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Kloster Zinna

Von Erfolgen und Niederlagen

„Nachgefragt“ haben die Wirtschaftsjunioren in Kloster Zinna.

„Nachgefragt“ haben die Wirtschaftsjunioren in Kloster Zinna.

Kloster Zinna.Zu einer Premiere hatten die Wirtschaftsjunioren Teltow-Fläming in die Neue Orangerie Schloss Zinna eingeladen. „Erfolgreich nachgefragt“ war die Talkrunde mit Unternehmern der Region betitelt, zu der Ressortleiterin Ina Jahnel-Werner etwa 100 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung begrüßte.

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Auch für die Neue Orangerie war eine Veranstaltung dieser Größenordnung ein Novum, wie Gastgeberin Claudia Gröhn anmerkte. Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Holger das Schloss Zinna als Veranstaltungs-Location.

Dass „Wachstum und Erfolg auch immer mit Niederlagen verbunden“ sind, weiß die Mehrzahl der Unternehmen. Sie reden nur nicht so gern darüber, sagt Ina Jahnel-Werner. Welche Herausforderungen erfolgreiche Unternehmer meistern mussten, sollte heute zur Sprache kommen.

Visionen umsetzen, Arbeitsplätze schaffen

Die Gesprächsrunde wurde bestritten von Ute Gaertner, Inhaberin von Gaertner Top Stylisten, Nadine Walbrach von NB-Küchen-Design und Unternehmensberater Volkmar Redlich. Außerdem waren dabei Uwe Kaim, Buchhändler und Vizepräsident der IHK Potsdam, sowie „Schlossherr“ Holger Gröhm, gleichzeitig Vorstand der producto AG und Betreiber des Portals „testberichte.de“. Die Leitung der Runde übernahm Moderator Christian Schulze.

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Vor dem Hintergrund sinkender Zahlen bei Unternehmensgründungen trotz stabiler Konjunktur warnt Volkmar Redlich davor, das Risiko zu scheuen und lieber ins Angestelltenverhältnis zu gehen. Es sei gefährlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland, der gerade auf dem Mittelstand basiert. Unternehmer müssten Visionen umsetzen und Arbeitsplätze schaffen. Massiv brennt derzeit das Thema Unternehmensnachfolge, Knackpunkt ist hier oft die Finanzierung und die unterschiedlichen Vorstel-lungen beider Seiten. Als Probleme mit schwer abzuschätzenden Folgen sieht er den Brexit, die künstlich niedrigen Zinsen oder die Rohstoffentwicklung. „Erfolg ist eine gefährliche Droge“ - inklusive der Neigung, nichts zu verändern.

Verschiedene Erfahrungen

Vom persönlichen Anfangspech mit einem großen finanziellen Verlust vor 27 Jahren berichtet Nadine Walbrach. Damals gab es keine Option der Insolvenz, doch zum Glück half die Familie mit einem Kredit. Sie und ihr Mann gingen Probleme immer lösungsorientiert an und brachten Familie und Firma unter einen Hut und in ein Haus.

Trotz vier Kindern ist die Nachfolge nicht geregelt, denn die jungen Leute sehen vor allem die Arbeit dahinter. Defizite sieht sie hier im Bildungssystem, Schule müsste „die Kinder mehr mit den Händen arbeiten lassen“. Spontaner Applaus kommt aus dem Publikum. Sie selbst wird jungen Leuten künftig per Praktikum mehr Einblicke bieten.

Als Holger Gröhn 2003 sein Unternehmen gründete, gab es reichlich gute und preiswerte Entwickler in Berlin. Dafür waren weder Kapital noch ein eigenes Büro vorhanden, und 700 Zeitschriften in Deutschland mussten überzeugt werden, ihre Testergebnisse bereitzustellen. Die ersten Jahre wurde praktisch durchgearbeitet, selbst die Mitarbeiter sind damals „entbrannt“. Heute enthält testberichte.de 700.000 Produktbewertungen, monatlich kommen 3.000 dazu. „Wir als Unternehmer sind enorm gefragt“, wenn es darum geht, sich nicht in bestehende Systeme einzuordnen, sondern weiter zu denken. Wir müssten „Dinge einreißen lernen - und haben dafür keine zehn Jahre mehr Zeit“.

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Wertigkeit des Berufes steigern und attraktiv machen

Als Uwe Kaim in das Unternehmen seines Vaters einstieg, hieß es bereits, der Buchhandel sei tot. Doch sie sind immer noch da, und zwar größer als zuvor. Die Branche ist ähnlich geblieben und manches Mal hat er ein Déjà vu, vor allem was die Baustellen rechts und links vom Geschäft betrifft. Den Vorschlag aus der Politik, Rücklagen für die entstehenden Ausfälle zu bilden, hält er für ungeeignet und ignorant. „Jeder sitzt in seinem Turm“, kritisiert er. Optimistisch ist er, dass eins seiner Kinder das Unternehmen in 4. Generation weiterführt. Aller Digitalisierung zum Trotz ist Schreiben per Hand wieder auf dem Vormarsch, freut er sich.

Ute Gaertner sieht seit der Gründung vor 18 Jahren vor allem ihr Team gefestigt. Ihr war es wichtig, nicht nur gut zu sein, sondern auch „der Nachweis, dass man gut ist“. Durch die Teilnahme am Wettbewerb Top-Salon oder der Fashion Week ist ihr das gelungen. Gestiegen sind sowohl die Kundenansprüche als auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Sie hat die Hoffnung, dass durch höhere Löhne die Wertigkeit des Friseurberufs steigt und damit auch für junge Leute wieder attraktiv wird.

Viel Gesprächsstoff auch nach der Veranstaltung

Nach der Diskussion von Fragen aus dem Auditorium gab es reichlich Zeit für persönliche Gespräche. Das Publikum fand die Veranstaltung sehr gelungen, so dass daraus durchaus eine Reihe werden könnte. Sehr zufrieden zeigte sich Unternehmer Jürgen Gottwald, aus seiner Sicht ist der Fachkräftemangel kein Problem für die Betriebe, sondern für die gesamte Gesellschaft. Die Integrationsbeauftragte des Landkreises Christiane Witt fand es spannend zu hören, „wie alles mit allem zusammenhängt“. Sie wird die Erkenntnisse mit in die Herbstkonferenz Teltow-Fläming nehmen.

Von Gerald Bornschein

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