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Perleberg

Erschreckend viele Wildunfälle in der Prignitz

An mehr als ein Drittel aller Verkehrsunfälle in der Prignitz war Wild beteiligt – es gab über 1067 Zusammenstöße dieser Art im Jahr 2017.

An mehr als ein Drittel aller Verkehrsunfälle in der Prignitz war Wild beteiligt – es gab über 1067 Zusammenstöße dieser Art im Jahr 2017.

Perleberg. Zusammenstöße nach Wildwechseln sind die Nummer eins bei den Unfallursachen in der Prignitz. „Ich habe noch von keinem anderen Landkreis gehört, der derartige Entwicklungen hat“, sagt Dieter Umlauf, Leiter der Polizeiinspektion Prignitz.

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Etwa ein Drittel aller Unfälle passieren jährlich in Verbindung mit wilden Tieren. „Das sind für 2017 etwa 1066 Wildunfälle“, so Umlauf. „Erfreulich ist es aber, dass sich dabei nur zwölf Personen verletzten.“

Prignitz hat ein verhältnismäßig dichtes Straßennetz

Betroffen sind dabei alle Straßen und Wege. „Die Besonderheit im Vergleich zu anderen Landkreisen und damit unfallbegünstigend ist das dichte Streckennetz der Prignitz“, schätzt Anja Autzen, Sachbereichsleiterin Ordnung und Verkehr in der Kreisverwaltung, ein.

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Es gibt in der Prignitz etwa 830 Kilometer Kreis-, Landes- und Bundestraßen. Hinzu kommen viele Kilometer Gemeindestraßen.

Auf der B 189 zwischen Groß Pankow und Pritzwalk ereigneten sich im vergangenen Jahr insgesamt 37 Unfälle, davon spielten bei knapp 80 Prozent der Zusammenstöße wilde Tiere eine Rolle. Diese Strecke ist eine der Spitzenreiter bezüglich der Wildunfälle.

Massive Unfallhäufung wegen Wildwechsel

Seit 2013 gibt es im Landkreis eine sogenannte Unfallhäufungslinie, die mit Blick auf das Thema Wild auffällig ist. Sie zeigt seit ihrer Einführung ganz klar eine massive Unfallhäufung aufgrund von Wildwechsel.

Der Anteil an allen registrierten Unfällen lag stetig bei über 30 Prozent. Ein Allzeithoch, wenn auch nur minimal, wurde im vergangenen Jahr erreicht. Doch auch schon 2011 waren die Zahlen erschreckend.

Derzeit gibt es keine wirksamen Maßnahmen zur Abschreckung des Wildes, wie Anja Autzen zugibt. „Zukünftig soll verstärkt an die erhöhte Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer appelliert werden.“ An auffälligen Stellen wird von der Straßenverkehrsbehörde ein Warnschild angeordnet, um die Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren in diesem Bereich aufmerksam zu machen – ein häufiges Bild auf den Straßen der Prignitz.

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Gängige Maßnahmen sind wirkungslos

Wissenschaftliche Untersuchungen haben indes ergeben, dass die gängigen und auch in der Vergangenheit praktizierten Maßnahmen wirkungslos sind. Mit Wildwarnreflektoren und Duftsäulen lässt sich das Verhalten der Tiere scheinbar nicht beeinflussen. „Zum einen gewöhnt sich das Wild an die Veränderungen und zum anderen kann es nur Geschwindigkeiten bis 60 Stundenkilometer registrieren.

Da die Fahrzeuge außerorts regelmäßig schneller als 60 km/h fahren, können die Tiere gar nicht reagieren“, so Autzen. „Es bleibt also nur, das Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu beeinflussen.“

Autofahrer sollen Warnschilder ernster nehmen

An 37 Stellen im Landkreis, an denen auf einer Länge von 300 Metern mindestens fünf Wildunfälle im Jahr passieren, wird daher mit dem Verkehrszeichen „Wildwechsel“ gewarnt. Die Verkehrszeichen befinden sich zum großen Teil an Bundes- und Landesstraßen. „Diese Warnschilder müssen von Autofahrern ernster genommen und die Geschwindigkeiten angepasst werden“, appelliert Anja Autzen.

Positive Erfahrungen seien auch mit Wildzäunen gemacht worden. Diese kommen bisher aber aus Kostengründen nur an Autobahnen zum Einsatz. Allerdings bestehe auch hier die Gefahr, dass sich Autofahrer in falscher Sicherheit wiegen. Reh- und Schwarzwild können trotz dieser Hindernisse durchaus auf die Straße gelangen. Eine endgültige Lösung für dieses Problem gibt es nicht.

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Von Marcus J. Pfeiffer

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