Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Schule

Eltern getrennt: Kinder aus Luckenwalde dürfen nicht kostenlos Schulbus fahren

In Teltow-Fläming dürfen circa 8000 Schülerinnen und Schüler kostenlos mit dem Bus zur Schule fahren.

In Teltow-Fläming dürfen circa 8000 Schülerinnen und Schüler kostenlos mit dem Bus zur Schule fahren.

Luckenwalde. Eigentlich ist es nichts Ungewöhnliches: Antons Eltern haben sich getrennt. Jetzt wohnt er eine Woche bei seiner Mutter in Luckenwalde, die zweite Woche beim Vater in Nuthe-Urstromtal. Immer fährt er mit dem Bus zur Grundschule. Seit Jahren klappt das reibungslos. Auch bei seinen Schwestern Anna und Amelie (alle Namen von der Redaktion geändert) gab es keine Probleme. „Doch neulich hat ein Busfahrer die Kinder darauf hingewiesen, dass die Schülertickets von Luckenwalde aus nicht gültig seien“, sagt Daniel Goral, der Stiefvater der drei Kinder. Die Patchwork-Familie will das Problem klären. „Wir möchten den Kindern gern ein besseres Gefühl verschaffen“, sagt Goral. „Momentan haben sie jedes Mal das Gefühl, schwarz zu fahren.“ Doch die Busfahrten werden für die Familie zur Odyssee.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Eine spezielle Satzung regelt, welche Schüler in Teltow-Fläming den Bus kostenlos nutzen dürfen.

Eine spezielle Satzung regelt, welche Schüler in Teltow-Fläming den Bus kostenlos nutzen dürfen.

In Teltow-Fläming dürfen viele Grundschüler den Schulbus kostenlos nutzen, weil die oft kilometerlange Strecke ihnen weder zu Fuß noch mit dem Fahrrad zuzumuten wäre. Auch für ältere Jahrgänge gibt es diese Regelung, allerdings mit größeren Mindestentfernungen zwischen Wohn- und Schulort. Insgesamt rund 8000 Jungen und Mädchen in Teltow-Fläming müssen für den Schulbus deshalb nichts zahlen.

Viele von ihnen dürften wissen, wie es ist, zwischen Vater und Mutter zu pendeln. Immerhin endet jede dritte Ehe in Scheidung. Dass die Kinder zu gleichen Teilen bei beiden Eltern leben, kommt allerdings in weniger als zehn Prozent aller Fälle vor – im Landkreis Teltow-Fläming offenbar so selten, dass Anton, Anna und Amelie zum Ausnahmefall wurden. Laut dem Bildungsamt TF sind in den letzten drei Schuljahren lediglich sieben Widersprüche aus betroffenen Fällen eingegangen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Doch die Statistiken interessieren die Patchwork-Familie herzlich wenig. Sie wollen eine Lösung für ihre Kinder. Aber die gibt es auch nach monatelangem Schriftverkehr mit den Behörden nicht – im Gegenteil. Zwischenzeitlich durften Anton, Anna und Amelie den Schulbus gar nicht mehr umsonst nutzen. Denn es stellte sich heraus, dass sie keinen Anspruch haben, weil sie bei der Mutter in Luckenwalde gemeldet waren. Somit besuchten sie nicht die nächstgelegene Grundschule. Aber nur dann hätten sie überhaupt Anspruch auf die kostenlosen Fahrten.

Kinder haben Meldeadresse gewechselt

„Um wenigstens wieder Fahrausweise für die Hälfte der Zeit zu bekommen, wurden die Kinder inzwischen umgemeldet, haben nun ihren Hauptwohnsitz am Wohnort des Vaters“, erklärt Stiefvater Daniel Goral. Er und seine Frau hätten sich gewünscht, dass die Behörde wenigstens im Sinne der Kinder einen Ermessensspielraum genutzt hätte.

Doch den gibt es gar nicht, berichtet das Bildungsamt auf MAZ-Anfrage. Die Satzung über die Schülerbeförderung in Teltow-Fläming sieht keinen Ermessensspielraum vor, heißt es aus dem Amt. Auch Verwaltungsgerichte hätten das in der Vergangenheit so gesehen. „Eine Verpflichtung, alle mit dem Schulbesuch verbundenen durch die Entscheidung der Eltern entstehenden Kosten zu tragen, besteht grundsätzlich nicht“, lautet das Fazit der Antwort aus dem Luckenwalder Kreishaus.

„Was ist denn das für ein Signal für die Kinder!?“

Für die Patchwork-Familie ist das alles wenig nachvollziehbar. Bis heute stehen sie ohne eine Lösung für die drei Kinder da. „Es ist doch grotesk, dass die Fahrtkosten vom Wohnsitz eines Elternteils übernommen werden und vom Wohnsitz des anderen nicht“, sagt Daniel Goral. „Was ist denn das für ein Signal für die Kinder!? Hier müssen Ausnahmen möglich sein, die Satzung sollte in diesem Punkt angepasst werden. Sind Gesetze für die Menschen gemacht oder Menschen für die Gesetze?“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Kritik der Familie richtet sich aber nicht ausschließlich gegen den Landkreis. Auch die bundesweiten Regeln sind für sie weitab der gelebten Realität. „Wir wissen, dass nach bundesdeutschem Melderecht ein Mensch in Deutschland nur einen Hauptwohnsitz haben kann“, sagt Goral, „und das ist sicher auch eine begründete und sinnvolle Regelung, jedenfalls bei voll geschäftsfähigen Personen. Aber bei Kindern, die nach der Trennung der Eltern zu 50 Prozent bei einem und zu 50 Prozent beim anderen Elternteil leben, ist diese Festlegung schlicht und einfach falsch, weil sie an der Alltagswirklichkeit solcher Lebensmodelle vorbei geht.“

Goral sieht Änderungsbedarf im Melderecht: „Bei minderjährigen Personen sollte die Angabe von zwei Hauptwohnsitzen möglich sein. Das Bürgerliche Gesetzbuch ist an dieser Stelle übrigens ganz eindeutig. Dort heißt es: ,Ein Kind teilt den Wohnsitz der Eltern’.“

Von Victoria Barnack

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.