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Kletzke

Urne bei Grabungen in Kletzke entdeckt

Der Archäologe Jan Fornfeist gräbt sich durch die Geschichte von Kletzke. Von der Eisenzeit bis zum Mittelalter hat der Berliner schon einiges entdeckt.

Der Archäologe Jan Fornfeist gräbt sich durch die Geschichte von Kletzke. Von der Eisenzeit bis zum Mittelalter hat der Berliner schon einiges entdeckt.

Kletzke. Es ist einer dieser Tage Ende Oktober, an denen sich Jan Fornfeist ins Auto setzt und wie schon viele Male zuvor ins zwei Stunden entfernte Kletzke fährt. Ausgerüstet mit Laser und Nivelliergerät macht er sich in der Gemeinde Plattenburg an die Arbeit, als der Bagger wieder eine Schaufel Erdreich gehoben hat. Jetzt geht der Blick in den Untergrund. Und da wartet eine Überraschung auf Jan Fornfeist: Die Umrisse einer Urne zeichnen sich ab – ein sensationeller Fund.

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Wenig Platz für die Grabungen

Kletzke bekommt eine neue Straßenbeleuchtung und muss dafür im ganzen Dorf die Leitungen unterhalb der Gehwege freilegen lassen. Das ist die Gelegenheit für die Grabungsfirma Dressler aus Glienicke/Nordbahn (Oberhavel), ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen. Sie begleitet die Baumaßnahmen in Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde. Groß sind die Flächen nicht, die Jan Fornfeist untersuchen kann. Er muss sich an den Vorgaben der Baufirma orientieren, die für ihre Arbeiten nicht mehr Aufwand betreibt als notwendig.

Manchmal verschwindet der Archäologe in einer Grube von nur knapp einem Meter Durchmesser. Bei maximal 1,50 Meter Tiefe ist Schluss – aus statischen Gründen. Zudem liegen ja bereits Rohre und Leitungen in der Erde, die vor Jahren verlegt wurden. Der Fachmann spricht hier von einem „gestörten Bereich“, in dem er teilweise arbeiten muss. Gut möglich, dass es dort nichts mehr zu entdecken gibt.

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Es ist also nur ein Ausschnitt der Geschichte Kletzkes, der ans Tageslicht kommt – zum ersten Mal, denn gezielt wurden im Dorf noch keine Grabungen durchgeführt. Lediglich die Kirche wurde 1995 wissenschaftlich untersucht.

Funde aus verschiedenen Epochen

Nicht alle Funde sind so spektakulär wie die Urne, dafür aber gut verteilt auf verschiedene Epochen. Jan Fornfeist dokumentiert beispielsweise einen mittelalterlichen Bohlenweg und Natursteinpflaster, verlegt um 1700. Im Vorhof der Kirche stieß der Berliner erwartungsgemäß auf Bestattungen, die rund 50 Zentimeter tief in der Erde liegen. Darüber hinaus gab es im Schatten der berühmten Plattenburg in Kletzke weitere Wehrbauten in Form einer Burganlage sowie zwei als Motten bezeichnete, künstlich angelegte Erdhügel mit turmförmigen Gebäuden. Die Überreste sind heute aber nur noch für das geschulte Auge erkennbar.

Und das galt auch für die Urne. Ein Glücksfall. Und ein Einzelfall. Die Hoffnung, vielleicht ein Gräberfeld freilegen zu können, erfüllte sich am Tag der Entdeckung nicht. „Es ist leider nur ein Gefäß“, erklärt Jan Fornfeist. Es ist als solches nicht mehr zu erkennen, da im Laufe der Jahrtausende viel Sediment in die Urne gedrückt wurde.

Urne stammt aus der Eisenzeit

Erhalten geblieben ist aber der so genannte Leichenbrand mit Resten von Knochen. Beides wird im Labor genau untersucht, um möglichst viel über die bestattete Person zu erfahren.

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Eine erste Begutachtung der Scherben deutet auf die Jastorf-Kultur hin, benannt nach einem Urnengräberfeld, das in dem gleichnamigen Ort in der Nähe von Uelzen entdeckt wurde.

Auch die Urne aus Kletzke könnte aus der vorrömischen Eisenzeit stammen, Jan Fornfeist nennt eine Zeitspanne von 500 bis 300 vor Christus. Aber auch das wird noch genauer erforscht.

49 Tage hat Jan Fornfeist schon in Kletzke verbracht. Es werden noch einige hinzukommen, denn noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Das gilt für die Bauarbeiter und den Archäologen.

Auch wenn die Tage kürzer werden und das Wetter kälter – die Spannung bleibt. Denn keiner weiß, ob nicht im Boden des Dorfes weitere Schätze schlummern.

Von Stephanie Fedders

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