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Dahlewitz

Kampf um den Wald

Claus Treffkorn (Linke), bis vor kurzem Dahlewitzer Ortsvorsteher, möchte den Wald in seinem Ort erhalten.

Claus Treffkorn (Linke), bis vor kurzem Dahlewitzer Ortsvorsteher, möchte den Wald in seinem Ort erhalten.

Dahlewitz.Ein Flugblatt macht seit einigen Tagen in Dahlewitz die Runde. Darin ist von einer drohenden Zerstörung von 90 Hektar Wald die Rede. Bürgermeister und Gemeindevertretung wollen Dahlewitz in eine „Gewerbesteuerwüste“ verwandeln, heißt es.

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Urheber des Flugblatts ist Claus Treffkorn (Linke). Er war bis zur Auflösung des Ortsbeirats vor gut zwei Wochen Ortsvorsteher von Dahlewitz. Schon vor mehr als einem Jahr äußerte er die Befürchtung, dass der Wald zwischen Sportplatz, Gewerbegebiet und Bahnstrecke verschwinden könnte. Als die Gemeindevertretung im November einen überfraktionellen Brief an Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) verschickte, in dem von einer Umwidmung von Dahlewitzer Flächen zu einem Gewerbegebiet zu lesen war, intervenierte der Ortsbeirat erneut.

SPD hält Verlust des Waldes für „verschmerzbar“

In einer Pressemitteilung stellte sich die SPD-Fraktion im Dezember demonstrativ hinter die Erweiterungsabsichten des Triebwerksherstellers Rolls-Royce. Dieser möchte einen Waldcampus errichten und plant die Ansiedlung weiterer Luftfahrtunternehmen in seinem direkten Umfeld. Der Verlust des Waldes östlich der Bahn ist aus Sicht der SPD „letztlich verschmerzbar“, hieß es, weil sich mit den zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen bestehende Erholungsmöglichkeiten verbessern lassen.

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Dem widerspricht Claus Treffkorn: „Es gibt genügend Flächen in Dahlewitz und in Richtung Groß Kienitz, die für Gewerbe in Frage kommen.“ Der innerörtliche Wald sei ein – nicht nur bei Dahlewitzern – beliebter Spazierweg und Teil eines Landschaftsschutzgebiets. Im Kampf um dessen Erhalt sei der Ortsbeirat übergangen worden. Bereits im Dezember 2016 hatte das Gremium gefordert, den Wald zu erhalten. „Leider hat niemand diesen Antrag beachtet und in den anderen Gremien behandelt“, sagt er.

Bürgermeister wirft Treffkorn Panikmache vor

Dem widerspricht Bürgermeister Ortwin Baier (SPD): „Der Ortsbeirat wurde angehört.“ Die Stellungnahme gehe in die Abwägung zum Landesentwicklungsplan ein. Mit seinem Flugblatt verbreite Treffkorn unnötig Panik, kritisiert Baier. Bislang stünden die Gewerbegebietspläne noch völlig in den Sternen. In ihrer Stellungnahme habe die Gemeinde ein – wie Baier betont – einstimmiges Signal ans Land für die Verlängerung der S-Bahn nach Dahlewitz gesendet. „Der Wohlstand der Gemeinde beruht zu einem großen Teil aus Gewerbesteuereinnahmen“, sagt Baier. Davon hätte in den vergangenen Jahren auch Dahlewitz profitiert. Das Gewerbegebiet mit Rolls-Royce ziehe andere Unternehmen an, die wiederum die Nähe der Triebwerksbauer suchten. „Statt Panik zu verbreiten sollte Herr Treffkorn lieber Vorschläge zu Ausgleichsflächen für den Wald machen“, sagt Baier.

Rolls-Royce selbst scheint es mit einer Waldumwandlung nicht so eilig zu haben. „Für Erweiterungen unserer Aktivitäten hätten wir auch in Zukunft hinreichend Platz auf unserem derzeitigen Betriebsgelände“, teilt Unternehmenssprecher Stefan Wriege mit. Zudem stünden im Gewerbegebiet noch weitere Flächen zur Verfügung. Letztlich entscheiden Dritte über Gewerbeansiedlungen oder Infrastrukturmaßnahmen wie die S-Bahn.

Von Christian Zielke

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