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Groß Kienitz

Die PS-Profis

Das Team von MCH: Michael Häntzschel, Geschäftsführer Marc Bosse und Gregor Behrendt (v.l.).

Das Team von MCH: Michael Häntzschel, Geschäftsführer Marc Bosse und Gregor Behrendt (v.l.).

Groß Kienitz. Für Autoliebhaber klingt Motorengeräusch wie Musik. Säuselnde Sechszylinder, blubbernde V8-Triebwerke oder ein fauchender Zwölfzylinder verursachen erst Gänsehaut und beim Tritt aufs Gas ein breites Grinsen im Gesicht.

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Doch kein Motor hält ewig. In solchen Fällen schlägt die Stunde von Marc Bosse. Er ist Geschäftsführer der Firma MCH in Groß Kienitz. Der 34-Jährige hat die Firma vor zwei Jahren übernommen. Angefangen hat er als Kunde. „Ich kam mit einem Motorschaden hier her“, erinnert er sich. Und er blieb als Mechaniker. Als gelernter Gas-Wasser-Installateur habe er sich umgewöhnen müssen. „Ich denke, ich habe logisches Verständnis und bin wissbegierig“, sagt Marc Bosse. Je schwieriger das Problem, umso mehr wird sein Ehrgeiz angestachelt. „Ich lasse erst locker, wenn ich den Fehler gefunden habe“, sagt er.

Wenn Werkstätten nicht weiter wissen, kommen sie nach Groß Kienitz

Rund drei Viertel der Kunden sind Firmen, häufig Werkstätten, die nicht mehr weiter wissen. „Heute steckt man nur noch den Stecker ins Diagnosegerät“, sagt Marc Bosse. Wird dort kein Fehler angezeigt, seien viele Werkstätten mit ihrem Latein am Ende. Oft muss man dann knobeln, manchmal auch improvisieren. In der MCH-Werkstatt stehen Maschinen, die bohren, fräsen, wuchten und schleifen. „Wo viele sagen, es geht nicht, finden wir fast immer eine Lösung“, sagt Marc Bosse. Notfalls arbeitet er Bauteile anderer Hersteller um – fast wie in einer Manufaktur.

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Oldtimer-Fans bringen ihre alten Schätze genauso gerne nach Groß Kienitz wie Liebhaber von möglichst viel PS. Neben der Instandsetzung ist die Leistungssteigerung ein weiterer Geschäftszweig. „Man kann aus 100 PS 500 machen“, sagt Marc Bosse. Damit der hochgezüchtete Motor nicht nach wenigen Kilometern in Rauch aufgeht, müssen wichtige Teile verstärkt oder ausgetauscht werden.

Das ist das Fachgebiet von Michael Häntzschel. Der 59-Jährige hat mehr als 40 Jahre Erfahrung im Rennsport. In den 70er Jahren begann er auf dem Motorrad und wechselte 1984 in den Autorennsport. Sechs Jahre fuhr er Tourenwagen und nahm mehrfach an Langstreckenrennen auf dem Nürburgring teil. „Ich habe viele Rennen gewonnen, aber leider keine Meisterschaft“, sagt er. Ende der 80er Jahre wurde ihm der Rennzirkus zuviel. Nachdem mehrere Sponsoren sich zurückzogen, beschloss Michael Häntzschel, das Cockpit gegen die Entwicklerwerkstatt zu tauschen. Als Ingenieur sorgte er ab Anfang der 1990er Jahre bei mehreren Rennställen dafür, dass die Autos schneller wurden.

Vaterfigur für heutige Formel-Eins-Fahrer

In dieser Zeit zog die Firma MCH von Berlin ins Umland. Wenn Michel Häntzschel nicht in Groß Kienitz schraubte, betreute er Rennfahrer wie Timo Scheider und Ralf Druckenmüller. Den jungen Sebastian Vettel kennt er noch gut. „Damals hatte er noch eine Zahnspange“, erinnert sich Häntzschel an die Zeit, als der viermalige Formel-Eins-Weltmeister seine ersten Renn-Erfahrungen sammelte. Pascal Wehrlein, der heute ebenfalls in der Formel Eins fährt, war einer seiner Schützlinge. „Es macht Spaß zu sehen, wo die beiden heute stehen“, sagt er. Er sei damals eine Vaterfigur gewesen. Aus gesundheitlichen Gründen und weil ihm das Geschäft zu schnelllebig wurde, hat er sich vor einigen Jahren aus dem Rennsport verabschiedet. Die Liebe zu Motoren ist geblieben. In Groß Kienitz möchte er sie noch ein paar Jahre ausleben.

Von Christian Zielke

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