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Gesundheit

Luckenwalde: KMG Klinikum schließt Kreißsaal bis zum 28. Juni

Das KMG Klinikum in Luckenwalde – der Kreißsaal ist derzeit geschlossen.

Das KMG Klinikum in Luckenwalde – der Kreißsaal ist derzeit geschlossen.

Luckenwalde. Werdende Mütter in der Region schlagen Alarm: Wer kurz vor der Entbindung steht und sein Kind eigentlich im Luckenwalder Krankenhaus zur Welt bringen wollte, hat Pech. Das KMG Klinikum hat seinen Bereich für Geburtshilfe vorübergehend geschlossen – bis zum 28. Juni. Im Fachjargon heißt das „temporär abgemeldet“. Der Grund: Personalmangel.

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KMG Klinikum Luckenwalde: Personalmangel schon im Frühjahr

Das Personaldefizit hatte sich schon länger angekündigt. Marie Schultz konnte im März noch auf der Luckenwalder Entbindungsstation ihr Kind zur Welt bringen. „Aber schon da gab es viel zu wenig Personal. Die Beschäftigten hatten so viel zu tun und waren total überlastet“, berichtet sie. Als zweifache Mutter ist Marie Schultz bereits erfahren. „Aber wenn man als junge Mutter mehr Hilfe gebraucht hätte, wäre es schwierig geworden“, schildert sie das Dilemma. Als sie im vorigen Jahr mit ihrem ersten Kind zur Kinderstation musste, ist ihr der Personalmangel ebenfalls aufgefallen. „Während der Coronazeit wurden dort auch Erwachsene untergebracht und das Personal war unterbesetzt“, sagt sie, betont aber, dass die verbliebenen Krankenschwestern vor Ort immer freundlich und bemüht waren.

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Schon seit Wochen gab es offensichtlich an den Wochenenden immense Personalprobleme, sodass Schwangere umgeleitet oder Bereiche geschlossen wurden. Juliane S. hat im Februar ihr zweites Kind zur Welt gebracht. Die Luckenwalderin hatte die gesamte Vorsorge vor Ort in Anspruch genommen und wollte auch in Luckenwalde entbinden. Sie lag bereits mit Wehen im Kreißsaal, als ihr mitgeteilt wurde, dass man ihre Entbindung nicht angemessen medizinisch begleiten könne, da für den Notfall kein Anästhesist zur Verfügung stehe. Die 34-Jährige wurde daraufhin mit einem Krankentransport nach Ludwigsfelde gefahren – an einem Sonntag. „Ich war traurig und sauer, obwohl ich dann im Ludwigsfelder Krankenhaus bestens betreut wurde“, erzählt die zweifache Mutter.

Entbindungsstation an Wochenenden geschlossen

Eine andere frischgebackene Mutter berichtet: „An einem Freitag kurz vor dem Entbindungstermin wurde mir telefonisch mitgeteilt, dass die Entbindungsstation am Wochenende geschlossen ist und ich in solchem Fall nach Ludwigsfelde oder Potsdam fahren müsste.“ Glücklicherweise ließ sich das Baby Zeit, sodass die 32-Jährige am 24. Mai – einem Wochentag – doch in Luckenwalde entbinden konnte.

Das KMG Klinikum Luckenwalde.

Das KMG Klinikum Luckenwalde.

Eine weitere Mutter berichtet, dass die Kinderstation geschlossen ist und einige wenige Betten in der Abteilung Gynäkologie/Geburtshilfe untergebracht wurden. „Wir haben Sorge, dass die Entbindungs- oder die Kinderstation oder beide komplett geschlossen werden und das wäre für unsere Kreisstadt und die Versorgung im Landkreis eine Katastrophe“, sagt sie und moniert, dass das KMG Klinikum zu wenig unternehme, um Personal zu finden.

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KMG bestätigt Personalmangel

Die Geschäftsführung der Klinik bestätigt den Personalmangel und einige daraus entstandenen Defizite. „Das KMG Klinikum Luckenwalde war leider gezwungen, den Kreißsaal für kurze Zeit, voraussichtlich bis zum 28. Juni 2022, von der Versorgung abzumelden“, heißt es gegenüber der MAZ. Alle weiteren Leistungen inklusive Geburtsplanungsgespräche für werdende Eltern, würden aber weiterhin angeboten. „Die Patientinnen der Gynäkologie und des Brustzentrums können weiterhin regulär versorgt werden“, versichert Sascha Nenninger von der Unternehmenskommunikation.

Die Geburtshilfe ist zurzeit abgemeldet.

Die Geburtshilfe ist zurzeit abgemeldet.

Die Station für Kinder- und Jugendmedizin könne aktuell keine kranken Neugeborenen versorgen. „Werdende Eltern oder Schwangere sowie die Rettungsleitstelle, niedergelassene Frauenärzte und die umliegenden Kliniken sind informiert“, teilt das Klinikum mit.

KMG: „Außergewöhnlich hoher Krankenstand“

Grund für die Situation sei „ein aktuell außergewöhnlich hoher Krankenstand, auch durch Corona-Infektionen, sowie teilweise auch aktuell offene Stellen im spezialisierten Pflegebereich“. Das Klinikum betont aber ausdrücklich, dass die Geburtshilfe- und die Kinderstation nicht geschlossen werden sollen. „Es handelt sich um eine temporäre Ausnahmesituation“, so Nenninger.

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Krankenhaus Ludwigsfelde gut vorbereitet

Im Evangelischen Krankenhaus in Ludwigsfelde kann man die zusätzliche Zahl an Geburten offensichtlich gut auffangen. Matthias Leupold, Chefarzt der Frauenklinik: „Wir merken den Zustrom und sind darauf eingestellt, sodass die werdenden Mütter und ihre Babys gut versorgt werden können.“ Der Kreißsaal sei mit Hebammen und ärztlichem Personal gut besetzt. „Wir freuen uns über den Zulauf“, sagt Leupold, räumt aber ein: „Wie überall gibt es auch bei uns einen gewissen Personalmangel in der Pflege. Wir versuchen, ihn bestmöglich zu kompensieren.“

Von Elinor Wenke

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