Historie

Gedenken an die Opfer des Faschismus: Großbeeren startet Friedenswoche

Gedenken an die Opfer des Faschismus in Großbeeren im vergangenen Jahr. Im Anschluss entstand die Idee für die Friedenswoche.

Gedenken an die Opfer des Faschismus in Großbeeren im vergangenen Jahr. Im Anschluss entstand die Idee für die Friedenswoche.

Großbeeren. In Zeiten, wo Krieg in Europa nicht mehr denkbar sein sollte, aber stattfindet, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit wohl wichtiger denn je. Die Gemeinde Großbeeren schafft in diesem Jahr mit einer ganzen Friedenswoche gleich mehrere Gelegenheiten, sich unter verschiedenen Schwerpunkten mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

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Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am Montag – den Abschluss bildet das Gedenken an die Opfer des Faschismus, das in Großbeeren seit Jahren Tradition hat. Jeden zweiten Samstag im September erinnert die Gemeinde an diejenigen, die im ehemaligen Arbeitserziehungs- und Gestapodurchgangslager zwischen 1942 und 1945 leiden und ihr Leben lassen mussten.

Tochter eines französischen Kriegsgefangenen gab Impuls für Friedenswoche 

Wie Bürgermeister Tobias Borstel (SPD) berichtet, entstand die Idee für die Friedenswoche genau dort. Den Anstoß gab Nicole Godard – eine über 80-jährige Französin, Tochter eines Kriegsgefangenen und Präsidentin der „Föderation der Opfer und Überlebenden der nazistischen Zwangsarbeitslager“ in Frankreich. Nicole Godard hatte zur Gedenkveranstaltung auch eine Rede gehalten. „Es war ein Moment, der einen sehr bewegt hat“, erinnert sich Tobias Borstel. Im Anschluss habe man am Abend noch zusammengesessen und sich ausgetauscht.

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Die Französin hatte alte Zeitungsartikel und Fotografien aus den Jahren 1965 bis 1975 dabei. Damals hatten noch um die 3.000 Menschen an der Gedenkveranstaltung in Großbeeren teilgenommen. „Ich hab mich dann im Nachgang bei unseren Alt-Großbeerenern erkundigt und die haben mir bestätigt: Ja das war so“, erzählt Borstel. „Ich habe mich dann gefragt, warum ich nach vier Jahren als Bürgermeister noch nichts davon mitbekommen habe.“ So wuchs der Wille, die Gedenkveranstaltung im Jahr 2022 neu aufzuziehen.

Friedenswoche in Großbeeren: Die Termine im Überblick

5. September, 18 Uhr: Eröffnung der Friedenswoche an der OdF-Gedenkstätte. Um 19.30 Uhr läuft im Gemeindesaal der Film „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni. Danach folgt die Auswertung mit Medienwissenschaftler Denis Newiak.

6. September, 19 Uhr: Podiumsdiskussion zum Thema „Vertriebene damals – Vertriebene heute“ im Gemeindesaal

7. September, 19 Uhr: Theaterstück „Annes Kampf“ im Gemeindesaal mit anschließender Diskussion

8. September, 18 Uhr: Eröffnung der Wanderausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung und ortseigene Ausstellung zur Geschichte des „Arbeitserziehungslagers“ Großbeeren in der Alten Molkerei

9. September, 16 Uhr: Historischer Spaziergang entlang der thematisch bedeutenden Orte im Gemeindegebiet. Rund drei Kilometer lang. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung unter a.laag@grossbeeren.de erforderlich.

10. September, 14 Uhr: OdF-Gedenken an der Gedenkstätte mit Kranzniederlegung, Reden und musikalischer Begleitung. Gedenkmarsch ab 13.45 Uhr vom Rathaus zur Friedhofsmauer und zum ehemaligen „Arbeitserziehungslager“.

Innerhalb der Verwaltung hatten sich Großbeerens Pressesprecherin Angelika Laag, die Behindertenbeauftragte Angela Gabriel und Bürgermeister Tobias Borstel über den Rahmen abgestimmt. Unterstützt wird die Gemeinde zudem von Schülern der Otfried-Preußler-Schule, dem Ortschronisten Manfred Michael oder den Bürgertisch für lebendige Demokratie in Großbeeren. Gefördert wird die Friedenswoche von der Landeszentrale für politische Bildung.

Russische Regierungsvertreter wegen Krieg in der Ukraine ausgeladen

Tobias Borstel (SPD) hofft in der Woche auf einen regen Austausch. „Wir müssen daran erinnern, wie schlimm diese Kriegshandlungen sind und dass so etwas auf europäischem Boden nicht mehr passieren darf“, so der Bürgermeister. Ein klares Zeichen habe deshalb auch in Richtung Russland gesendet. In Bezug auf das OdF-Gedenken erklärt Tobias Borstel: „Wir haben die Russische Föderation ausgeladen und ihnen mitgeteilt, dass sie als Abgesandte der russischen Regierung nicht gerne gesehen sind.“ Zumal auch ukrainische Vertreter jedes Jahr in Großbeeren mit dabei sind.

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Gedenken an die Opfer des Faschismus in Großbeeren im vergangenen Jahr. In diesem Jahr findet die Veranstaltung ohne die Vertreter Russlands statt.

Gedenken an die Opfer des Faschismus in Großbeeren im vergangenen Jahr. In diesem Jahr findet die Veranstaltung ohne die Vertreter Russlands statt.

Den Russen habe man mitgeteilt, dass ihren Opfern an diesem Tag natürlich ebenso gedacht werde und sie die Möglichkeit haben, ihre Kränze nach der offiziellen Gedenkveranstaltung niederzulegen. Für den Bürgermeister keine einfache Entscheidung. Man verurteile damit aber nicht die russische Bevölkerung, sondern das Kriegstreiben der russischen Regierung.

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