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Luckenwalde: „Meisterfälscher“ Dieter Illner in Platznöten

Hobbymaler Dieter Illner aus Luckenwalde.

Hobbymaler Dieter Illner aus Luckenwalde.

Luckenwalde. Nein, ein Meisterfälscher ist er nicht. Dieter Illner aus Luckenwalde kopiert die Werke berühmter Maler und signiert jedes einzelne mit seinen Initialen. Das nur zur Richtigstellung. Allerdings malt er derart professionell, dass er die Kopien - gleichsam Konrad Kujau - auch als Originale hätte ausgeben können.

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Doch das liegt dem Hobbymaler fern. Momentan drücken ihn ganz andere Probleme, die weniger mit der Frage um Betrug, als vielmehr mit der Suche nach einer Verwendung zu tun haben.

Aus Berlin nach Luckenwalde

Doch von vorn. Der in Berlin geborene Dieter Illner war schon als Kind ein begeisterter Zeichner. „Sicher habe ich mich durch meinen Vater inspirieren lassen, der als Restaurator gearbeitet hat“, vermutet der heute 70-Jährige.

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„Er hat recht frühzeitig mein Talent erkannt und mich sogar mithelfen lassen, wenn es darum ging, die Gesichter auf alten Gemälden wieder herzustellen“, erinnert er sich. „Denn Gesichter konnte er nicht ganz so gut malen“. Zudem, so fügt Illner hinzu, war der Job ein kleiner Nebenverdienst, den er sich als Jugendlicher nicht entgehen lassen wollte.

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Ringer beim 1. LSC Luckenwalde

„Nachdem ich meine sportliche Kariere als Ringer beim 1. LSC Luckenwalde an den Nagel hängen musste, hätte ich gern mehr Zeit für mein Hobby gehabt“, sagt er. Damals sei er 21 gewesen. Berufliche Ausbildung und die Arbeit machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

„Dennoch habe ich jede freie Minute dafür genutzt, um zu Malen. Selbst wenn ich krank war, fiel mir aus Langeweile nichts Besseres ein“, erzählt er schmunzelnd. Dabei fokussierte er sich vor allem auf das Kopieren großer Meister. So habe er sich keine großen Gedanken über das Finden eines Motives machen müssen.

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Dieter Illners Atelier befindet sich auf dem Dachboden.

Dieter Illners Atelier befindet sich auf dem Dachboden.

Erste Ausstellung in Trebbin

Die erste eigne Ausstellung war seinem Lieblingsmaler der Romantik gewidmet. Der noch sehr junge Illner hatte sich an keinem Geringeren als Carl Spitzweg ausprobiert. Die rund 20 Kopien von Spitzwegs Werken waren eine Zeitlang in Trebbin zu sehen und auch zu kaufen. „Damals war ich gerade mal 25 Jahre alt und unwissend. Da kam einer, der hat pro Bild einige hundert Mark hingelegt. Da habe ich gewusst, dass so ein Hobby auch lukrativ sein kann“, erzählt er.

Mona Lisa als Testversuch

Spitzwegs Motive blieben zunächst seine Favoriten, später kamen dann Werke von Rembrandt, Rubens, van Gogh, Monet und Renoir hinzu. „Zu dieser Zeit probierte ich mich erstmals an der Mona Lisa aus“, erinnert er sich. Allerdings nicht in Originalgröße, so wie sie derzeit in seinem Atelier zu sehen ist.

„So richtig schien sie mir aber nicht gelungen. Daher machte ich mich mit der Arbeitsweise Leonardo da Vincis bekannt. Ich lernte, dass der Künstler bei diesem Bild bis zu 20 Lasurschichten aufgetragen haben muss, um diese Tiefe zu erzielen“. Bei seinem zweiten Versuch, der Jahre später erfolgte, nutzte er das Wissen um die Technik. Über ein Jahr dauerte es, bis die Mona Lisa fertig gestellt war.

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Picasso, Monet, Kandinsky oder Dali reizen Dieter Illner – das hier ist nur ein kleiner Teil der Werke, die auf Verwendung hoffen.

Picasso, Monet, Kandinsky oder Dali reizen Dieter Illner – das hier ist nur ein kleiner Teil der Werke, die auf Verwendung hoffen.

Picasso, Marc, Kandinsky oder Dali reizen ihn

Kein Wunder, dass es ihm bei einem derartigen Arbeitsaufwand schwer fällt, den richtigen Preis für seine Bilder festzulegen. Natürlich haben Leinwand, Pinsel und Farben ihren Wert, Zählt man aber die Zeit mit, die Illner an einem Werk sitzt, ist es fast unmöglich. Daher tut er sich schwer, eines seiner Werke wegzugeben.

Inzwischen, so gesteht er, sind es auch nicht mehr nur die alten Meister, die ihm als Vorlage dienen. Auch Picasso, Marc, Kandinsky oder Dali reizen ihn, Kopien anzufertigen oder gar neue eigene Kreationen zu schaffen. So hätten vor allem von Kandinskys expressionistische Werke einen starken Einfluss. Seine daraus entstanden Bilder könnten eine Mischung beider sein, quasi „Kadillner“.

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Postkarten für die Stadt Luckenwalde

Ein eigener Stil ist vor allem in seinen Zeichnungen zu finden. „Ich habe recht früh damit begonnen, Karikaturen für Vereine, Zeitungen oder Privatpersonen anzufertigen. Dazu gehört auch das Postkartenset mit den Pelikanen für die Stadt Luckenwalde“, sagt er. Im Laufe der Jahrzehnte sind zahlreiche Zeichnungen entstanden. Zudem haben sich rund 200 Werke in Öl oder Acryl angesammelt, von Rembrandt bis Gauguin. Sie alle verharren unbetrachtet in dem ausgebauten Dachatelier seiner Wohnung. So, wie auch die Mona Lisa.

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Mit Vorliebe kopiert Dieter Illner die alten Meister.

Mit Vorliebe kopiert Dieter Illner die alten Meister.

Luckenwalder sucht Abnehmer

Doch nun denkt Dieter Illner, der schon lange Rentner ist, an eine räumliche Verkleinerung. Damit wirft sich die Frage auf, wo zukünftig die Bilder unterkommen sollen. „Ich kann mir vorstellen, einige davon dauerhaft an größere Institutionen gegen eine Gebühr auszuleihen. Man kann sie nach einer bestimmten Zeit ja auch austauschen“, fügt er hinzu.

Zudem hofft er, dass sich kleine Galerien oder Museen sich bei ihm melden, die sich dafür interessieren, die Kopien oder seine Originale auszustellen. „Gern veräußere ich auch Exemplare an Privatpersonen. Vielleicht sucht der eine oder andere Arzt oder Anwalt noch ein Bild für seine Praxis“, meint er. Da er mit dem Malen noch lange nicht aufhören will, bleibt er auch offen für Neuanfertigungen. Dass sich damit sein Bestand kaum reduzieren lässt, nimmt er wohlweislich in Kauf.

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