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Ludwigsfelde

Trotz der Eltern-Proteste Umzug in zeitweilige Kita

Das Vereinsdomizil City-Treff an der Erich-Klausener-Straße in Ludwigsfelde, direkt zwischen den Autobahn-Brücken  und der Saunatherme; wegen der großen Kita-Platznot hatte das DRK dort bis ende Januar eine zeitweilige Kita unterbringen müssen, jetzt muss die Stadt diese temporäre Einrichtung übergangsweise weiternutzen

Das Vereinsdomizil City-Treff an der Erich-Klausener-Straße in Ludwigsfelde, direkt zwischen den Autobahn-Brücken und der Saunatherme; wegen der großen Kita-Platznot hatte das DRK dort bis ende Januar eine zeitweilige Kita unterbringen müssen, jetzt muss die Stadt diese temporäre Einrichtung übergangsweise weiternutzen

Ludwigsfelde. Unzufrieden verließen zwei Dutzend Eltern und Großeltern am Dienstag das Rathaus Ludwigsfelde: Die Stadtverordneten entschieden, dass 40 Kinder aus der Kita "Benjamin Blümchen" in der relativ ruhigen Schulstraße in eine temporäre Kita ins Vereinsdomizil City-Treff direkt an der Autobahn umziehen. 27 Eltern hatten, wie MAZ berichtet, mit Petitionen dagegen gekämpft.

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Hintergrund für den mit deutlicher Mehrheit beschlossenen Schritt ist die Kita-Not. Ohne die zeitweilige Einrichtung, deren Betriebserlaubnis Kinder ab zwei Jahre gestattet, müsste die Stadt ab März anderen Eltern die gesetzlich zugesicherte Betreuung ganz versagen. Deshalb lässt sie von 80 "Benjamin-Blümchen"-Kindern 40 ältere in eine zeitweilige Kita umziehen.

Die gab es bereits seit anderthalb Jahren, sie wird jetzt mit einem DRK-Neubau frei. Die Verwaltung sieht keine andere Chance, alle Kinder betreuen zu lassen: Bau- und Betreiber-Anträge dauern viel zu lange, Container-Käufe sind unmöglich, der Markt ist leer.

Wortführerin der Eltern-Proteste im Rathaussaal von Ludwigsfelde vor den Stadtverordneten

Wortführerin der Eltern-Proteste im Rathaussaal von Ludwigsfelde vor den Stadtverordneten

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Die Eltern-Wortführerin hatte mehrfach die Lärmbelastung am Autobahn-Südring ins Feld geführt. Sie monierte fehlende konkrete Lärmwerte und zitierte aus einem Behördenschreiben: Aus der Dauerhaftigkeit des Lärms ergebe sich seine besondere Lästigkeit. Eindringlich mahnte sie: „Sie sind unsere Vertreter, Sie – und keine Behörde – entscheiden nach Ihrem Gewissen.“

Mutter muss nun morgens 3 Kinder verteilen

Jessica Pina-Y-Ripke ist Mutter dreier Jungs, sie muss mit dieser Entscheidung morgens nun drei Kinder-Einrichtungen anfahren, bevor sie in den Arbeitsalltag als Referendarin nach Potsdam starten kann. Deshalb ist sie unzufrieden.

Der knapp dreijährige Sohn von Ulrike Liske muss nicht umziehen, unzufrieden ist die Mutter dennoch: „Das ist doch alles lange bekannt, schon als ich schwanger war, hat man mir gesagt, dass Kita-Plätze fehlen.“

Vor der Entscheidung hatte auch sie den Stadtverordneten ins Gewissen geredet: „Nehmen Sie uns die großen Kinder weg, haben die kleinen keine mehr, von denen sie lernen können! Sie entscheiden heute, ob unsere Kinder später sozialkompetent sind.“

Stadt hat das Wohl aller im Blick

Sowohl Verwaltung als auch Stadtverordnete verwiesen vor der Entscheidung auf die politische Dimension des Dilemmas. Die Stadt habe das Wohl aller Ludwigsfelder zu berücksichtigen, nicht nur das einzelner, sondern auch das von Eltern, die überhaupt auf Kita-Plätze warten, um arbeiten gehen zu können.

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Bürgermeister Andres Igel (SPD) im Rathaussaal von Ludwigsfelde bei der Kita-Umzugsdebatte vor Stadtverordneten und Eltern, die 27 Petitionen eingereicht hatten: „Stand heute brauchen wir bis zum Sommer aber noch 300 Plätze.“

Bürgermeister Andres Igel (SPD) im Rathaussaal von Ludwigsfelde bei der Kita-Umzugsdebatte vor Stadtverordneten und Eltern, die 27 Petitionen eingereicht hatten: „Stand heute brauchen wir bis zum Sommer aber noch 300 Plätze.“

Bürgermeister Andreas Igel (SPD) sprach wegen des Zuzugs von einer bundesweit besonderen Situation. Zu den in Rede stehenden 40 Kindern, die umziehen müssen, erklärte er: „Stand heute brauchen wir bis zum Sommer aber noch 300 Plätze.“

Fachbereichsleiter Paul Niepalla sagte, der tatsächliche Zuzug werfe derzeit schärfste Prognosen über den Haufen. Praktisch zöge jährlich allein eine 80-Plätze-Kita voller U-Sechsjähriger in die Stadt, dennoch sei allen Eltern die Betreuung zuzusichern.

Er sprach von einem Spagat; damit der gelinge, gebe es nur diese Möglichkeit, so der Mann aus der Rathausspitze. Zwei Kindergruppen ziehen komplett mit ihren Erziehern um. Außerdem, so Niepalla, werde das Außengelände zusätzlich eingezäunt, Innenräume würden gegen andere Nutzer im Haus mit Zusatzzahlenschlössern gesichert.

Stadt entschuldigt sich

Und Niepalla sagte zum Umgang mit den Petitionen Anfang Dezember: „Den Auftakt haben wir vergeigt, dafür entschuldigen wir uns. Heute würden wir das anders machen.“

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Kita-Eltern in Ludwigsfelde beschwören die Stadtverordneten auch am 29. Januar, dem zeitweiligen Umzug ihrer Kinder aus der Kita "Benjamin Blümchen" in die Kita City Treff nicht zuzustimmen. Im Vordergrund Stadtverordneter Hans-Erwin Baltrusch, Fraktionschef Vereinete-Freie Wähler; auf seinen Antrag hin wird den Eltern jetzt unabhängig von der Petitionsantwort außerdem fachlich differenziert geantwortet.

Kita-Eltern in Ludwigsfelde beschwören die Stadtverordneten auch am 29. Januar, dem zeitweiligen Umzug ihrer Kinder aus der Kita "Benjamin Blümchen" in die Kita City Treff nicht zuzustimmen. Im Vordergrund Stadtverordneter Hans-Erwin Baltrusch, Fraktionschef Vereinete-Freie Wähler; auf seinen Antrag hin wird den Eltern jetzt unabhängig von der Petitionsantwort außerdem fachlich differenziert geantwortet.

Hans-Erwin Baltrusch, Vorsitzender der Fraktion Vereinte-Freie Wähler, erklärte: „Ich bin nicht dazu da, wiedergewählt zu werden.“ Die Stadtverordneten beschlossen auf seinen Antrag hin auch einen Zusatz in der Antwort der Petitionen, bei den 14 individuellen werde auf fachliche Fragen separat geantwortet.

Zwischeninformationen fehlten

Auf die MAZ-Frage, wofür genau sich die Stadt entschuldige, sagte Bürgermeister Andreas Igel (SPD): „Die Transparenz zur Gesamtsituation und unsere Informationen an betroffene Eltern waren alles andere als optimal. Damit haben sich vermeintliche Fronten in einer Dimension aufgetan, die in der Nachbetrachtung vermeidbar waren.“ Außerdem hätten die Eltern besser mit Zwischeninformationen versorgt werden müssen, so der Rathauschef.

Bürgermeister sieht positiven Mehrwert

Er gewinnt der Situation dennoch Gutes ab. Vor den Versammelten erklärte er: „Danke, dass uns dieser Fall auch aufgrund der engagierten Eltern weiterbringt.“ Die gewonnenen Erkenntnisse werde er bei Lärmaktionsplan, Schallschutz und dem Kampf um ein Geschwindigkeitslimit auf dem Autobahn-Abschnitt Ludwigsfelde nutzen; „ein positiv zu bewertender Mehrwert“, so Igel.

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Von Jutta Abromeit

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