung 1500 Euro, Uta Scharfe 350 Euro, Jutta Schwartz 300 Euro, Dietmar Teickner 300 Euro, Jürgen Buchholz 120 Euro, Marina Degener 100 Euro, Markus Demann 50 Euro, Gerhard & Ulrike Kummel 50 Euro, Nathalie Müller 50 Euro, Manfred & Ute Domnick 50 Euro, Claudia Ahlert 50 Euro, Barbara Scheibler 50 Euro, Steffen & Sandra Seiler 50 Euro, Monika Stimmig 30 Euro, Paul Barth 20 Euro, Anita & Uwe Meybohm 20 Euro, Adam & Beate Werder 100 Euro, Christina Kux 50 Euro, Cornelia Noack 50 Euro, C.&H. Riedel 50 Euro, Vera Hirsch 50 Euro, Michael Rettberg 50 Euro, Elvira & H. Kölling 40 Euro, René & Ines Weidt 30 Euro, Hans-Dieter & Bärbel Müller 30 Euro und Robert Geschke 15 Euro.

11.273 Euro sind auf dem Konto eingegangen. Knacken wir die 15000-Euro-Marke? Jeder Cent zählt. Bitte spenden Sie!

Deshalb habe sie ihnen auch den Corona-Kinderbonus überlassen. „Sie durften sich aussuchen, was sie gern haben wollten.“ So gab’s Turnschuhe und Klamotten für die Großen. Die Kleinen haben sich Spielzeug ausgesucht. Von den monatlich rund 700 Euro, die sie zum Leben hat, zwacke sie auch immer das Taschengeld ab: „Zwanzig für die Großen, zehn für die Kleinen.“ Die Mutter ist sich sicher, dass ihre Kinder besser als manch andere lernen, mit Geld umzugehen. „Ich glaube, dass sie, auch wenn sie einmal gut verdienen, nie verschwenderisch sein werden.“ – Dass ihre Kinder einen guten Job bekommen, wünscht sie sich sehr. „Ich sage ihnen immer wieder: Macht euch bloß nie abhängig vom Amt!“

Auf der Suche nach einem Job

Sie ist während der Schulzeit zum ersten Mal schwanger geworden. Sie hat keine Ausbildung, hatte bisher nie einen festen Job. Sie sagt: „Ich wäre gern ein Vorbild. Ich würde auch gern arbeiten. – Es ist so unheimlich schwer, da rauszukommen.“ Für sie als Alleinerziehende sei nicht wichtig, was sie arbeitet, sondern wann: „Die Zeiten müssen stimmen.“ In aller Frühe aufstehen, frühstücken, um kurz nach halb acht die Tram zur Schule nehmen: Natürlich könnten ihre Kinder einen Teil Verantwortung auch schon allein tragen, räumt sie ein. „Aber das möchte ich nicht – sie sind doch noch Kinder. Ich will für sie da sein.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nicht alle vier wohnen bei der Mutter in Drewitz: der ältere Sohn lebt in einer Einrichtung in Sachsen-Anhalt, der jüngere bei der Großmutter im Schlaatz. „Wir haben aber guten Kontakt. Und zu Weihnachten sind wir alle zusammen. Dann kochen wir auch gemeinsam.“ Was, das stehe noch nicht fest – und hänge natürlich von den Angeboten ab. „Es gibt auf jeden Fall etwas Schönes“, sagt sie. „Mal gucken.“

Gutscheine für die Arche

Liebe Leser, wie unserer Gesprächspartnerin geht es vielen Arche-Eltern. Deshalb möchten wir mit unserer Sterntaler-Weihnachtsaktion nicht nur ihr und ihren vier Kindern eine Freude machen, sondern auch anderen, für die sie stellvertretend über ihre Sorgen gesprochen hat. Ein Teil der Spenden ist daher für Gutscheine gedacht – auf dass Arche-Familien bei einem ihrer nächsten Supermarkt-Besuche mal nicht auf den Cent nachrechnen müssen, was sie in den Einkaufswagen legen können und was nicht. – Bitte spenden Sie!

Anmerkung der Redaktion

In einer früheren Version haben wir – wie mit ihr vereinbart – den Namen der Mutter genannt und sie auch im Bild gezeigt. Weil es nach der Veröffentlichung zu Beleidigungen und Bedrohungen kam, haben wir uns dafür entschieden, die Familie zu schützen und den Namen und das Bild zu entfernen.

Hier finden Sie alle Sterntaler-Texte der MAZ.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Nadine Fabian

Mehr aus Potsdam

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.