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Rangsdorf

Zwei Siedlungen auf dem Bücker-Gelände

Das Gelände des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf mit dem Bücker-Flugzeugwerk.

Das Gelände des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf mit dem Bücker-Flugzeugwerk.

Rangsdorf.Was man hat, wird einem oft erst bewusst, wenn es nicht mehr da ist oder wenn ein Außenstehender darauf aufmerksam macht. Die Rangsdorfer taten sich viele Jahre schwer mit ihrem Konversionsgelände. Weil die Gemeindevertreter dem Verfall der Hallen des alten Bücker-Werkes und des Flugplatzes nicht länger zusehen wollten, stellten sie 2016 den Antrag auf Abriss.

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Plötzlich kommt dann jemand, der von einem archäologischen Schatz spricht, den es zu heben gilt. Erik Roßnagel, der Geschäftsführer der Firma Terraplan, die das Gelände in diesem Jahr gekauft hat, stellte am Dienstag eine erste Vision für das Gelände vor. "Ich sehe ein Wohngebiet, in dem die verschiedenen Generationen und Einkommensgruppen zusammen leben und in dem keine Gruppe isoliert wird", sagte er in der Sitzung des Rangsdorfer Bauausschusses.

Eine Bücker- und eine Fliegersiedlung

Das Bücker-Gelände, so seine Hoffnung, könnte identitätsstiftend für Rangsdorf sein, ähnlich wie das Funkerberg-Areal in Königs Wusterhausen, das eigene Hinweisschilder an der Autobahn hat. Zwei neue Siedlungen sollen entstehen: die Bückersiedlung mit Wohnungen in den denkmalgeschützen Hallen und die Fliegersiedlung westlich des Flugfeldes mit Einfamilien- und Doppelhäusern, deren Baukörper eine Hallenform nachempfinden soll.

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Der erste städtebauliche Entwurf der Firma Terraplan für das Bücker-Gelände in Rangsdorf sieht ein gemischtes Wohngebiet mit Schule, Sportplatz und Sporthalle vor.

Der erste städtebauliche Entwurf der Firma Terraplan für das Bücker-Gelände in Rangsdorf sieht ein gemischtes Wohngebiet mit Schule, Sportplatz und Sporthalle vor.

In den großen Hallen an der Bahn könnte die vom Bürgermeister vorgeschlagene neue Schule untergebracht werden, zudem ist genügend Platz für eine Sporthalle, einen Sportplatz und weitere Flächen für den Bedarf der Gemeinde. Dazu soll es ein Angebot an Kultur und Gastronomie geben.

Rangsdorfer sollen mitdiskutieren

Erik Roßnagel legt großen Wert auf eine gute Nachbarschaft. In Workshops sollen Rangsdorfer ihre Ideen einbringen. „Ich möchte immer wieder diskutieren – mit Engagement und Leidensfähigkeit“, sagte der Terraplan-Geschäftsführer.

Ein guter Draht zur Politik ist mindestens genau so wichtig, denn es geht um viel Geld. Terraplan möchte Fördergeld beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beantragen. Roßnagel ist überzeugt, dass die Sanierung des Bücker-Geländes ein Projekt von nationaler Bedeutung ist. Beim olympischen Dorf von 1936 in Elstal (Havelland) hat Terraplan bereits erfolgreich Fördermittel beim Bund beantragt.

Millionenförderung vom Bund

Ein weiteres mögliches Kriterium könnte das drohende Defizit sein. Erik Roßnagel schließt nicht aus, dass das Projekt Bücker-Gelände am Ende rote Zahlen schreibt. Mit einer Bundesförderung von bis zu zwölf Millionen Euro rechnet sich das Vorhaben besser. Auf die Gemeinde käme ein Eigenanteil von drei bis vier Millionen Euro zu. „Den können wir natürlich nicht aufbringen“, sagt Bürgermeister Klaus Rocher (FDP).

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Helfen soll dabei ein städtebaulicher Kunstgriff. Indem die Gemeinde das Bücker-Gelände zum Sanierungsgebiet erklärt, kann sie die spätere Wertsteigerung finanziell abschöpfen. Bis Ende November muss die Gemeindevertretung entscheiden, ob sie sich für die Förderung bewirbt. Über den Eigenanteil muss bis Mai kommenden Jahres Klarheit herrschen. Der Bauausschuss befürwortete am Dienstag einen städtebaulichen Vertrag, der zu einem Bebauungsplan für das Gelände führen soll.

Das Bücker-Gelände

Seit Mitte des Jahres gehört das Rangsdorfer Bücker-Gelände der Firma Terraplan aus Nürnberg. Diese erwarb das 93 Hektar große Gelände mit den vier Hallen und dem Flugfeld. Beides steht unter Denkmalschutz.

Die 1935 eröffneten Hallen gehören zu den wenigen Zeugnissen des Architekten Herbert Rimpl. Er galt als bedeutendster Industriearchitekt des Nationalsozialismus. Weil viele seiner Bauten kriegswichtig war, wurden sie während des Krieges zerstört.

Bis in die 40er Jahre wurden in Rangsdorf die Bücker-Flugzeuge gebaut, die als Sport- und Schulflugzeuge eingesetzt wurden. 1936 diente der Flugplatz als offizieller Sportflughafen der Olympischen Spiele in Berlin. Am 20. Juli 1944 startete Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Rangsdorf.

Von Christian Zielke

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