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Felsenhagen

Wo Marianne Hoppe aufwuchs

Marianne Hoppe mit ihrem Vater Karl auf dem Gut in Felsenhagen.

Marianne Hoppe mit ihrem Vater Karl auf dem Gut in Felsenhagen.

Felsenhagen. „Vor einigen Jahren, da hat Marianne Hoppe Felsenhagen noch einmal besucht“, sagt Ursula Eßmann. Einmal, um sich den Ort anzuschauen, in dem sie aufgewachsen ist. Und dann gab es noch Dreharbeiten zur Filmbiografie der deutschen Filmikone Hoppe in dem Dorf, in dem sie als Gutstochter aufgewachsen ist. Für „Die Königin“ wurde auch Günter Eßmann interviewt: Er sollte über die Zeit auf dem Gut und die Familie Hoppe erzählen. Das Video, das eine Familienangehörige mitbrachte, hüten die Eßmanns als Familienschatz. Bei der Premiere freilich war Eßmann nicht, berichtet seine Frau: „Das war viel zu weit.“

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Auch so mancher andere in der Nachbarschaft findet in den Fotoalben noch Bilder der deutschen Filmikone – und doch ist die Trägerin des großen Bundes-Verdienstordens in der Region fast unbekannt. Zumindest, wenn man von ihren zahllosen Rollen absieht, die sie während ihres schauspielerischen Lebens von den 1930er Jahren bis zu ihrem Tod 1991 auf die Leinwand brachte, darunter Fontaneverfilmungen wie der „Schimmelreiter“ und eine Effi-Briest-Adaption, sehr viele Auftritte in den beliebten Krimiserien „Der Alte“ und „Der Kommissar“.

Geboren wurde sie am 26. April 1909 als Tochter der Gutsbesitzer Karl und Margarethe Hoppe. Sie wächst zwischen Schule, Feld und Pferdestall auf. Auf dem Prignitzer Hof galt sie als Wildfang. Ihr Vater nahm sie erstmals mit elf Jahren ins Theater mit.

Als sie mit 15 Jahren nach Weimar in ein Mädchenpensionat geschickt werden sollte, ging sie statt dessen lieber auf die Handelsschule. Nachdem sie in Berlin Schauspielunterricht genommen hatte, trat sie erstmals 1928 auf der Berliner Bühne der Jugend auf, spielte auf bayrischen Bühnen und später am preußischen Staatstheater, wo sie auch ihren späteren Ehemann, den Intendanten Gustav Gründgens kennenlernte. Am Staatstheater begann ihre erfolgreiche Karriere als Gretchen in Goethes „Faust“. Richtig bekannt wurde sie jedoch erst mit ihren Filmrollen. Sie war bekannt für ihre vielschichtige Spielweise, mit der sie mühelos zwischen burschikos und zerbrechlich, zwischen Distanz und Nähe wechseln konnte, und für ihre Stimme, die wohltemperiert durch alle Stimmungslagen klettern konnte.

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Der Resthof des Gutes Felsenhagen.

Der Resthof des Gutes Felsenhagen.

Dass sie während der „zwölf braunen Jahre“, wie sie die Zeit des Nationalsozialismus später nennen sollte, dem Regime sehr nahestand, erfüllte den Ufa-Star im Nachhinein mit Schrecken. Sie bezeichnet später die Zeit in ihren Tagebuchaufzeichnungen als ihre „schwarzen Seiten im Poesiealbum“. Joseph Goebbels hatte ihr – erfolglose – Avancen gemacht, Hitler sie zu einem Essen mit Schauspielern eingeladen. Als Staatsschauspielerin übernahm sie rund 20 Filmrollen, darunter 1943 die „Romanze in Moll“. 1936 heiratete sie Gustav Gründgens, die Ehe sollte die beiden einerseits vor der Verfolgung der Nazis und andererseits ihre schauspielerische Karriere schützen: Zwar lebten die beiden in einer sehr engen, vertrauten Beziehung miteinander, die Gründgens anlässlich einer Premiere prägnant formulierte: „Erst Schönheit, dann Klugheit und dann das helle saubere Herz.“ Andererseits bekannte sich Gründgens offen zur Homosexualität und auch Marianne Hoppe lebte ihre Bisexualität etwa mit ihrer Liebe zu Therese Giese, die sie schon zu ihrer Weimarer Zeit kennengelernt hatte. Zehn Jahre sollte die Ehe dauern, und schon während der Ehe lernte Hoppe den britischen Journalisten Ralph Izaard kennen, mit dem sie später ihren einzigen Sohn haben sollte.

Nach dem Krieg siedelte Marianne Hoppe nach Bayern über, spielte Theater in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und Bochum, darunter als König Lear. Zahlreiche Rollen übernahm sie in Fernsehserien und Filmen, etwa in „Kir Royal“ oder in der Karl-May-Produktion „Der Schatz im Silbersee“.

Von Claudia Bihler

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