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Wünsdorf

Umstrittene Ideen für alte Militärstadt

Der Verein „ISEC Wünsdorf“ stellt Donnerstag seine Visionen für das ehemals militärisch genutzte Gelände in der Waldstadt öffentlich im „Bücherstall“ vor.

Der Verein „ISEC Wünsdorf“ stellt Donnerstag seine Visionen für das ehemals militärisch genutzte Gelände in der Waldstadt öffentlich im „Bücherstall“ vor.

Wünsdorf. Visionen für die Waldstadt wollen Mitglieder des Vereins „ICEC Wünsdorf“ am Donnerstag vorstellen. Im Kern geht es darum, die ehemalige Militärstadt zu einer internationalen Campus-, Öko- und Friedensstadt zu entwickeln. Dem Projekt „Wünsdorf 3000“ erteilt die Zossener Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) allerdings bereits im Vorfeld eine klare Absage. „ICEC“-Vorsitzender Ekhart Hahn tritt ihren Äußerungen entgegen.

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Schreiber zufolge sind die Visionen für die Nutzung des ehemaligen Militärgeländes völlig unrealistisch. Die gleiche Meinung vertritt Birgit Flügge, Geschäftsführerin der Entwicklungsgesellschaft Waldstadt, Wünsdorf/Zehrensdorf (EWZ), in einer gemeinsamen Presseerklärung von Stadt und EWZ. Im Eigentum der EWZ befinden sich die für „Wünsdorf 3000“ benötigten Flächen. Die EWZ sei für einen Teil dieser Flächen schon länger mit anderen Investoren in teilweise weit fortgeschrittenen Verhandlungen, erklären Schreiber und Flügge. „Im Moment boomt es in Wünsdorf. Da können wir es uns nicht leisten, nachgefragte Flächen zu blockieren, damit sich jemand irgendwann ein Luftschloss bauen kann“, so Schreiber. Schon einmal habe die Stadt mit finanziell nicht untermauerten Riesenprojekten schlechte Erfahrungen gemacht. Die SGW Multiversa AG habe den Wünsdorfern das Blaue vom Himmel versprochen. Das „milliardenschwere“ Projekt sei geplatzt wie eine Seifenblase. Wenngleich „ICEC Wünsdorf“ eine gänzlich andere Projektidee verfolge. Konkrete Investitionsabsichten seien bislang nicht an die EWZ herangetragen worden.

Konzept mit vier zentralen Bausteinen

Verständnis für einige Bedenken von Schreiber und Flügge äußerte Professor Ekhart Hahn. „Aus Sicht der Bürgermeisterin mag das Projekt unrealistisch und nicht finanzierbar erscheinen.“ Richtig sei auch, dass man noch nicht mit der Suche nach Investoren begonnen habe. „Wir wollen das Projekt zuerst den Verantwortlichen der Stadt Zossen und den Wünsdorfer Bürgern vorstellen.“ Das Konzept hat vier zentrale Bausteine: eine Internationale Campusstadt; eine Europäische Akademie für Flüchtlinge mit Integration und Friedensarbeit; ein Gartenstadtquartier, eine kulturelle Mitte. In der Campusstadt sollen beispielsweise Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam arbeiten, ausgebildet werden und wohnen.

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Gründungsmitglieder von „ICEC Wünsdorf“ und zugleich Autoren der Projektstudie sind Führungskräfte weltweit tätiger Planungsbüros und Entwicklungsgesellschaften, die sich speziell mit Klimawandel im Städtebau und Siedlungsentwicklung befassen. Zu den Gründungsmitgliedern zählen auch namhafte Persönlichkeiten wie die Schauspielerin Eva Mattes. „Das Projekt ist zukunftsweisend. Mit ihm hätte längst begonnen werden müssen!“, so Mattes.

Vereinsgründung nach zweijähriger Vorarbeit

Vor der Vereinsgründung lagen gut zwei Jahre Arbeit an der visionären Idee für Wünsdorf-Waldstadt. „Das ist ein historisch gewachsener, außergewöhnlicher Ort mit überregionaler, wenn nicht sogar internationaler Bedeutung“, so Hahn. Beispielsweise habe sich hier mit der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte das Zentrum des Kalten Krieges auf der östlichen Seite befunden. Nun wolle man aus der ehemaligen Militärstadt eine ökologische Modell- und Ausbildungsstadt entwickeln. „Wenn es dazu kommt, ist das ein nationales, wenn nicht sogar europäisches Projekt“. Auf hoher politischer Ebene wolle man um Unterstützung und Geld werben. Ansprechpartner seien Land Brandenburg, Bundesregierung, Europäische Union. „Soweit wir informiert sind, verhandelt die EWZ mit Kaufinteressenten. Aber es gibt noch keine Verträge.“ Folglich stünden alle für die Umsetzung der Projektidee benötigten Flächen zur Verfügung. „Wir werden anfangen, uns um diese Flächen zu bewerben“. Alle bisherigen Investoren seien an der Aufgabe gescheitert, für die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal überzeugende Nutzungsideen zu finden. „ Diese Bauten sind für unsere Zwecke geradezu ideal.“ Hahn zufolge sei die Zeit reif, um so ein richtungsweisendes Projekt anzugehen. „Wünsdorf ist dafür der ideale Standort.“

„Zukunft Wünsdorf – von der Militärstadt zur nachhaltigen Friedensstadt“, 21. Juni ab 18.30 Uhr im „Bücherstall“, Gutenbergstraße 1.

Von Frank Pechhold

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